Schwierige Suche nach einem Atelier

Claudia Hyna

Minden (mt). Schöner und bezahlbarer Wohnraum ist rar in Minden. Auch Kunstschaffende haben es im Moment schwer, einen Platz für den kreativen Prozess zu finden. Ein Beispiel ist Charlotta Lax. Kunst gehört für sie zum Leben dazu, in dem sich seit elf Wochen alles um Sohn Oskar dreht. Er ist in ihr früheres Atelier gezogen und daher fehlt ihr der eigene Raum.

Als Künstlerin braucht Charlotta Lax einen Ort, an dem sie sich kreativ entfalten kann. MT- - © Foto: Alex Lehn
Als Künstlerin braucht Charlotta Lax einen Ort, an dem sie sich kreativ entfalten kann. MT- (© Foto: Alex Lehn)

Wo bis vor kurzem Staffelei und Material sich breit machen durften, stehen jetzt Wickelkommode und Babybett. Momentan weicht die Malerin ins Arbeitszimmer aus, doch zwischen den Regalen voller Schulbücher kommt keine kreative Atmosphäre auf, sagt sie. Außerdem verursacht Kunst nun mal Dreck, den sie in der heimischen Wohnung allerdings sogleich wieder entfernen muss. Um Kunst und Baby besser vereinbaren zu können, sucht die 32-Jährige ein eigenes Atelier.

Das ist jedoch gar nicht so einfach wie gedacht. Auf ihre Anzeigen im Mindener Tageblatt gab es zwar Resonanz, doch bisher war nicht das Passende dabei. „Ich habe auf diesem Wege aber zwei interessante Damen und ihre Räume und auch Menschen kennen gelernt“, sagt die Mindenerin.

Zum Teil gebe es überzogene Preisvorstellungen – das ist wohl eine Situation, wie sie Wohnungssuchende in Minden derzeit häufig erleben. Was sie sich wünscht, sind ein bis zwei helle Zimmer, etwa 30 Quadratmeter groß, mit WC. Und es sollte sich in der Nähe ihrer Wohnung befinden, das heißt, in der Innenstadt oder auf der rechten Weserseite. Es muss nicht renoviert sein, aber auch nicht möbliert. „Eigentlich bin ich doch ein Hauptgewinn“, sagt sie und lacht. Schließlich sei sie nicht immer da und man könne ihr Räume anbieten, die so als Wohnung nicht nutzbar seien.

In der Mittelstufe am Ratsgymnasium Minden entdeckte Charlotta Lax das Malen für sich. Nach dem Abitur studierte sie Kunst, Englisch und Philosophie in Paderborn und den USA. Seit dem Referendariat 2010 ist sie am Immanuel-Kant-Gymnasium in Bad Oeynhausen tätig. Als Lehrerin gibt sie ihre Begeisterung für die Gestaltung mit Stift und Pinsel an ihre Schüler weiter.

Schon beim Wechsel vom Studium ins Berufsleben vermisste sie die Möglichkeiten, die die universitäre Umgebung bot. Als Berufsanfängerin hatte die Pädagogin zunächst wenig Zeit für eigene Kunst. Während des Studiums hat sich ihre Vorliebe für die Form heraus kristallisiert. Das wird in ihren Fotografien sichtbar, etwa von einer Londonreise, hier zeigt sie die architektonische Schönheit der Tate-Gallery.

Was sie darüber hinaus fasziniert, sind Körper in der Bewegung. Das Motiv des Boxers findet sich in vielfältiger Weise wieder, sie selbst habe auch Boxkämpfe besucht. „Diese Beweglichkeit hat viel mit Eleganz zu tun, ähnlich wie beim Tänzer. An dem Sport gefällt mir das Raue und die Fairness“, sagt sie.

Auch die 32-Jährige braucht Bewegung zum Ausgleich, macht Yoga, geht ins Fitnessstudio. Die Beziehung zu ihrem Baby sei momentan vor allem körperlich. Kunst könne hingegen ein sehr zurückgezogener Zustand sein – und diese Auseinandersetzung ist ihr wichtig. Sie malt, um ihren Kopf zu fordern, wann immer ihr Kind es erlaubt. Oskar sei zum Glück pflegeleicht, sie wolle ihn auch in ihr Atelier mitnehmen. Vielleicht gibt es ja in Minden ein Zimmer, das sich dafür eignet. Eins ist klar: Für ihre Kunst braucht sie keinen Luxus.

