Widerstand gegen Industrieansiedlung auf 136 Hektar in Päpinghausen

Michael Grundmeier

Die Teilnehmer der Infoveranstaltung machten deutlich, dass mit der Ansiedlung von noch mehr Industrie die Belastungen der Wohnbevölkerung in Päpinghausen zunehmen. Foto: Michael Grundmeier - © Picasa
Die Teilnehmer der Infoveranstaltung machten deutlich, dass mit der Ansiedlung von noch mehr Industrie die Belastungen der Wohnbevölkerung in Päpinghausen zunehmen. Foto: Michael Grundmeier (© Picasa)

Päpinghausen (mig). Spaltet die geplante Ausweitung des Industriegebietes Minden-Ost Päpinghausen in zwei Lager? Bei einer Infoveranstaltung im Feuerwehrgerätehaus ist der Konflikt deutlich zu Tage getreten.

Damit hatte an diesem Morgen wohl kaum jemand gerechnet. Rund eine halbe Stunde nachdem Dieter Nitzke und Klaus Wiese die Versammlung eröffnet hatten, kam es zu hitzigen Wortwechseln und gegenseitigen Anschuldigungen. Ortsvorsteher Klaus-Dieter Rommelmann (SPD) klagte, er sei nicht zum Treffen eingeladen worden woraufhin Klaus Wiese entgegnete: „Dann ist sie dir wohl aus dem Briefkasten geklaut worden“.

In diesem Ton ging es weiter, bis Dieter Nitzke das Wort ergriff und dem Ortsvorsteher vorwarf, die Bauern seien ihm wichtiger „als deine Bürger“. Er und andere aus dem Vorbereitungskreis hätten sich gewünscht, „dass uns der Ortsvorsteher unterstützt“ gleiches gelte auch für den Ortsvorsteher Wietersheim. Ortsvorsteher hätten die Interessen aller Bürger zu vertreten – „wir fühlen uns von dir im Stich gelassen“.

Als Beleg dafür, dass Rommelmann nur eine Seite vertrete, führte Nitzke ein Zitat von einer Ortsversammlung an. Auf seine Frage, ob man eine Bürgerinitiative wie in Cammer brauche, habe Rommelmann geantwortet: „So einen Zirkus brauchen wir hier nicht“. Mit dieser Aussage habe sich Rommelmann „selbst geoutet“. Im einem späteren Gespräch war zu erfahren, dass ein Verwandter Rommelmanns Land besitzt, das er gerne verkaufen würde. „Wer sich in einem derartigen Interessenkonflikt befindet, sollte lieber zurücktreten“, meinte Nitzke.

Ortsvorsteher Rommelmann konnte die Vorwürfe nicht nachvollziehen. „Ich weiß nicht, warum ich nicht einverstanden sein sollte, wenn etwas Gutes entsteht.“ Er habe immer das Beste für Päpinghausen versucht und lediglich für eine vernünftige Planung werben wollen.

Zuvor hatte Dieter Nitzke ausgeführt, warum der Vorbereitungskreis gegen die geplante Ausweitung des Industriegebietes Minden-Ost in Päpinghausen ist. Schon als man gehört habe, „dass es sich um 136 Hektar handelt, war uns klar: hier geht es nicht um einen kleinen Schrebergarten, sondern um einen Riesenmoloch“. Man habe deshalb eine Unterschriftenaktion gestartet, an der 150 Bürger teilgenommen hätten. „Wir müssen keine Angst haben, aber Sorgen und weil wir Sorgen haben, haben wir diesen Kreis gegründet, damit unsere Sorgen berücksichtigt werden“, so Nitzke.

Dass so viele Bürger zur Infoversammlung gekommen seien, mache deutlich, „dass wir uns nicht alles gefallen lassen“. Ganz besonders aufpassen müsse man, wenn der Bebauungsplan öffentlich ausliege. „Dann werden wir genau schauen was da drinsteht.“ Wenn die Sorgen der Bürger nicht berücksichtigt würden, müsse man tätig werden. Vor allem die von ihnen gewünschte 300 Meter Abstand zu den ersten Häusern dürfe keinesfalls unterschritten werden.

