Paul Klassen aus Minden baut Luxusautos für Superreiche und Staatspräsidenten

Henning Wandel

Stern: Die Basis für seine Autos stammt überwiegend von Daimler.
Stern: Die Basis für seine Autos stammt überwiegend von Daimler.

Minden (mt). Einmal war Paul Klassen kurz davor, Nein zu sagen. Als die Liste der Sonderwünsche für den neuen Van zu extravagant wurden, hätte er den Fußballprofi aus Ghana fast wieder nach Hause geschickt. Aber eben nur fast. Inzwischen ist die umgebaute Mercedes V-Klasse irgendwo auf der Straße unterwegs – und der Bruder des Fußballers hat sich schon für den nächsten Auftrag angemeldet. So funktioniert das Geschäft des 41 Jahre alten Mindeners, der als 13-jähriger Junge aus Tadschikistan nach Deutschland gekommen ist. Heute ist Klassen ein Mann, der Träume wahr macht. Vorausgesetzt, seine Kunden bringen Geld mit. Sehr viel Geld.

Chef: Paul Klassen hat sein Hobby zum Beruf gemacht.
Chef: Paul Klassen hat sein Hobby zum Beruf gemacht.

In seiner Zentrale am Schwarzen Weg wurden früher einmal Seats verkauft, Volkswagen für den etwas schmaleren Geldbeutel. Heute stehen in dem Ausstellungsraum inmitten schwarzer Vans ein Hummer auf 30-Zoll-Felgen und ein schneeweißer McLaren SLR mit 750 PS und weiß-roter Lederausstattung. Auf Klassens Homepage wird er für knapp eine halbe Million Euro angeboten. Das Auto gehört einem Freund und hat sogar Nummernschilder, andorranische. „Ein oder zwei Mal im Jahr fahre ich damit“, sagt Paul Klassen. Er klingt dabei fast ein wenig gelangweilt. Das Außergewöhnliche ist in seinem Leben so alltäglich, dass er dessen Reiz nicht mehr erliegt.

Marke: Auch auf dem McLaren prangt der Name des Mindeners.
Marke: Auch auf dem McLaren prangt der Name des Mindeners.

Paul Klassens Lebensgeschichte klingt nach Hollywood: Erster Job in einem Schweinestall irgendwo in Minden, danach eine Stelle im Straßenbau, bei der Stadt. Er heiratet schon mit 17, innerhalb von acht Jahren hat das Paar fünf Kinder, heute sind es sechs. Als der junge Vater seinen sicheren Job kündigt, hält die Familie ihn für verrückt, aber der Traum ist stärker. Weiter geht's im Drehbuch mit einer 50-Euro-Garage in der Pionierstraße und einem gebrauchten Bus, an dem Paul Klassen bastelt, wie er es nennt. Das war vor 17 Jahren. Seinen ersten Bus hat er nach Afrika verkauft, sechs Jahre lang hat er sich in dem Segment ausprobiert, kleine Busse mit 21 Sitzen auf Sprinter-Basis: „Es ging mir nie ums Geld verdienen. Ich hatte mein Hobby, und wenn ich heute zurückblicke, habe ich eine Firma.“

Am Schwarzen Weg konstruiert? Paul Klassen Autos für Fußballstars, Superreiche und Staatspräsidenten. - © Foto: Alex Lehn
Am Schwarzen Weg konstruiert? Paul Klassen Autos für Fußballstars, Superreiche und Staatspräsidenten. (© Foto: Alex Lehn)

Der Durchbruch kam 2013 auf dem Genfer Automobilsalon. Ein Jahr zuvor hatte Paul Klassen dort einen luxuriös ausgebauten VW T6 ausgestellt. Er wollte die Lücke zwischen Bussen und Limousinen schließen, ein echtes Büro auf Rädern anbieten. Doch bei allem Komfort für die Passagiere hatte er den Fahrer aus dem Blick verloren. Das Auto floppte, weil hinter dem Steuer nicht mehr genug Platz war. Zurück in Minden nimmt er sich einen neuen Bulli und schneidet das 50.000-Euro-Fahrzeug auseinander. Wenn der Platz nicht reicht, muss das Auto eben länger werden: „Das müssen sie sich auch erstmal trauen“, sagt er. Finanziell war die Aktion ein Risiko. Doch auf dem nächsten Autosalon kann er das Modell noch am Messestand verkaufen. Es ist jetzt für ein japanisches Hotel als Shuttlebus unterwegs, sagt er.

