Charity-Event der Bildungspartner: Ein rasanter Frankenstein

Kerstin Rickert

Charity-Event mit der Kultinszenierung und irrwitzigen Komödie „Frankenstein“ mit Matthias Kupfer

und dem Mindener Schauspieler Eckhard Preuß. Foto: Kerstin Rickert - © Kerstin Rickert
Charity-Event mit der Kultinszenierung und irrwitzigen Komödie „Frankenstein“ mit Matthias Kupfer
und dem Mindener Schauspieler Eckhard Preuß. Foto: Kerstin Rickert (© Kerstin Rickert)

Minden (kr). Kritiker können ganz schön irren: Eine „billige Jahrmarkts-Schaubuden-Angelegenheit“, „nichts für ein anspruchsvolles Publikum“, „schauspielerisch sind da kaum Aufgaben zu lösen“, „alles nur klanglose Figuren bis auf den künstlichen Menschen“ – so urteilte 1932 die Berliner Morgenpost über den Film „Frankenstein“. Nichts von alldem trifft zu, wenn der Theaterregisseur Gil Mehmert sich des Stoffes annimmt und ihn mit Eckhard Preuß und Matthias Kupfer auf die Bühne bringt. In einem Parforce-Ritt brausen die beiden Schauspieler durch den Film, wechseln blitzschnell zwischen den verschiedensten Rollen hin und her, springen über und um ein Sofa herum, das in der Bühnenfassung mal als Operationstisch, mal für eine Kussszene herhält, und geben auch noch Regieanweisungen für sich selbst. Köstlicher kann man den Horrorfilmklassiker wohl kaum erleben.

Das Licht ist gedämpft, aus einem alten Röhrenradio dringt Musik, die das Publikum mitten hinein katapultiert in die Dreißigerjahre des vorigen Jahrhunderts. Ein Mann nimmt auf einem Sofa Platz, einem Biedermeiersofa, auf dem es sich richtig schön steif und gerade sitzen lässt. Im Rhythmus der Musik führt der Mann monoton Löffel für Löffel eines wohlgeformten Puddings zum Mund, ohne auch nur einmal die Miene zu verziehen. Es klingelt an der Tür. Ein Mann mit einem Cellokasten wird hereingebeten. Händeschütteln. „Herr Frank“, „Herr Stein“ –- Film ab. „Friedhof“, sagt der eine. „Zuerst die Warnung“, der andere. Das Publikum hat jetzt noch Gelegenheit zu gehen. Es folgt der Vorspann: einer redet wie ein Wasserfall, der andere untermalt auf dem Cello. „Friedhof“ hören die Zuschauer Eckhard Preuß erneut sagen.

Charity-Event mit der Kultinszenierung und irrwitzigen Komödie „Frankenstein“ mit Matthias Kupfer

und dem Mindener Schauspieler Eckhard Preuß. Foto: Kerstin Rickert - © Kerstin Rickert
Charity-Event mit der Kultinszenierung und irrwitzigen Komödie „Frankenstein“ mit Matthias Kupfer
und dem Mindener Schauspieler Eckhard Preuß. Foto: Kerstin Rickert (© Kerstin Rickert)

Ehe sie sich versehen, hocken die beiden Männer hinter dem Sofa, das in diesem Moment zur Friedhofsmauer wird. Kupfer mutiert zu Frankenstein und Preuß zu dessen buckligem Diener Fritz. Ein Toter hängt in Gestalt eines Mantels an der Garderobe, der Cellokasten wird zum Sarg und der Pudding zur Gehirnmasse, die plötzlich unvermittelt vor den Füßen eines Zuschauers in der ersten Reihe landet. Das Abenteuer hat kaum begonnen, und schon ist das Publikum mitten drin im Universum des Wissenschaftlers Henry Frankenstein, der einen perfekten Menschen erschaffen will und ein Monster kreiert.