Ganz konkret fürchten die Anlieger Einbußen an Wohn- und Lebensqualität. Es werde zu weiteren Lärm- und Umweltbelastungen kommen, außerdem zu einem „enormen Wertverlust der Grundstücke und Häuser“. Vor allem die Größe des geplanten Industriegebiets macht den anliegenden Bürgern Angst. Das Gebiet reiche bis nach Wietersheim, Frille, Lahde und Petershagen – „wenn wir die aktuelle Skizze bekommen werden, werden sich viele erschrecken“, so Nitzke. In der Skizze sei die Grenze zu den nächsten Grundstücken mit 30 Metern angegeben.

Darüber hinaus befürchtet Nitzke, dass der „Moloch“ die Siedlung Päpinghausen vom Dorf trennt. Die bisherige ländliche Struktur gehe völlig verloren. Päpinghausen würde seine dörfliche Struktur verlieren und sich nach Jahren in ein riesiges Industriegebiet verwandeln. Schon jetzt jetzt gebe es Belastungen wie die Geruchsbelästigungen durch die Tierfutterwerke, sehr laute Geräusche durch das Aluwerk, Geräusche durch den Lkw-Verkehr, laute Windgeräusche durch das Windrad, Warnsignale von Zügen und vieles mehr. Eine Zunahme des Güterverkehrs, der Nachtarbeit mit entsprechendem Lärm, der Licht-Emission oder die Verschlechterung der Luftqualität sei zu befürchten. Die Mitglieder des Bauausschusses und des Rats Minden sollten prüfen, ob nicht ebenso andere Industriegebiete in Minden zur weiteren Bebauung freigegeben werden könnten. In Minden-Meißen und Minden-Dützen gebe es noch freie Flächen. In dem geforderten Mindestabstand von 300 Metern wünsche sich der Kreis einen parkähnlichen Mischwald mit Rad- und Gehwegen. Weiterhin dürften in diesem Randbereich keine Gebäude errichtet werden, die höher als zehn Meter sind. Und: Zwischen Päpinghausen Dorf und Siedlung sollten keine chemischen Werke, keine Tag- und Nachtarbeit, keine hohen Schornsteine, keine Lagerstätten für giftige Produkte und keine weiteren Windräder entstehen.