Details: Hinter dem Maybach-Logo verbergen sich silberne Becher.
Details: Hinter dem Maybach-Logo verbergen sich silberne Becher.

Danach geht das Geschäft wie von selbst: Die Kunden fragen nach immer mehr Luxus, Klassen baut ihn ein. Mal soll der Innenraum aussehen wie das Interieur des Privatjets, ein anderes Mal wie ein ghanaischer Fußball-Schrein. „Ich habe mir immer alles zugetraut“, sagt Klassen, der seine Fahrzeuge heute hauptsächlich in der Türkei bauen lässt und mit insgesamt sieben Werken in fünf Ländern vertreten ist. Entwicklung und Verwaltung sind in Minden und gerne würde er auch hier produzieren. Eine Fläche hat er bereits gekauft, „aber finden Sie hier mal einen guten Sattler.“

Privat: Die Passagiere sind vor neugierigen Blicken geschützt.
Privat: Die Passagiere sind vor neugierigen Blicken geschützt.

Klassens Geschäft lebt von Verschwiegenheit, Namen seiner Kunden bleiben sein Geheimnis. Sie kommen aus den Ländern der ehemaligen Sowjetunion, aus China, Dubai oder Kambodscha. Manchmal sogar aus Deutschland. Eine Ausnahme von der Verschwiegenheit gibt es bei einem Reigen von Präsidenten, die in seinen Autos unterwegs sind: Usbekistan, Kamerun, Angola zum Beispiel. Gerade erst hat er einen verlängerten und gepanzerten Range Rover ausgeliefert, in dem Kameruns Staatschef Paul Biya durch eine großzügige Öffnung im Dach auch eine Parade abnehmen kann. Dass diese Klientel politisch nicht unumstritten ist, spielt keine Rolle. Paul Klassen lebt für seine Arbeit – und wer bezahlt, darf sich seine Wünsche erfüllen lassen. Ganz einfach. Es macht ihm offensichtlich Freude, Grenzen zu testen. Einen Range Rover könne man zwar auseinanderschneiden, aber nicht ohne Weiteres wieder zusammenschweißen. „Wir haben die Teile genietet, wie bei einem Flugzeug“, sagt er. Man muss sich eben nur trauen.

Das nächste große Ding auf Klassens Agenda ist ein Rolls Royce Cullinan. 300.000 Euro kostet das Modell von der Stange – 1,8 Millionen, wenn der Mindener und sein Team damit fertig sind. Dann ist der Cullinan gepanzert und einen Meter länger. Plus dem Klassen-üblichen Luxus innen. Eine Sprachsteuerung etwa, die nur auf die Stimme des Besitzers reagiert. Dass in den aufgemotzten Autos alles über das Handy gesteuert werden kann, ist da fast schon selbstverständlich.

In diesem Jahr will Paul Klassen seinen Umsatz auf 15 Millionen Euro schrauben. Und weil er sich mittlerweile einen Namen gemacht hat, will er auch den vermarkten. Auf seiner goldenen Metall-Visitenkarte prangt bereits das kleine, eingekreiste R, Klassen ist eine eingetragene Marke. Das K, sein Firmensymbol, soll es bald auch auf dem I-Phone geben – dann kostet das Handy 4000 Euro. Genauso teuer ist übrigens auch der schwarze Kinder-SUV mit Klassen-Logo. Wenn seine Kunden in Minden vorbeischauen – es kam auch schon mal jemand direkt mit dem Hubschrauber – können sie das Spielzeug gleich für den Nachwuchs mitnehmen. Und was für ein Auto fährt jemand, der all das möglich macht, privat? „Eine ganz normale S-Klasse“, sagt Paul Klassen. Wobei die Maybach-Variante auch nicht gerade alltäglich ist. „Ach ja: Und einen Rolls Royce“, schickt er noch hinterher. In seinem Job geht es eben auch um das Prestige.

