Der Stadtbach macht beim Familienhaus am Deichhof Ärger

Monika Jäger

Rund sechs Wochen sollen die Abrissarbeiten am Deichhof dauern. Ob in diesem Jahr dann noch gebaut wird, ist zurzeit nicht absehbar. MT- - © Foto: Alex Lehn
Rund sechs Wochen sollen die Abrissarbeiten am Deichhof dauern. Ob in diesem Jahr dann noch gebaut wird, ist zurzeit nicht absehbar. MT- (© Foto: Alex Lehn)

Minden (mt). Der Deichhof entwickelt sich immer mehr zum Sorgenkind der Rudloff-Stiftung, die hier mitten in der Stadt ein Familienhaus errichten will. Das mit großem Enthusiasmus gestartete Projekt muss einen Rückschlag nach dem anderen abfedern. Aktuell größtes Problem: das Baugelände. Irgendwann in Vorzeiten muss da mal der Stadtbach langgeflossen sein. In diesem Untergrund voll Torf und Wasser werden Gründung und Dichtung des Gebäudekomplexes sehr schwierig. Und teuer. Und viel langwieriger als geplant. Rund zehn Meter tief müssen die Betonpfeiler in den Boden. Absehbar war das anfangs nicht, sagt Bettina Krachudel als Sprecherin der Stiftung.

Und so steht jetzt noch kein Termin für den Baubeginn fest, obwohl in dieser Woche die Abbrucharbeiten an der alten Mode-Galerie und einigen alten Schuppen begonnen haben. Hat die Stiftung inzwischen schon die Reißleine in der Hand? „Wir haben die Verantwortung für das Stiftungsvermögen und müssen uns jeden Schritt gut überlegen", sagt Krachudel deutlich. „Wenn der Tiefbau irgendwann eine Summe X überschreitet, fällt auch unsere Kalkulation um." Schon im Frühjahr war die Strothmann-Stiftung mit eingestiegen, um das finanzielle Risiko zu streuen.

Wie es weitergeht, und wann? Im Moment sind alle Termine eher Ausdruck einer Hoffnung als belastbare Planungsgrundlage. Denn bisher ist das zweite Bodengutachten nicht endgültig ausgewertet. Das wurde nötig, nachdem erste Bohrungen nicht ausreichend Aufschluss darüber gaben, wie der Boden genau beschaffen ist. „Wir müssen ja wissen, worauf wir uns einlassen", sagt Krachudel. Ohne Bodengutachten keine verbindliche Kostenübersicht, ohne Kostenübersicht keine Kalkulation.

Sicher scheint: Nur eine Spezialfirma wird die Gründung übernehmen können. Die Auftragsbücher sind überall voll, die Preise in der Baubranche ziehen Monat um Monat an.

Im November, hofft Krachudel nun, sei die Kalkulation fertig, und dann könne ja eventuell noch in diesem Jahr angefangen werden. Allerdings: Es gibt auch noch keine finale Baugenehmigung, weil letzte Feinheiten nicht geklärt sind – etwa Zufahrtswege für Feuerwehrautos. Danach, das ist schon absehbar, müssen Parkplatz-Planungen nochmals überdacht werden.

Für Unmut hätten die Abrissarbeiten auch bei den einstigen Parkplatz-Mietern gesorgt, sagt Krachudel. Denn die müssen sich nun Ausweichorte suchen – das ist der zweite Ort in Minden, der für Dauerparker jetzt wegfällt.

Die Autorin ist erreichbar unter (0571) 882 148 oder Monika.Jaeger@MT.de

Das Familienhaus

- Ein Haus, das Angebote für und rund um Familien bietet, soll am Deichhof entstehen. Mit dieser Idee setzte sich die Rudloff-Stiftung seinerzeit gegen Mitbewerber durch, die auf dem Grundstück ein Mehrgenerationenhaus errichten wollten.

- In dem Gebäude sollen künftig unter anderem die „Frühen Hilfen" der Stadt Minden einziehen. Werdende Eltern und Eltern mit Kindern bis zu drei Jahren finden dort Unterstützung.

