Das Buch "Der Ring in Minden" dokumentiert das einzigartige Projekt des Mindener Wagner-Verbands

Ursula Koch

In Anlehnung an das Bühnenbild ziert ein roter Kreis den Leineneinband. - © Admin
In Anlehnung an das Bühnenbild ziert ein roter Kreis den Leineneinband. (© Admin)

Minden (mt). Eine Oper in einem kleinen Theater, das kein Ensemble und nur wenige Mitarbeiter in Verwaltung und Technik hat, ist ein Wagnis. Der Mindener Wagner-Verband ging es zu seinem 90-jährigen Bestehen 2002 in Zusammenarbeit mit dem Stadttheater und der Nordwestdeutschen Philharmonie ein. Das Wagnis wurde ein Erfolg, Publikum und Kritiker lobten einhellig die intime Atmosphäre, die aus der Nähe zwischen Sängern und Zuschauern entsteht, und die musikalische Qualität. Die Tatsache, dass in Minden eine Oper zum größten Teil aus privaten Spenden finanziert wurde, ließ bundesweit aufhorchen. Das war 2002.

Inzwischen sind von dem erfolgreichen Trio sieben weitere Opern auf die Bühne gestemmt worden. Zunächst im Abstand von drei bis vier Jahren: Tannhäuser, Lohengrin sowie Tristan und Isolde. 2015 haben sich die Partner dann den dicken Brocken vorgenommen: Richard Wagners Opern-Tetralogie „Der Ring des Nibelungen“. Seit 2015 folgte jedes Jahr im September eine Premiere – Rheingold, Walküre, Siegfried und Götterdämmerung. 2019 soll die Krönung des Mammut-Projekts folgen: Zwei Aufführungen des kompletten Zyklus. Dass es tatsächlich dazu kommt, hatten zu Anfang nicht einmal alle Beteiligten für möglich gehalten.

Fotos des Ring-Projekts dokumentieren die Einzigartigkeit der Mindener Inszenierung. Repro: MT - © Admin
Fotos des Ring-Projekts dokumentieren die Einzigartigkeit der Mindener Inszenierung. Repro: MT (© Admin)

Das sind viele gute Gründe, dieses „Mindener Wunder“ in einem Buch festzuhalten. „Der Ring in Minden“ ist es betitelt, soeben ist es im J.C.C. Bruns Verlag erschienen. In Anlehnung an das Bühnenbild ziert ein roter Kreis den schwarzen Leineneinband. Der Titel und das Logo des Wagner-Verbandes darunter sind in Gold unterlegt. Das von Orchestergeschäftsführer Christian Becker und Doris Reckwell für die NWD herausgegebene Buch bietet viel Stoff zur Erinnerung für alle, die Zuschauer beim „Ring“-Projekt in Minden waren, gibt aber mit einer Vielzahl von Fotos auch jenen einen Eindruck, die an den Aufführungen nicht teilnehmen konnten. Und es ist auch Würdigung für Dr. Jutta Hering-Winckler, die als Vorsitzende des Mindener Wagner-Verbandes und unermüdlicher Motor der Mindener Wagner-Produktionen wesentlichen Anteil an deren Zustandekommen hatte.

Die Texte schrieben Dirigent Frank Beermann, Regisseur Gerd Heinz, Bühnenbildner Frank Philipp Schlössmann, Video-Künstler Matthias Lippert, Lichtdesigner und Bühnenmeister Michael Kohlhagen, die Journalistin und Theater-Autorin Doris Reckewell steuerte ein ebenso erkenntnisreiches wie unterhaltsames Interview mit Jutta Hering-Winckler bei. Die Texte bieten eine Fülle an Einblicken und Einsichten. Dazu erzählen brillante Fotos von Christian Becker, Regie-Assistentin Cesca Carnieer, Produktionsleiter Friedrich Luchterhandt und Dorothee Rapp von den vier Opern, dokumentieren aber auch die Arbeit im Theater.

Beermann erzählt sehr lebendig und auch für musikalische Laien nachvollziehbar von der Suche nach dem „Mindener Klang“, dessen Geheimnis darin liegt, dass das Orchester auf der Bühne hinter den Sängern sitzt. Er nennt als großes Plus die Kontinuität, sowohl bei Sängern, als auch bei Orchestermusikern und Produktionsteam. Regisseur Gerd Heinz, heute 78, sieht in seinem Engagement für den Ring augenzwinkernd „eine lebensverlängernde Maßnahme“. Der Theaterlehrer und erfahrene Musiktheater-Gestalter gibt ausführlich Auskunft über seine Interpretation des Wagner-Werks. Sein Ziel: Den Kern freilegen. Dafür hat sich Schlössmann, der Bühnenbilder in Bayreuth, Tokio und San Francisco gestaltete, auf das Abenteuer eingelassen, die für ihn bislang kleinste Bühne auszustatten und „Assoziationsräume“ für die Zuschauer zu schaffen.

