Mühlenkreiskliniken warten lange auf Geld

Henning Wandel

Die Mühlenkreiskliniken leiden unter einer zunehmend schlechteren Zahlungsmoral der Krankenkassen. Dr. Olaf Bornemeier und Dr. Kristin Drechsler haben die Zahlen aus dem vergangenen Jahr vorgestellt. MT-Foto: Alex Lehn - © Alex Lehn
Die Mühlenkreiskliniken leiden unter einer zunehmend schlechteren Zahlungsmoral der Krankenkassen. Dr. Olaf Bornemeier und Dr. Kristin Drechsler haben die Zahlen aus dem vergangenen Jahr vorgestellt. MT-Foto: Alex Lehn (© Alex Lehn)

Minden (mt). Nach dem Rekordjahr 2016 ist der Überschuss bei den Mühlenkreiskliniken (MKK) deutlich zurückgegangen. 1,7 Millionen stehen unter dem Strich, 6,1 Millionen waren es im Vorjahr. Der Vorstandsvorsitzende Dr. Olaf Bornemeier ist damit trotzdem nicht unglücklich. Etwa die Hälfte aller kommunalen Krankenhäuser in Deutschland sei defizitär, sagt er: „Wir sind zufrieden, noch zu dem Club mit einem positiven Ergebnis zu zählen.“

Zumal er eine Erklärung für die Entwicklung hat: Der Rekordüberschuss sei auch auf die vielen offenen Stellen zurückzuführen, die inzwischen besetzt seien. Inzwischen beschäftigen die Mühlenkreiskliniken 4633 Mitarbeiter, 149 mehr als im Vorjahr. Mehr als die Hälfte davon seien im pflegerischen oder medizinisch-technischen Bereich eingestellt worden, betont Bornemeier. Insgesamt betreuten die MKK im vergangenen Jahr 73.623 Patienten vollstationär (minus 247). Der Umsatz stieg um zehn auf 368 Millionen Euro.

Ärger kommt derweil von einer ganz anderen Seite: Immer mehr Rechnungen würden von den Krankenkassen angezweifelt und zunächst nicht bezahlt. Der medizinische Dienst der Krankenkassen (MDK) prüfe mittlerweile in jedem fünften Fall, die offenen Forderungen der Mühlenkreiskliniken betragen insgesamt bereits rund 32 Millionen Euro, sagt Medizinvorstand Dr. Kristin Drechsler. In knapp 17 Prozent der strittigen Fälle werde die Rechnung dann tatsächlich gekürzt. Das Geld fließt erst, wenn die Prüfung abgeschlossen ist – und das könne von einigen Monaten bis zu zwei Jahren dauern. Die Finanzlücke decken die MKK mit Krediten. Obwohl die Darlehen aus der Bauzeit des Johannes-Wesling-Klinikums planmäßig weiter getilgt würden, sei die Gesamtverschuldung daher um 600.000 auf 164,6 Millionen Euro gewachsen. Bornemeier spricht von einer „Misstrauenskultur“ seitens der Krankenkassen, die das Prinzip der Selbstverwaltung grundsätzlich infrage stelle.

Deutlich besser ist die Gefühlslage mit Blick auf die Medizinstudenten. Der erste Mindener Jahrgang schreibt in diesen Tagen sein Staatsexamen, 30 der insgesamt 60 angehenden Ärzte werden auch ihr Praktisches Jahr an einem der MKK-Standorte absolvieren, sagt Drechsler. Dieses flächendeckende Interesse sei ein wichtiger Parameter für den erhofften Klebeeffekt: „Dass die die Hälfte des Jahrgangs bleibt, ist bemerkenswert.“ Im Anschluss sollen dem Nachwuchs auch Stellen als Assistenzärzte angeboten werden.

Nach dem schnellen Ende des Medizinkonzeptes wollen sich die Mühlenkreiskliniken jetzt Schritt für Schritt weiterentwickeln. Ein nächster größerer Anlauf sei erst wieder möglich, wenn das neue Gutachten der Landesregierung zu Krankenhauslandschaft vorliege. Das Gesundheitsministerium hat sich eine bedarfsgerechte Krankenhausplanung sowie eine Zentralisierung und Spezialisierung zum Ziel gesetzt, heißt es. Die Ergebnisse des Gutachtens werden im Sommer 2019 erwartet. Bis dahin will der MKK-Vorstand an den jetzigen Strukturen festhalten.

Bewegung gibt es bereits in Bad Oeynhausen. Dort soll jetzt ein Planer beauftragt werden, eine Zusammenlegung des Krankenhauses mit der Auguste-Viktoria-Klinik zu prüfen. Bornemeier erwartet eine „diskussionsfähige Grundlage“ für eine Entscheidung. Das im alten Konzept besonders strittige Thema der Geburtshilfe ist hingegen vollkommen vom Tisch. Der Erhalt aller drei Stationen sei eine Prämisse, sagte Bornemeier. So orientiere sich Lübbecke an der Unicef-Initiative „Babyfreundliches Krankenhaus“. Babys bleiben für eine bessere Bindung hier möglichst rund um die Uhr bei der Mutter. In Bad Oeynhausen wird ab November ein sogenannter Hebammenkreißsaal eingerichtet. Dieses Konzept kommt ohne ärztliche Geburtshelfer aus, so lange die Geburt komplikationslos verläuft.

