Startkapital für Geschäftsidee: Allegro Sprute bietet Smartphone-Kurse an

Ilja Regier

Allegro Sprute zeigt auf einem Smartphone die Internetseite seines Unternehmens. Der 17-jährige Gymnasiast und Gründer hat große Pläne. MT- - © Foto: Alex Lehn
Allegro Sprute zeigt auf einem Smartphone die Internetseite seines Unternehmens. Der 17-jährige Gymnasiast und Gründer hat große Pläne. MT- (© Foto: Alex Lehn)

Minden (mt). Auf Rasenmähen oder Kellnern hat Allegro Sprute keine Lust. Sein Taschengeld will er anders aufbessern, schaltet eine Anzeige im MT und bietet älteren Menschen Smartphone-Kurse an. Weil Andrang und Nachfrage riesig sind, reift zwei Jahre später eine Geschäftsidee, die auch Experten fördern. Für seinen Businessplan erhält der 17-Jährige 10.000 Euro Startkapital von der Organisation Startup Teens. Und obwohl sein Unternehmen „Lerne Smart“ noch nicht richtig gegründet ist, hegt er bereits Expansions-Pläne.

Sprute hat eine Karte ausgedruckt, auf der Pfeile eingezeichnet sind. Sie zeigen, wo er sich Ende 2019 mit seinem „Sozialunternehmen“ befinden will. Erst nimmt der Gründer sich Minden vor, eröffnet dann Büros in Lübbecke oder Bad Oeynhausen, bis er überall zwischen Hannover und Bielefeld ansässig ist. Hat das nicht etwas von Größenwahn? Von jugendlichem Leichtsinn? Vielleicht, aber Sprute steht hinter seiner Idee. Wenn er darüber spricht, klingt er selbstbewusst wie ein alter Hase mit Geschäftssinn – vollkommen überzeugt. Doch dem Schüler des Ratsgymnasiums geht es nicht hauptsächlich ums Geld und die erste Million. „Ich will Generationen zusammenbringen, die voneinander profitieren“, sagt er.

Das soll funktionieren, indem Schüler zu Lehrern werden und ihr Wissen in Nachhilfestunden weitergeben. „Digitale“ Jugendliche bringen „analogen“ Menschen zwischen 55 und 80 Jahren gegen Bezahlung bei, wie sie mit Smartphones oder Tablets umgehen. Können bei Problemen nicht die Enkel oder andere Verwandte helfen? „Das könnten sie. Doch häufig sind sie nicht in der Nähe oder haben keine Zeit“, weiß Sprute.

Der gebürtige Mindener hat außerdem erkannt, was seine Kunden suchen: Geduld. Rund 30 Kurse hat er bereits gehalten, einige Menschen begriffen wegen ihm erst, warum sie ein Handy benötigen und welches Potenzial sich dahinter verbirgt. Trotzdem wunderte er sich manchmal. Einmal musste er erklären, was das Internet ist. Auch wenn er täglich damit umgeht: „Das war im ersten Moment gar nicht so einfach.“

Umfragen in der Innenstadt überzeugten ihn, dass sein Weg der richtige ist, obwohl ähnliche Angebote existieren. Zum Beispiel bietet die Volkshochschule Minden solche Gruppen-Kurse an. „Manche schämen sich jedoch, gewisse Fragen zu stellen oder kommen irgendwann nicht mehr mit“, meint Sprute. Der Gründer möchte individueller auf die Menschen eingehen. Sie können zwischen Gruppenkursen, Einzelunterricht und Sprechstunden wählen. Garantieren könne er nichts und verzichtet auf einen Slogan wie „In zehn Tagen beherrschen Sie Ihr Smartphone“.