Charity-Event mit der Kultinszenierung und irrwitzigen Komödie „Frankenstein“ mit Matthias Kupfer

und dem Mindener Schauspieler Eckhard Preuß. Foto: Kerstin Rickert - © Kerstin Rickert
Charity-Event mit der Kultinszenierung und irrwitzigen Komödie „Frankenstein“ mit Matthias Kupfer
und dem Mindener Schauspieler Eckhard Preuß. Foto: Kerstin Rickert (© Kerstin Rickert)

Nichts auf der Bühne ist auch nur im entferntesten gruselig. Es gibt weder Masken noch Kostüme, nur ein paar einfache, im Grunde „lächerliche“ Requisiten. Eckhard Preuß und Matthias Kupfer schaffen es binnen weniger Minuten, die Bilder des Films lebendig werden zu lassen. In rasantem Tempo hüpfen die beiden Schauspieler von einer Rolle zur nächsten und wieder zurück. Eben noch buckliger Diener, ist Eckhard Preuß plötzlich als Frankensteins Verlobte Elisabeth zu erleben, wie sie ihren Bekannten Victor (Matthias Kupfer) bezirzt, Frankenstein mit seiner und Dr. Waldmanns (wieder Kupfer) Hilfe zur Vernunft zu bringen. Zwischendurch nehmen sie das Publikum mit Überleitungen wie diesen mit: „Weich ausblenden. Monster auf Operationstisch.“ Schon fliegt Preuß mit einem Satz aufs Sofa. Kaum einen Moment später ist er bei Frankensteins Vater, damit aber noch längst nicht am Ende des Rollenspiels, angekommen. Eine der Paraderollen des gebürtigen Mindeners Eckhard Preuß ist das Monster, das als Cello auf dem Sofa seinen Anfang nimmt. Es ist das reinste Vergnügen, den beiden Schauspielern dabei zuzusehen, wie sie zwei Hochleistungssportlern gleich von Szene zu Szene springen und dabei Sprache, Mimik und Gestik wechseln. Wie sie sich, ohne mit der Wimper zu zucken, zum Affen machen und vor rein gar nichts zurückschrecken. Um in der Cineastensprache zu bleiben: ganz großes Kino.

Charity-Event mit der Kultinszenierung und irrwitzigen Komödie „Frankenstein“ mit Matthias Kupfer

und dem Mindener Schauspieler Eckhard Preuß. Foto: Kerstin Rickert - © Kerstin Rickert
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und dem Mindener Schauspieler Eckhard Preuß. Foto: Kerstin Rickert (© Kerstin Rickert)

Ermöglicht wurde dieses Feuerwerk der Schauspielkunst voller Witz und Ironie von der Sozialen Initiative der Mindener Wirtschaft „Bildungspartner“, die im zehnten Jahr ihres Bestehens für ihre gemeinnützigen Aktivitäten warb. Die Einnahmen der Wohltätigkeitsveranstaltung dienen dazu, den Lebensweg von Kindern aus sozial benachteiligten Familien mit Bildung zu verbessern. Hunderte Kinder habe die Initiative in den vergangen zehn Jahren bereits begleiten können, dankte Hans-Jürgen Weber auch den zahlreichen Sponsoren, die das bisher ermöglichten. Ein Großteil der Kinder habe einen Migrationshintergrund, so Stephan Richtzenhain. „Ohne sie wären unsere Schulen zur Hälfte leer“, warb er angesichts demografischer Krise und Personalnöten für Zuwanderung. „Migration ist keine Last, sondern eine Chance. Wir brauchen Menschen, die zu uns kommen, und wir müssen dankbar sein, dass sie zu uns kommen.“

Charity-Event mit der Kultinszenierung und irrwitzigen Komödie „Frankenstein“ mit Matthias Kupfer

und dem Mindener Schauspieler Eckhard Preuß. Foto: Kerstin Rickert - © Kerstin Rickert
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und dem Mindener Schauspieler Eckhard Preuß. Foto: Kerstin Rickert (© Kerstin Rickert)

Die Initiative Bildungspartner werde sich auch in Zukunft dafür einsetzen, Kinder mit Migrationshintergrund zu unterstützen, damit sie ihren Platz in unserer Gesellschaft finden können.

