Tote Hosen in Minden: Party, Punkrock, Politik

Sebastian Külbel

Einsatz während des Konzerts: Sänger Campino. - © Sebastian Külbel (MT)
Einsatz während des Konzerts: Sänger Campino. (© Sebastian Külbel (MT))

Minden (mt). Drei Vorbands, 37 Lieder, 268 Minuten Spielzeit: Dass die Toten Hosen bei ihrem zweiten Open Air auf Kanzlers Weide nichts für das Eintrittsgeld geboten hätten, kann ihnen keiner der 40.000 Besucher vorwerfen. Am Ende gingen alle zufrieden nach Hause - inklusive der Kultband aus Düsseldorf, die ihren Auftrittsort am Samstagabend ausgiebig lobten.

"Wir sind zum fünften Mal in Minden, und jedes Mal wird es besser", sagte Frontmann Campino schon zur Begrüßung, um Minden am Ende als "Rock'n'Roll-City" zu adeln. Ganz so wild führten sich die Massen am Weserufer zwar nicht auf, dennoch war die Stimmung beim zweiten Großkonzert der Hosen nach 2013 erneut prächtig. Daran hatten die beteiligten Musiker den größten Anteil.

Tote Hosen 2018 - Auf dem Konzert-Gelände (Plus-Inhalt)
Information

Setlist Konzert Minden

  1. Intro
  2. Opel Gang
  3. Auswärtsspiel
  4. Niemals einer Meinung
  5. Laune der Natur
  6. Alles mit nach Hause
  7. Heute hier morgen dort
    (Hannes Wader Cover)
  8. Liebeslied
  9. Das ist der Moment
  10. Bonnie & Clyde
  11. Altes Fieber
  12. 1000 gute Gründe
  13. Sascha
  14. Alles aus Liebe
  15. Unter den Wolken
  16. Steh auf
  17. Disco
  18. Wannsee
  19. Pushed Again
  20. Wünsch dir was
  21. Hier kommt Alex
  22. Freunde
  23. Halbstark
  24. Schrei nach Liebe
    (Cover der Ärzte)
  25. Kleine Nachtmusik
    (Cover Wolfgang Amadeus Mozart, mit Streichern)
  26. Weil du nur einmal lebst
  27. Das Wort zum Sonntag
  28. Wie viele Jahre
  29. Bis zum bitteren Ende
  30. Eisgekühlter Bommerlunder
  31. Schönen Gruß, auf Wiedersehen
  32. Alles passiert
  33. TNT
    (Cover von ACDC)
  34. Ficken, bumsen, blasen
    (kurz angespielt)
  35. Tage wie diese
  36. You´ll never walk alone
    (Cover von Rogers & Hammerstein)
  37. Verschwende deine Zeit

Während die Vorbands Attaque 77 aus Argentinien und The Undertones aus Nordirland Punkrock in unterschiedlicher Interpretation, aber doch in stilistischer Nähe ihrer Gastgeber boten, passten die Wiener Alternative-Rocker von Wanda am wenigsten zum musikalischen Rest des Abends - und waren gerade deshalb ein angenehmer Ausreißer. Gekommen waren die 40.000 aber für die Hauptband, die mit einem fulminanten Start alle mitriss.

Tote-Hosen-Konzert 2018 (Plus-Inhalt)

Das Anfangs-Trio mit "Opel-Gang", "Auswärtsspiel" und "Niemals einer Meinung" brachte schnell Stimmung in die Menge, überhaupt setzten die Hosen im Vergleich zu anderen Auftritten der laufenden Tournee in Minden eher auf ihre bekannten Hits als auf die Songs ihres aktuellen Albums "Laune der Natur". Bis zum Ende des regulären Programms nach knapp eineinhalb Stunden reihte sich Hit an Hit.

Aus aktuellem Anlass gab es diesmal besonders klare politische Statements. So widmete Sänger Campino den Anti-Nazi-Song "Sascha" der AfD und "dem rechten Scheiß in Chemnitz". Die Ereignisse in der sächsischen Stadt sind auch in einer weiteren Ansage Thema, als Campino klarstellt: "Es wird jetzt so dargestellt, als kämpften dort links gegen rechts. Aber es geht darum, dass alle zusammen stehen gegen Rechte und Nazis." Bekräftigt werden soll das bei einem Konzert gegen Rechts in Chemnitz mit den Hosen, Marteria, Casper, K.I.Z., Feine Sahne Fischfilet und Kraftklub am Montag.

Neben ernsten Themen blieb aber auch noch genug Platz für Party, den die Zuschauer aus Minden und der ganzen Umgebung ausgiebig nutzten. Von kleineren Ärgernissen wie dem völlig überfüllten eingezäunten Abschnitt direkt vor der Bühne ließen sich die Fans nicht beirren, sie tanzten und sangen einfach außerhalb weiter. Auch in den hinteren Reihen standen die Menschen noch dicht gedrängt und feierten die Hits der Hosen, die am Ende dann auch noch zwei Trinklieder, darunter das schon am Nachmittag von den Fans angestimmte "Bommerlunder" spielten.