Profitiert hat der Schüler vom Businessplan-Wettbewerb der Organisation Startup Teens, der sich an 14- bis 19-jährige Schüler richtet. 2017 schaffte es Sprute noch nicht ins Finale. Damals konzentrierte er sich mehr auf Online-Videos für „analoge“ Senioren. Mit dem Feedback konnte er viel anfangen und überarbeitete zwölf Monate lang sein Projekt. Für den diesjährigen Wettbewerb verkürzte er sogar sein Auslandsjahr in Australien. Ende Juni prämierte ihn die Startup-Teens-Jury in der Kategorie „sozial“ für seine Idee. Zwei andere Mindener, Lasse Tischer und Till-Jonas Uphoff, landeten übrigens in einer anderen Kategorie mit ihrem Projekt „Starterz“ auf Rang zwei (das MT berichtete). Sprute muss das Geld in sein Unternehmen investieren, ausgezahlt bekommt er es nicht. Insofern ist das finanzielle Risiko nicht hoch. Sein Plan steht, er muss keine teuren Softwares oder Roboter entwickeln. Was er besitzt: großen Mut. Was ihm noch fehlt: grünes Licht.

„Am liebsten würde ich sofort an den Start gehen“, sagt Sprute. Minderjährige bekommen bei der Gründung in Deutschland aber einige Steine in den Weg gelegt. Sprute benötigt eine Vormundschaft und muss sich mit anderen rechtlichen Aspekten auseinandersetzen. Trotzdem plant er, im Januar 2019 sein erstes Büro in Minden zu eröffnen und weitere Schüler für sein Vorhaben zu gewinnen. Bevor sie mit den Senioren arbeiten, erhalten sich noch zwei Seminare und können dann bis zu 25 Euro pro Stunde verdienen.

Egal, wie das mit dem Unternehmen läuft, sein Abitur will er machen. Nach den Sommerferien besucht er die elfte Klasse. Und danach ein BWL-Studium? „Das muss nicht sein“, sagt er. Ihm gefällt sein bisheriger, eher praktischer Werdegang. Viele Unternehmer wie Bill Gates hätten ihm gezeigt, dass ein Studium nicht zwingend notwendig sei. „Ich möchte keinen Job, bei dem ich mich immer aufs Wochenende freuen muss“, blickt Sprute voraus. Ihm schwebt etwas vor, wofür er seine Leidenschaft einsetzen kann. Wie bei seinem Unternehmen, für das der Teenager brennt.