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Schwierige Suche nach einem AtelierClaudia HynaMinden (mt). Schöner und bezahlbarer Wohnraum ist rar in Minden. Auch Kunstschaffende haben es im Moment schwer, einen Platz für den kreativen Prozess zu finden. Ein Beispiel ist Charlotta Lax. Kunst gehört für sie zum Leben dazu, in dem sich seit elf Wochen alles um Sohn Oskar dreht. Er ist in ihr früheres Atelier gezogen und daher fehlt ihr der eigene Raum. Wo bis vor kurzem Staffelei und Material sich breit machen durften, stehen jetzt Wickelkommode und Babybett. Momentan weicht die Malerin ins Arbeitszimmer aus, doch zwischen den Regalen voller Schulbücher kommt keine kreative Atmosphäre auf, sagt sie. Außerdem verursacht Kunst nun mal Dreck, den sie in der heimischen Wohnung allerdings sogleich wieder entfernen muss. Um Kunst und Baby besser vereinbaren zu können, sucht die 32-Jährige ein eigenes Atelier. Das ist jedoch gar nicht so einfach wie gedacht. Auf ihre Anzeigen im Mindener Tageblatt gab es zwar Resonanz, doch bisher war nicht das Passende dabei. „Ich habe auf diesem Wege aber zwei interessante Damen und ihre Räume und auch Menschen kennen gelernt“, sagt die Mindenerin. Zum Teil gebe es überzogene Preisvorstellungen – das ist wohl eine Situation, wie sie Wohnungssuchende in Minden derzeit häufig erleben. Was sie sich wünscht, sind ein bis zwei helle Zimmer, etwa 30 Quadratmeter groß, mit WC. Und es sollte sich in der Nähe ihrer Wohnung befinden, das heißt, in der Innenstadt oder auf der rechten Weserseite. Es muss nicht renoviert sein, aber auch nicht möbliert. „Eigentlich bin ich doch ein Hauptgewinn“, sagt sie und lacht. Schließlich sei sie nicht immer da und man könne ihr Räume anbieten, die so als Wohnung nicht nutzbar seien. In der Mittelstufe am Ratsgymnasium Minden entdeckte Charlotta Lax das Malen für sich. Nach dem Abitur studierte sie Kunst, Englisch und Philosophie in Paderborn und den USA. Seit dem Referendariat 2010 ist sie am Immanuel-Kant-Gymnasium in Bad Oeynhausen tätig. Als Lehrerin gibt sie ihre Begeisterung für die Gestaltung mit Stift und Pinsel an ihre Schüler weiter. Schon beim Wechsel vom Studium ins Berufsleben vermisste sie die Möglichkeiten, die die universitäre Umgebung bot. Als Berufsanfängerin hatte die Pädagogin zunächst wenig Zeit für eigene Kunst. Während des Studiums hat sich ihre Vorliebe für die Form heraus kristallisiert. Das wird in ihren Fotografien sichtbar, etwa von einer Londonreise, hier zeigt sie die architektonische Schönheit der Tate-Gallery. Was sie darüber hinaus fasziniert, sind Körper in der Bewegung. Das Motiv des Boxers findet sich in vielfältiger Weise wieder, sie selbst habe auch Boxkämpfe besucht. „Diese Beweglichkeit hat viel mit Eleganz zu tun, ähnlich wie beim Tänzer. An dem Sport gefällt mir das Raue und die Fairness“, sagt sie. Auch die 32-Jährige braucht Bewegung zum Ausgleich, macht Yoga, geht ins Fitnessstudio. Die Beziehung zu ihrem Baby sei momentan vor allem körperlich. Kunst könne hingegen ein sehr zurückgezogener Zustand sein – und diese Auseinandersetzung ist ihr wichtig. Sie malt, um ihren Kopf zu fordern, wann immer ihr Kind es erlaubt. Oskar sei zum Glück pflegeleicht, sie wolle ihn auch in ihr Atelier mitnehmen. Vielleicht gibt es ja in Minden ein Zimmer, das sich dafür eignet. Eins ist klar: Für ihre Kunst braucht sie keinen Luxus.