Mit einigen üblichen ("Halbstark", "You'll never walk alone") und einigen überraschenden Coverversionen ("Schrei nach Liebe", "TNT") arbeitet sich die Band durch insgesamt drei Zugabeblöcke. Und als die Konfetti-Kanonen längst abgefeuert ist, der letzte Ton gespielt und die Lichter schon angehen, sind die Fans vor der Bühne immer noch so laut, dass die Hosen für einen letzten Song zurückkommen. "Verschwende deine Zeit", singt Campino inbrünstig, und selten hat diese Aufforderung so viel Spaß gemacht wie am Samstag um 23.15 Uhr.

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Tote Hosen in Minden: Party, Punkrock, PolitikSebastian KülbelMinden (mt). Drei Vorbands, 37 Lieder, 268 Minuten Spielzeit: Dass die Toten Hosen bei ihrem zweiten Open Air auf Kanzlers Weide nichts für das Eintrittsgeld geboten hätten, kann ihnen keiner der 40.000 Besucher vorwerfen. Am Ende gingen alle zufrieden nach Hause - inklusive der Kultband aus Düsseldorf, die ihren Auftrittsort am Samstagabend ausgiebig lobten. "Wir sind zum fünften Mal in Minden, und jedes Mal wird es besser", sagte Frontmann Campino schon zur Begrüßung, um Minden am Ende als "Rock'n'Roll-City" zu adeln. Ganz so wild führten sich die Massen am Weserufer zwar nicht auf, dennoch war die Stimmung beim zweiten Großkonzert der Hosen nach 2013 erneut prächtig. Daran hatten die beteiligten Musiker den größten Anteil. Während die Vorbands Attaque 77 aus Argentinien und The Undertones aus Nordirland Punkrock in unterschiedlicher Interpretation, aber doch in stilistischer Nähe ihrer Gastgeber boten, passten die Wiener Alternative-Rocker von Wanda am wenigsten zum musikalischen Rest des Abends - und waren gerade deshalb ein angenehmer Ausreißer. Gekommen waren die 40.000 aber für die Hauptband, die mit einem fulminanten Start alle mitriss. Das Anfangs-Trio mit "Opel-Gang", "Auswärtsspiel" und "Niemals einer Meinung" brachte schnell Stimmung in die Menge, überhaupt setzten die Hosen im Vergleich zu anderen Auftritten der laufenden Tournee in Minden eher auf ihre bekannten Hits als auf die Songs ihres aktuellen Albums "Laune der Natur". Bis zum Ende des regulären Programms nach knapp eineinhalb Stunden reihte sich Hit an Hit. Aus aktuellem Anlass gab es diesmal besonders klare politische Statements. So widmete Sänger Campino den Anti-Nazi-Song "Sascha" der AfD und "dem rechten Scheiß in Chemnitz". Die Ereignisse in der sächsischen Stadt sind auch in einer weiteren Ansage Thema, als Campino klarstellt: "Es wird jetzt so dargestellt, als kämpften dort links gegen rechts. Aber es geht darum, dass alle zusammen stehen gegen Rechte und Nazis." Bekräftigt werden soll das bei einem Konzert gegen Rechts in Chemnitz mit den Hosen, Marteria, Casper, K.I.Z., Feine Sahne Fischfilet und Kraftklub am Montag. Neben ernsten Themen blieb aber auch noch genug Platz für Party, den die Zuschauer aus Minden und der ganzen Umgebung ausgiebig nutzten. Von kleineren Ärgernissen wie dem völlig überfüllten eingezäunten Abschnitt direkt vor der Bühne ließen sich die Fans nicht beirren, sie tanzten und sangen einfach außerhalb weiter. Auch in den hinteren Reihen standen die Menschen noch dicht gedrängt und feierten die Hits der Hosen, die am Ende dann auch noch zwei Trinklieder, darunter das schon am Nachmittag von den Fans angestimmte "Bommerlunder" spielten. Mit einigen üblichen ("Halbstark", "You'll never walk alone") und einigen überraschenden Coverversionen ("Schrei nach Liebe", "TNT") arbeitet sich die Band durch insgesamt drei Zugabeblöcke. Und als die Konfetti-Kanonen längst abgefeuert ist, der letzte Ton gespielt und die Lichter schon angehen, sind die Fans vor der Bühne immer noch so laut, dass die Hosen für einen letzten Song zurückkommen. "Verschwende deine Zeit", singt Campino inbrünstig, und selten hat diese Aufforderung so viel Spaß gemacht wie am Samstag um 23.15 Uhr.