Der Autor ist erreichbarunter (05 71) 882 260oder Ilja.Regier@MT.de

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Startkapital für Geschäftsidee: Allegro Sprute bietet Smartphone-Kurse anIlja RegierMinden (mt). Auf Rasenmähen oder Kellnern hat Allegro Sprute keine Lust. Sein Taschengeld will er anders aufbessern, schaltet eine Anzeige im MT und bietet älteren Menschen Smartphone-Kurse an. Weil Andrang und Nachfrage riesig sind, reift zwei Jahre später eine Geschäftsidee, die auch Experten fördern. Für seinen Businessplan erhält der 17-Jährige 10.000 Euro Startkapital von der Organisation Startup Teens. Und obwohl sein Unternehmen „Lerne Smart“ noch nicht richtig gegründet ist, hegt er bereits Expansions-Pläne. Sprute hat eine Karte ausgedruckt, auf der Pfeile eingezeichnet sind. Sie zeigen, wo er sich Ende 2019 mit seinem „Sozialunternehmen“ befinden will. Erst nimmt der Gründer sich Minden vor, eröffnet dann Büros in Lübbecke oder Bad Oeynhausen, bis er überall zwischen Hannover und Bielefeld ansässig ist. Hat das nicht etwas von Größenwahn? Von jugendlichem Leichtsinn? Vielleicht, aber Sprute steht hinter seiner Idee. Wenn er darüber spricht, klingt er selbstbewusst wie ein alter Hase mit Geschäftssinn – vollkommen überzeugt. Doch dem Schüler des Ratsgymnasiums geht es nicht hauptsächlich ums Geld und die erste Million. „Ich will Generationen zusammenbringen, die voneinander profitieren“, sagt er. Das soll funktionieren, indem Schüler zu Lehrern werden und ihr Wissen in Nachhilfestunden weitergeben. „Digitale“ Jugendliche bringen „analogen“ Menschen zwischen 55 und 80 Jahren gegen Bezahlung bei, wie sie mit Smartphones oder Tablets umgehen. Können bei Problemen nicht die Enkel oder andere Verwandte helfen? „Das könnten sie. Doch häufig sind sie nicht in der Nähe oder haben keine Zeit“, weiß Sprute. Der gebürtige Mindener hat außerdem erkannt, was seine Kunden suchen: Geduld. Rund 30 Kurse hat er bereits gehalten, einige Menschen begriffen wegen ihm erst, warum sie ein Handy benötigen und welches Potenzial sich dahinter verbirgt. Trotzdem wunderte er sich manchmal. Einmal musste er erklären, was das Internet ist. Auch wenn er täglich damit umgeht: „Das war im ersten Moment gar nicht so einfach.“ Umfragen in der Innenstadt überzeugten ihn, dass sein Weg der richtige ist, obwohl ähnliche Angebote existieren. Zum Beispiel bietet die Volkshochschule Minden solche Gruppen-Kurse an. „Manche schämen sich jedoch, gewisse Fragen zu stellen oder kommen irgendwann nicht mehr mit“, meint Sprute. Der Gründer möchte individueller auf die Menschen eingehen. Sie können zwischen Gruppenkursen, Einzelunterricht und Sprechstunden wählen. Garantieren könne er nichts und verzichtet auf einen Slogan wie „In zehn Tagen beherrschen Sie Ihr Smartphone“. Profitiert hat der Schüler vom Businessplan-Wettbewerb der Organisation Startup Teens, der sich an 14- bis 19-jährige Schüler richtet. 2017 schaffte es Sprute noch nicht ins Finale. Damals konzentrierte er sich mehr auf Online-Videos für „analoge“ Senioren. Mit dem Feedback konnte er viel anfangen und überarbeitete zwölf Monate lang sein Projekt. Für den diesjährigen Wettbewerb verkürzte er sogar sein Auslandsjahr in Australien. Ende Juni prämierte ihn die Startup-Teens-Jury in der Kategorie „sozial“ für seine Idee. Zwei andere Mindener, Lasse Tischer und Till-Jonas Uphoff, landeten übrigens in einer anderen Kategorie mit ihrem Projekt „Starterz“ auf Rang zwei (das MT berichtete). Sprute muss das Geld in sein Unternehmen investieren, ausgezahlt bekommt er es nicht. Insofern ist das finanzielle Risiko nicht hoch. Sein Plan steht, er muss keine teuren Softwares oder Roboter entwickeln. Was er besitzt: großen Mut. Was ihm noch fehlt: grünes Licht. „Am liebsten würde ich sofort an den Start gehen“, sagt Sprute. Minderjährige bekommen bei der Gründung in Deutschland aber einige Steine in den Weg gelegt. Sprute benötigt eine Vormundschaft und muss sich mit anderen rechtlichen Aspekten auseinandersetzen. Trotzdem plant er, im Januar 2019 sein erstes Büro in Minden zu eröffnen und weitere Schüler für sein Vorhaben zu gewinnen. Bevor sie mit den Senioren arbeiten, erhalten sich noch zwei Seminare und können dann bis zu 25 Euro pro Stunde verdienen. Egal, wie das mit dem Unternehmen läuft, sein Abitur will er machen. Nach den Sommerferien besucht er die elfte Klasse. Und danach ein BWL-Studium? „Das muss nicht sein“, sagt er. Ihm gefällt sein bisheriger, eher praktischer Werdegang. Viele Unternehmer wie Bill Gates hätten ihm gezeigt, dass ein Studium nicht zwingend notwendig sei. „Ich möchte keinen Job, bei dem ich mich immer aufs Wochenende freuen muss“, blickt Sprute voraus. Ihm schwebt etwas vor, wofür er seine Leidenschaft einsetzen kann. Wie bei seinem Unternehmen, für das der Teenager brennt. Der Autor ist erreichbarunter (05 71) 882 260oder Ilja.Regier@MT.de