- Ein weiterer heimischer Träger möchte hier mit einem Mutter-Kind-Zentrum einziehen. Auch barrierefreies Wohnen soll angeboten werden.

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Der Stadtbach macht beim Familienhaus am Deichhof ÄrgerMonika JägerMinden (mt). Der Deichhof entwickelt sich immer mehr zum Sorgenkind der Rudloff-Stiftung, die hier mitten in der Stadt ein Familienhaus errichten will. Das mit großem Enthusiasmus gestartete Projekt muss einen Rückschlag nach dem anderen abfedern. Aktuell größtes Problem: das Baugelände. Irgendwann in Vorzeiten muss da mal der Stadtbach langgeflossen sein. In diesem Untergrund voll Torf und Wasser werden Gründung und Dichtung des Gebäudekomplexes sehr schwierig. Und teuer. Und viel langwieriger als geplant. Rund zehn Meter tief müssen die Betonpfeiler in den Boden. Absehbar war das anfangs nicht, sagt Bettina Krachudel als Sprecherin der Stiftung. Und so steht jetzt noch kein Termin für den Baubeginn fest, obwohl in dieser Woche die Abbrucharbeiten an der alten Mode-Galerie und einigen alten Schuppen begonnen haben. Hat die Stiftung inzwischen schon die Reißleine in der Hand? „Wir haben die Verantwortung für das Stiftungsvermögen und müssen uns jeden Schritt gut überlegen", sagt Krachudel deutlich. „Wenn der Tiefbau irgendwann eine Summe X überschreitet, fällt auch unsere Kalkulation um." Schon im Frühjahr war die Strothmann-Stiftung mit eingestiegen, um das finanzielle Risiko zu streuen. Wie es weitergeht, und wann? Im Moment sind alle Termine eher Ausdruck einer Hoffnung als belastbare Planungsgrundlage. Denn bisher ist das zweite Bodengutachten nicht endgültig ausgewertet. Das wurde nötig, nachdem erste Bohrungen nicht ausreichend Aufschluss darüber gaben, wie der Boden genau beschaffen ist. „Wir müssen ja wissen, worauf wir uns einlassen", sagt Krachudel. Ohne Bodengutachten keine verbindliche Kostenübersicht, ohne Kostenübersicht keine Kalkulation. Sicher scheint: Nur eine Spezialfirma wird die Gründung übernehmen können. Die Auftragsbücher sind überall voll, die Preise in der Baubranche ziehen Monat um Monat an. Im November, hofft Krachudel nun, sei die Kalkulation fertig, und dann könne ja eventuell noch in diesem Jahr angefangen werden. Allerdings: Es gibt auch noch keine finale Baugenehmigung, weil letzte Feinheiten nicht geklärt sind – etwa Zufahrtswege für Feuerwehrautos. Danach, das ist schon absehbar, müssen Parkplatz-Planungen nochmals überdacht werden. Für Unmut hätten die Abrissarbeiten auch bei den einstigen Parkplatz-Mietern gesorgt, sagt Krachudel. Denn die müssen sich nun Ausweichorte suchen – das ist der zweite Ort in Minden, der für Dauerparker jetzt wegfällt. Die Autorin ist erreichbar unter (0571) 882 148 oder Monika.Jaeger@MT.de Das Familienhaus - Ein Haus, das Angebote für und rund um Familien bietet, soll am Deichhof entstehen. Mit dieser Idee setzte sich die Rudloff-Stiftung seinerzeit gegen Mitbewerber durch, die auf dem Grundstück ein Mehrgenerationenhaus errichten wollten. - In dem Gebäude sollen künftig unter anderem die „Frühen Hilfen" der Stadt Minden einziehen. Werdende Eltern und Eltern mit Kindern bis zu drei Jahren finden dort Unterstützung. - Ein weiterer heimischer Träger möchte hier mit einem Mutter-Kind-Zentrum einziehen. Auch barrierefreies Wohnen soll angeboten werden.