Video über Kameruns Staatschef Paul Biya

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Paul Klassen aus Minden baut Luxusautos für Superreiche und StaatspräsidentenHenning WandelMinden (mt). Einmal war Paul Klassen kurz davor, Nein zu sagen. Als die Liste der Sonderwünsche für den neuen Van zu extravagant wurden, hätte er den Fußballprofi aus Ghana fast wieder nach Hause geschickt. Aber eben nur fast. Inzwischen ist die umgebaute Mercedes V-Klasse irgendwo auf der Straße unterwegs – und der Bruder des Fußballers hat sich schon für den nächsten Auftrag angemeldet. So funktioniert das Geschäft des 41 Jahre alten Mindeners, der als 13-jähriger Junge aus Tadschikistan nach Deutschland gekommen ist. Heute ist Klassen ein Mann, der Träume wahr macht. Vorausgesetzt, seine Kunden bringen Geld mit. Sehr viel Geld. In seiner Zentrale am Schwarzen Weg wurden früher einmal Seats verkauft, Volkswagen für den etwas schmaleren Geldbeutel. Heute stehen in dem Ausstellungsraum inmitten schwarzer Vans ein Hummer auf 30-Zoll-Felgen und ein schneeweißer McLaren SLR mit 750 PS und weiß-roter Lederausstattung. Auf Klassens Homepage wird er für knapp eine halbe Million Euro angeboten. Das Auto gehört einem Freund und hat sogar Nummernschilder, andorranische. „Ein oder zwei Mal im Jahr fahre ich damit“, sagt Paul Klassen. Er klingt dabei fast ein wenig gelangweilt. Das Außergewöhnliche ist in seinem Leben so alltäglich, dass er dessen Reiz nicht mehr erliegt. Paul Klassens Lebensgeschichte klingt nach Hollywood: Erster Job in einem Schweinestall irgendwo in Minden, danach eine Stelle im Straßenbau, bei der Stadt. Er heiratet schon mit 17, innerhalb von acht Jahren hat das Paar fünf Kinder, heute sind es sechs. Als der junge Vater seinen sicheren Job kündigt, hält die Familie ihn für verrückt, aber der Traum ist stärker. Weiter geht's im Drehbuch mit einer 50-Euro-Garage in der Pionierstraße und einem gebrauchten Bus, an dem Paul Klassen bastelt, wie er es nennt. Das war vor 17 Jahren. Seinen ersten Bus hat er nach Afrika verkauft, sechs Jahre lang hat er sich in dem Segment ausprobiert, kleine Busse mit 21 Sitzen auf Sprinter-Basis: „Es ging mir nie ums Geld verdienen. Ich hatte mein Hobby, und wenn ich heute zurückblicke, habe ich eine Firma.“ Der Durchbruch kam 2013 auf dem Genfer Automobilsalon. Ein Jahr zuvor hatte Paul Klassen dort einen luxuriös ausgebauten VW T6 ausgestellt. Er wollte die Lücke zwischen Bussen und Limousinen schließen, ein echtes Büro auf Rädern anbieten. Doch bei allem Komfort für die Passagiere hatte er den Fahrer aus dem Blick verloren. Das Auto floppte, weil hinter dem Steuer nicht mehr genug Platz war. Zurück in Minden nimmt er sich einen neuen Bulli und schneidet das 50.000-Euro-Fahrzeug auseinander. Wenn der Platz nicht reicht, muss das Auto eben länger werden: „Das müssen sie sich auch erstmal trauen“, sagt er. Finanziell war die Aktion ein Risiko. Doch auf dem nächsten Autosalon kann er das Modell noch am Messestand verkaufen. Es ist jetzt für ein japanisches