Der Autor ist erreichbar unter (05 71) 882 166 oderHenning.Wandel@MT.de

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Mühlenkreiskliniken warten lange auf GeldHenning WandelMinden (mt). Nach dem Rekordjahr 2016 ist der Überschuss bei den Mühlenkreiskliniken (MKK) deutlich zurückgegangen. 1,7 Millionen stehen unter dem Strich, 6,1 Millionen waren es im Vorjahr. Der Vorstandsvorsitzende Dr. Olaf Bornemeier ist damit trotzdem nicht unglücklich. Etwa die Hälfte aller kommunalen Krankenhäuser in Deutschland sei defizitär, sagt er: „Wir sind zufrieden, noch zu dem Club mit einem positiven Ergebnis zu zählen.“ Zumal er eine Erklärung für die Entwicklung hat: Der Rekordüberschuss sei auch auf die vielen offenen Stellen zurückzuführen, die inzwischen besetzt seien. Inzwischen beschäftigen die Mühlenkreiskliniken 4633 Mitarbeiter, 149 mehr als im Vorjahr. Mehr als die Hälfte davon seien im pflegerischen oder medizinisch-technischen Bereich eingestellt worden, betont Bornemeier. Insgesamt betreuten die MKK im vergangenen Jahr 73.623 Patienten vollstationär (minus 247). Der Umsatz stieg um zehn auf 368 Millionen Euro. Ärger kommt derweil von einer ganz anderen Seite: Immer mehr Rechnungen würden von den Krankenkassen angezweifelt und zunächst nicht bezahlt. Der medizinische Dienst der Krankenkassen (MDK) prüfe mittlerweile in jedem fünften Fall, die offenen Forderungen der Mühlenkreiskliniken betragen insgesamt bereits rund 32 Millionen Euro, sagt Medizinvorstand Dr. Kristin Drechsler. In knapp 17 Prozent der strittigen Fälle werde die Rechnung dann tatsächlich gekürzt. Das Geld fließt erst, wenn die Prüfung abgeschlossen ist – und das könne von einigen Monaten bis zu zwei Jahren dauern. Die Finanzlücke decken die MKK mit Krediten. Obwohl die Darlehen aus der Bauzeit des Johannes-Wesling-Klinikums planmäßig weiter getilgt würden, sei die Gesamtverschuldung daher um 600.000 auf 164,6 Millionen Euro gewachsen. Bornemeier spricht von einer „Misstrauenskultur“ seitens der Krankenkassen, die das Prinzip der Selbstverwaltung grundsätzlich infrage stelle. Deutlich besser ist die Gefühlslage mit Blick auf die Medizinstudenten. Der erste Mindener Jahrgang schreibt in diesen Tagen sein Staatsexamen, 30 der insgesamt 60 angehenden Ärzte werden auch ihr Praktisches Jahr an einem der MKK-Standorte absolvieren, sagt Drechsler. Dieses flächendeckende Interesse sei ein wichtiger Parameter für den erhofften Klebeeffekt: „Dass die die Hälfte des Jahrgangs bleibt, ist bemerkenswert.“ Im Anschluss sollen dem Nachwuchs auch Stellen als Assistenzärzte angeboten werden. Nach dem schnellen Ende des Medizinkonzeptes wollen sich die Mühlenkreiskliniken jetzt Schritt für Schritt weiterentwickeln. Ein nächster größerer Anlauf sei erst wieder möglich, wenn das neue Gutachten der Landesregierung zu Krankenhauslandschaft vorliege. Das Gesundheitsministerium hat sich eine bedarfsgerechte Krankenhausplanung sowie eine Zentralisierung und Spezialisierung zum Ziel gesetzt, heißt es. Die Ergebnisse des Gutachtens werden im Sommer 2019 erwartet. Bis dahin will der MKK-Vorstand an den jetzigen Strukturen festhalten. Bewegung gibt es bereits in Bad Oeynhausen. Dort soll jetzt ein Planer beauftragt werden, eine Zusammenlegung des Krankenhauses mit der Auguste-Viktoria-Klinik zu prüfen. Bornemeier erwartet eine „diskussionsfähige Grundlage“ für eine Entscheidung. Das im alten Konzept besonders strittige Thema der Geburtshilfe ist hingegen vollkommen vom Tisch. Der Erhalt aller drei Stationen sei eine Prämisse, sagte Bornemeier. So orientiere sich Lübbecke an der Unicef-Initiative „Babyfreundliches Krankenhaus“. Babys bleiben für eine bessere Bindung hier möglichst rund um die Uhr bei der Mutter. In Bad Oeynhausen wird ab November ein sogenannter Hebammenkreißsaal eingerichtet. Dieses Konzept kommt ohne ärztliche Geburtshelfer aus, so lange die Geburt komplikationslos verläuft. Der Autor ist erreichbar unter (05 71) 882 166 oderHenning.Wandel@MT.de