Den persönlichsten Eindruck erhält der Leser aus dem Interview mit Jutta Hering-Winckler. Sie erzählt zum Beispiel, wie alles anfing. Alle „Holländer“-Solisten wohnten damals in ihrem Haus, sie selbst und ihr Mann stellten fest, dass für sie selbst keine Bettdecken mehr übrig waren und gingen in die Kneipe, um sich mal in Ruhe unterhalten zu können. Dieser persönlichen Kontakt zwischen Wagner-Verband und künstlerischem Team ist über all die Jahre erhalten geblieben, verteilt sich mittlerweile aber auf mehr Mitglieder des Wagner-Verbandes. Der Antrieb hinter diesem enormen persönlichen Einsatz: Menschen, vor allem Jugendliche, für Wagner begeistern.

Der Ring in Minden“, herausgegeben von der Nordwestdeutschen Philharmonie, J.C.C. Bruns Verlag, 240 Seiten, 44.90 Euro, erhältlich im Buchhandel und bei Express-Ticketservice, ISBN 978-3-00-060989-3

Wagners Ring in Minden

2019 sind zwei Zyklus-Aufführungen des Mindener Rings geplant:

Zyklus I startet am 12. September mit Rheingold, wird am 15. September mit Walküre, 19. September mit Siegfried fortgesetzt und endet schließlich am 22. September mit der Götterdämmerung.

Zyklus II folgt am 26. und 29. September sowie am 3. und 10. Oktober.

Nach Auskunft von Jutta Hering-Winckler haben bereits mehrere internationale Wagner-Verbände Karten geordert. Sogar aus Australien reisen Wagner-Fans an.

Ein Hotelier fragte irritiert beim Wagner-Verband nach, weil sich ein Ehepaar für vier Wochen bei ihm eingebucht hatte. Dieses Ehepaar will sich tatsächlich beide Zyklen in Minden anschauen, weiß die Vorsitzende des Mindener Wagner-Verbandes.

Gemeinsam mit der Minden Marketing hat sie rund um den Zyklus jeweils ein Ausflugsprogramm für zehn Tage organisiert. Darin enthalten sind Einführungsvorträge, Besuche von Kaiser-Wilhelm-Denkmal, Domschatz, Kirchenkonzert, eine Kanal-Weser-Rundfahrt und ein Ausflug ins Künstlerdorf Worpswede.