Eckhard Preuß und Matthias Kupfer sind ein weiteres Mal mit „Frankenstein“ in Minden zu erleben: am Freitag, 2. November, im Stadttheater.

Charity-Event mit der Kultinszenierung und irrwitzigen Komödie „Frankenstein“ mit Matthias Kupfer
und dem Mindener Schauspieler Eckhard Preuß. Foto: Kerstin Rickert - © Kerstin Rickert Charity-Event mit der Kultinszenierung und irrwitzigen Komödie „Frankenstein“ mit Matthias Kupfer
und dem Mindener Schauspieler Eckhard Preuß. Foto: Kerstin Rickert - © Kerstin Rickert Charity-Event mit der Kultinszenierung und irrwitzigen Komödie „Frankenstein“ mit Matthias Kupfer
und dem Mindener Schauspieler Eckhard Preuß. Foto: Kerstin Rickert - © Kerstin Rickert Charity-Event mit der Kultinszenierung und irrwitzigen Komödie „Frankenstein“ mit Matthias Kupfer
und dem Mindener Schauspieler Eckhard Preuß. Foto: Kerstin Rickert - © Kerstin Rickert Das Licht ist gedämpft, ein altes Röhrenradio dudelt: Eckhard Preuß und Matthias Kupfer schaffen es binnen weniger Minuten, die Bilder des Films „Frankenstein“ lebendig werden zu lassen. Foto: Kerstin Rickert - © Kerstin Rickert - © Kerstin Rickert