Hotel als Shuttlebus unterwegs, sagt er. Danach geht das Geschäft wie von selbst: Die Kunden fragen nach immer mehr Luxus, Klassen baut ihn ein. Mal soll der Innenraum aussehen wie das Interieur des Privatjets, ein anderes Mal wie ein ghanaischer Fußball-Schrein. „Ich habe mir immer alles zugetraut“, sagt Klassen, der seine Fahrzeuge heute hauptsächlich in der Türkei bauen lässt und mit insgesamt sieben Werken in fünf Ländern vertreten ist. Entwicklung und Verwaltung sind in Minden und gerne würde er auch hier produzieren. Eine Fläche hat er bereits gekauft, „aber finden Sie hier mal einen guten Sattler.“ Klassens Geschäft lebt von Verschwiegenheit, Namen seiner Kunden bleiben sein Geheimnis. Sie kommen aus den Ländern der ehemaligen Sowjetunion, aus China, Dubai oder Kambodscha. Manchmal sogar aus Deutschland. Eine Ausnahme von der Verschwiegenheit gibt es bei einem Reigen von Präsidenten, die in seinen Autos unterwegs sind: Usbekistan, Kamerun, Angola zum Beispiel. Gerade erst hat er einen verlängerten und gepanzerten Range Rover ausgeliefert, in dem Kameruns Staatschef Paul Biya durch eine großzügige Öffnung im Dach auch eine Parade abnehmen kann. Dass diese Klientel politisch nicht unumstritten ist, spielt keine Rolle. Paul Klassen lebt für seine Arbeit – und wer bezahlt, darf sich seine Wünsche erfüllen lassen. Ganz einfach. Es macht ihm offensichtlich Freude, Grenzen zu testen. Einen Range Rover könne man zwar auseinanderschneiden, aber nicht ohne Weiteres wieder zusammenschweißen. „Wir haben die Teile genietet, wie bei einem Flugzeug“, sagt er. Man muss sich eben nur trauen. Das nächste große Ding auf Klassens Agenda ist ein Rolls Royce Cullinan. 300.000 Euro kostet das Modell von der Stange – 1,8 Millionen, wenn der Mindener und sein Team damit fertig sind. Dann ist der Cullinan gepanzert und einen Meter länger. Plus dem Klassen-üblichen Luxus innen. Eine Sprachsteuerung etwa, die nur auf die Stimme des Besitzers reagiert. Dass in den aufgemotzten Autos alles über das Handy gesteuert werden kann, ist da fast schon selbstverständlich. In diesem Jahr will Paul Klassen seinen Umsatz auf 15 Millionen Euro schrauben. Und weil er sich mittlerweile einen Namen gemacht hat, will er auch den vermarkten. Auf seiner goldenen Metall-Visitenkarte prangt bereits das kleine, eingekreiste R, Klassen ist eine eingetragene Marke. Das K, sein Firmensymbol, soll es bald auch auf dem I-Phone geben – dann kostet das Handy 4000 Euro. Genauso teuer ist übrigens auch der schwarze Kinder-SUV mit Klassen-Logo. Wenn seine Kunden in Minden vorbeischauen – es kam auch schon mal jemand direkt mit dem Hubschrauber – können sie das Spielzeug gleich für den Nachwuchs mitnehmen. Und was für ein Auto fährt jemand, der all das möglich macht, privat? „Eine ganz normale S-Klasse“, sagt Paul Klassen. Wobei die Maybach-Variante auch nicht gerade alltäglich ist. „Ach ja: Und einen Rolls Royce“, schickt er noch hinterher. In seinem Job geht es eben auch um das Prestige. Video über Kameruns Staatschef Paul Biya