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Das Buch "Der Ring in Minden" dokumentiert das einzigartige Projekt des Mindener Wagner-VerbandsUrsula KochMinden (mt). Eine Oper in einem kleinen Theater, das kein Ensemble und nur wenige Mitarbeiter in Verwaltung und Technik hat, ist ein Wagnis. Der Mindener Wagner-Verband ging es zu seinem 90-jährigen Bestehen 2002 in Zusammenarbeit mit dem Stadttheater und der Nordwestdeutschen Philharmonie ein. Das Wagnis wurde ein Erfolg, Publikum und Kritiker lobten einhellig die intime Atmosphäre, die aus der Nähe zwischen Sängern und Zuschauern entsteht, und die musikalische Qualität. Die Tatsache, dass in Minden eine Oper zum größten Teil aus privaten Spenden finanziert wurde, ließ bundesweit aufhorchen. Das war 2002. Inzwischen sind von dem erfolgreichen Trio sieben weitere Opern auf die Bühne gestemmt worden. Zunächst im Abstand von drei bis vier Jahren: Tannhäuser, Lohengrin sowie Tristan und Isolde. 2015 haben sich die Partner dann den dicken Brocken vorgenommen: Richard Wagners Opern-Tetralogie „Der Ring des Nibelungen“. Seit 2015 folgte jedes Jahr im September eine Premiere – Rheingold, Walküre, Siegfried und Götterdämmerung. 2019 soll die Krönung des Mammut-Projekts folgen: Zwei Aufführungen des kompletten Zyklus. Dass es tatsächlich dazu kommt, hatten zu Anfang nicht einmal alle Beteiligten für möglich gehalten. Das sind viele gute Gründe, dieses „Mindener Wunder“ in einem Buch festzuhalten. „Der Ring in Minden“ ist es betitelt, soeben ist es im J.C.C. Bruns Verlag erschienen. In Anlehnung an das Bühnenbild ziert ein roter Kreis den schwarzen Leineneinband. Der Titel und das Logo des Wagner-Verbandes darunter sind in Gold unterlegt. Das von Orchestergeschäftsführer Christian Becker und Doris Reckwell für die NWD herausgegebene Buch bietet viel Stoff zur Erinnerung für alle, die Zuschauer beim „Ring“-Projekt in Minden waren, gibt aber mit einer Vielzahl von Fotos auch jenen einen Eindruck, die an den Aufführungen nicht teilnehmen konnten. Und es ist auch Würdigung für Dr. Jutta Hering-Winckler, die als Vorsitzende des Mindener Wagner-Verbandes und unermüdlicher Motor der Mindener Wagner-Produktionen wesentlichen Anteil an deren Zustandekommen hatte. Die Texte schrieben Dirigent Frank Beermann, Regisseur Gerd Heinz, Bühnenbildner Frank Philipp Schlössmann, Video-Künstler Matthias Lippert, Lichtdesigner und Bühnenmeister Michael Kohlhagen, die Journalistin und Theater-Autorin Doris Reckewell steuerte ein ebenso erkenntnisreiches wie unterhaltsames Interview mit Jutta Hering-Winckler bei. Die Texte bieten eine Fülle an Einblicken und Einsichten. Dazu erzählen brillante Fotos von Christian Becker, Regie-Assistentin Cesca Carnieer, Produktionsleiter Friedrich Luchterhandt und Dorothee Rapp von den vier Opern, dokumentieren aber auch die Arbeit im Theater. Beermann erzählt sehr lebendig und auch für musikalische Laien nachvollziehbar von der Suche nach dem „Mindener Klang“, dessen Geheimnis darin liegt, dass das Orchester auf der Bühne hinter den Sängern sitzt. Er nennt als großes Plus die Kontinuität, sowohl bei Sängern, als auch bei Orchestermusikern und Produktionsteam. Regisseur Gerd Heinz, heute 78, sieht in seinem Engagement für den Ring augenzwinkernd „eine lebensverlängernde Maßnahme“. Der Theaterlehrer und erfahrene Musiktheater-Gestalter gibt ausführlich Auskunft über seine Interpretation des Wagner-Werks. Sein Ziel: Den Kern freilegen. Dafür hat sich Schlössmann, der Bühnenbilder in Bayreuth, Tokio und San Francisco gestaltete, auf das Abenteuer eingelassen, die für ihn bislang kleinste Bühne auszustatten und „Assoziationsräume“ für die Zuschauer zu schaffen. Den persönlichsten Eindruck erhält der Leser aus dem Interview mit Jutta Hering-Winckler. Sie erzählt zum Beispiel, wie alles anfing. Alle „Holländer“-Solisten wohnten damals in ihrem Haus, sie selbst und ihr Mann stellten fest, dass für sie selbst keine Bettdecken mehr übrig waren und gingen in die Kneipe, um sich mal in Ruhe unterhalten zu können. Dieser persönlichen Kontakt zwischen Wagner-Verband und künstlerischem Team ist über all die Jahre erhalten geblieben, verteilt sich mittlerweile aber auf mehr Mitglieder des Wagner-Verbandes. Der Antrieb hinter diesem enormen persönlichen Einsatz: Menschen, vor allem Jugendliche, für Wagner begeistern. Der Ring in Minden“, herausgegeben von der Nordwestdeutschen Philharmonie, J.C.C. Bruns Verlag, 240 Seiten, 44.90 Euro, erhältlich im Buchhandel und bei Express-Ticketservice, ISBN 978-3-00-060989-3 Wagners Ring in Minden 2019 sind zwei Zyklus-Aufführungen des Mindener Rings geplant: Zyklus I startet am 12. September mit Rheingold, wird am 15. September mit Walküre, 19. September mit Siegfried fortgesetzt und endet schließlich am 22. September mit der Götterdämmerung. Zyklus II folgt am 26. und 29. September sowie am 3. und 10. Oktober. Nach Auskunft von Jutta Hering-Winckler haben bereits mehrere internationale Wagner-Verbände Karten geordert. Sogar aus Australien reisen Wagner-Fans an. Ein Hotelier fragte irritiert beim Wagner-Verband nach, weil sich ein Ehepaar für vier Wochen bei ihm eingebucht hatte. Dieses Ehepaar will sich tatsächlich beide Zyklen in Minden anschauen, weiß die Vorsitzende des Mindener Wagner-Verbandes. Gemeinsam mit der Minden Marketing hat sie rund um den Zyklus jeweils ein Ausflugsprogramm für zehn Tage organisiert. Darin enthalten sind Einführungsvorträge, Besuche von Kaiser-Wilhelm-Denkmal, Domschatz, Kirchenkonzert, eine Kanal-Weser-Rundfahrt und ein Ausflug ins Künstlerdorf Worpswede.