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Charity-Event der Bildungspartner: Ein rasanter FrankensteinKerstin RickertMinden (kr). Kritiker können ganz schön irren: Eine „billige Jahrmarkts-Schaubuden-Angelegenheit“, „nichts für ein anspruchsvolles Publikum“, „schauspielerisch sind da kaum Aufgaben zu lösen“, „alles nur klanglose Figuren bis auf den künstlichen Menschen“ – so urteilte 1932 die Berliner Morgenpost über den Film „Frankenstein“. Nichts von alldem trifft zu, wenn der Theaterregisseur Gil Mehmert sich des Stoffes annimmt und ihn mit Eckhard Preuß und Matthias Kupfer auf die Bühne bringt. In einem Parforce-Ritt brausen die beiden Schauspieler durch den Film, wechseln blitzschnell zwischen den verschiedensten Rollen hin und her, springen über und um ein Sofa herum, das in der Bühnenfassung mal als Operationstisch, mal für eine Kussszene herhält, und geben auch noch Regieanweisungen für sich selbst. Köstlicher kann man den Horrorfilmklassiker wohl kaum erleben. Das Licht ist gedämpft, aus einem alten Röhrenradio dringt Musik, die das Publikum mitten hinein katapultiert in die Dreißigerjahre des vorigen Jahrhunderts. Ein Mann nimmt auf einem Sofa Platz, einem Biedermeiersofa, auf dem es sich richtig schön steif und gerade sitzen lässt. Im Rhythmus der Musik führt der Mann monoton Löffel für Löffel eines wohlgeformten Puddings zum Mund, ohne auch nur einmal die Miene zu verziehen. Es klingelt an der Tür. Ein Mann mit einem Cellokasten wird hereingebeten. Händeschütteln. „Herr Frank“, „Herr Stein“ –- Film ab. „Friedhof“, sagt der eine. „Zuerst die Warnung“, der andere. Das Publikum hat jetzt noch Gelegenheit zu gehen. Es folgt der Vorspann: einer redet wie ein Wasserfall, der andere untermalt auf dem Cello. „Friedhof“ hören die Zuschauer Eckhard Preuß erneut sagen. Ehe sie sich versehen, hocken die beiden Männer hinter dem Sofa, das in diesem Moment zur Friedhofsmauer wird. Kupfer mutiert zu Frankenstein und Preuß zu dessen buckligem Diener Fritz. Ein Toter hängt in Gestalt eines Mantels an der Garderobe, der Cellokasten wird zum Sarg und der Pudding zur Gehirnmasse, die plötzlich unvermittelt vor den Füßen eines Zuschauers in der ersten Reihe landet. Das Abenteuer hat kaum begonnen, und schon ist das Publikum mitten drin im Universum des Wissenschaftlers Henry Frankenstein, der einen perfekten Menschen erschaffen will und ein Monster kreiert. Nichts auf der Bühne ist auch nur im entferntesten gruselig. Es gibt weder Masken noch Kostüme, nur ein paar einfache, im Grunde „lächerliche“ Requisiten. Eckhard Preuß und Matthias Kupfer schaffen es binnen weniger Minuten, die Bilder des Films lebendig werden zu lassen. In rasantem Tempo hüpfen die beiden Schauspieler von einer Rolle zur nächsten und wieder zurück. Eben noch buckliger Diener, ist Eckhard Preuß plötzlich als Frankensteins Verlobte Elisabeth zu erleben, wie sie ihren Bekannten Victor (Matthias Kupfer) bezirzt, Frankenstein mit seiner und Dr. Waldmanns (wieder Kupfer) Hilfe zur Vernunft zu bringen. Zwischendurch nehmen sie das Publikum mit Überleitungen wie diesen mit: „Weich ausblenden. Monster auf Operationstisch.“ Schon fliegt Preuß mit einem Satz aufs Sofa. Kaum einen Moment später ist er bei Frankensteins Vater, damit aber noch längst nicht am Ende des Rollenspiels, angekommen. Eine der Paraderollen des gebürtigen Mindeners Eckhard Preuß ist das Monster, das als Cello auf dem Sofa seinen Anfang nimmt. Es ist das reinste Vergnügen, den beiden Schauspielern dabei zuzusehen, wie sie zwei Hochleistungssportlern gleich von Szene zu Szene springen und dabei Sprache, Mimik und Gestik wechseln. Wie sie sich, ohne mit der Wimper zu zucken, zum Affen machen und vor rein gar nichts zurückschrecken. Um in der Cineastensprache zu bleiben: ganz großes Kino. Ermöglicht wurde dieses Feuerwerk der Schauspielkunst voller Witz und Ironie von der Sozialen Initiative der Mindener Wirtschaft „Bildungspartner“, die im zehnten Jahr ihres Bestehens für ihre gemeinnützigen Aktivitäten warb. Die Einnahmen der Wohltätigkeitsveranstaltung dienen dazu, den Lebensweg von Kindern aus sozial benachteiligten Familien mit Bildung zu verbessern. Hunderte Kinder habe die Initiative in den vergangen zehn Jahren bereits begleiten können, dankte Hans-Jürgen Weber auch den zahlreichen Sponsoren, die das bisher ermöglichten. Ein Großteil der Kinder habe einen Migrationshintergrund, so Stephan Richtzenhain. „Ohne sie wären unsere Schulen zur Hälfte leer“, warb er angesichts demografischer Krise und Personalnöten für Zuwanderung. „Migration ist keine Last, sondern eine Chance. Wir brauchen Menschen, die zu uns kommen, und wir müssen dankbar sein, dass sie zu uns kommen.“ Die Initiative Bildungspartner werde sich auch in Zukunft dafür einsetzen, Kinder mit Migrationshintergrund zu unterstützen, damit sie ihren Platz in unserer Gesellschaft finden können. Eckhard Preuß und Matthias Kupfer sind ein weiteres Mal mit „Frankenstein“ in Minden zu erleben: am Freitag, 2. November, im Stadttheater.