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Widerstand gegen Industrieansiedlung auf 136 Hektar in PäpinghausenMichael GrundmeierPäpinghausen (mig). Spaltet die geplante Ausweitung des Industriegebietes Minden-Ost Päpinghausen in zwei Lager? Bei einer Infoveranstaltung im Feuerwehrgerätehaus ist der Konflikt deutlich zu Tage getreten. Damit hatte an diesem Morgen wohl kaum jemand gerechnet. Rund eine halbe Stunde nachdem Dieter Nitzke und Klaus Wiese die Versammlung eröffnet hatten, kam es zu hitzigen Wortwechseln und gegenseitigen Anschuldigungen. Ortsvorsteher Klaus-Dieter Rommelmann (SPD) klagte, er sei nicht zum Treffen eingeladen worden woraufhin Klaus Wiese entgegnete: „Dann ist sie dir wohl aus dem Briefkasten geklaut worden“. In diesem Ton ging es weiter, bis Dieter Nitzke das Wort ergriff und dem Ortsvorsteher vorwarf, die Bauern seien ihm wichtiger „als deine Bürger“. Er und andere aus dem Vorbereitungskreis hätten sich gewünscht, „dass uns der Ortsvorsteher unterstützt“ gleiches gelte auch für den Ortsvorsteher Wietersheim. Ortsvorsteher hätten die Interessen aller Bürger zu vertreten – „wir fühlen uns von dir im Stich gelassen“. Als Beleg dafür, dass Rommelmann nur eine Seite vertrete, führte Nitzke ein Zitat von einer Ortsversammlung an. Auf seine Frage, ob man eine Bürgerinitiative wie in Cammer brauche, habe Rommelmann geantwortet: „So einen Zirkus brauchen wir hier nicht“. Mit dieser Aussage habe sich Rommelmann „selbst geoutet“. Im einem späteren Gespräch war zu erfahren, dass ein Verwandter Rommelmanns Land besitzt, das er gerne verkaufen würde. „Wer sich in einem derartigen Interessenkonflikt befindet, sollte lieber zurücktreten“, meinte Nitzke. Ortsvorsteher Rommelmann konnte die Vorwürfe nicht nachvollziehen. „Ich weiß nicht, warum ich nicht einverstanden sein sollte, wenn etwas Gutes entsteht.“ Er habe immer das Beste für Päpinghausen versucht und lediglich für eine vernünftige Planung werben wollen. Zuvor hatte Dieter Nitzke ausgeführt, warum der Vorbereitungskreis gegen die geplante Ausweitung des Industriegebietes Minden-Ost in Päpinghausen ist. Schon als man gehört habe, „dass es sich um 136 Hektar handelt, war uns klar: hier geht es nicht um einen kleinen Schrebergarten, sondern um einen Riesenmoloch“. Man habe deshalb eine Unterschriftenaktion gestartet, an der 150 Bürger teilgenommen hätten. „Wir müssen keine Angst haben, aber Sorgen und weil wir Sorgen haben, haben wir diesen Kreis gegründet, damit unsere Sorgen berücksichtigt werden“, so Nitzke. Dass so viele Bürger zur Infoversammlung gekommen seien, mache deutlich, „dass wir uns nicht alles gefallen lassen“. Ganz besonders aufpassen müsse man, wenn der Bebauungsplan öffentlich ausliege. „Dann werden wir genau schauen was da drinsteht.“ Wenn die Sorgen der Bürger nicht berücksichtigt würden, müsse man tätig werden. Vor allem die von ihnen gewünschte 300 Meter Abstand zu den ersten Häusern dürfe keinesfalls unterschritten werden. Ganz konkret fürchten die Anlieger Einbußen an Wohn- und Lebensqualität. Es werde zu weiteren Lärm- und Umweltbelastungen kommen, außerdem zu einem „enormen Wertverlust der Grundstücke und Häuser“. Vor allem die Größe des geplanten Industriegebiets macht den anliegenden Bürgern Angst. Das Gebiet reiche bis nach Wietersheim, Frille, Lahde und Petershagen – „wenn wir die aktuelle Skizze bekommen werden, werden sich viele erschrecken“, so Nitzke. In der Skizze sei die Grenze zu den nächsten Grundstücken mit 30 Metern angegeben. Darüber hinaus befürchtet Nitzke, dass der „Moloch“ die Siedlung Päpinghausen vom Dorf trennt. Die bisherige ländliche Struktur gehe völlig verloren. Päpinghausen würde seine dörfliche Struktur verlieren und sich nach Jahren in ein riesiges Industriegebiet verwandeln. Schon jetzt jetzt gebe es Belastungen wie die Geruchsbelästigungen durch die Tierfutterwerke, sehr laute Geräusche durch das Aluwerk, Geräusche durch den Lkw-Verkehr, laute Windgeräusche durch das Windrad, Warnsignale von Zügen und vieles mehr. Eine Zunahme des Güterverkehrs, der Nachtarbeit mit entsprechendem Lärm, der Licht-Emission oder die Verschlechterung der Luftqualität sei zu befürchten. Die Mitglieder des Bauausschusses und des Rats Minden sollten prüfen, ob nicht ebenso andere Industriegebiete in Minden zur weiteren Bebauung freigegeben werden könnten. In Minden-Meißen und Minden-Dützen gebe es noch freie Flächen. In dem geforderten Mindestabstand von 300 Metern wünsche sich der Kreis einen parkähnlichen Mischwald mit Rad- und Gehwegen. Weiterhin dürften in diesem Randbereich keine Gebäude errichtet werden, die höher als zehn Meter sind. Und: Zwischen Päpinghausen Dorf und Siedlung sollten keine chemischen Werke, keine Tag- und Nachtarbeit, keine hohen Schornsteine, keine Lagerstätten für giftige Produkte und keine weiteren Windräder entstehen.