Päpinghauser wehren sich gegen die Ausweitung von Industrie

Carsten Korfesmeyer

Bürgermeister Michael Jäcke (von links) nimmt die Unterschriftenliste aus den Händen von Dieter Nitzke und Klaus Wiese entgegen. MT- - © Foto: Carsten Korfesmeyer
Bürgermeister Michael Jäcke (von links) nimmt die Unterschriftenliste aus den Händen von Dieter Nitzke und Klaus Wiese entgegen. MT- (© Foto: Carsten Korfesmeyer)

Minden (mt). Dieter Nitzke spricht von einem Moloch, der durch eine Erweiterung des Industriegebiets Päpinghausen in Richtung Norden entstehen könnte. Bislang überwiegend landwirtschaftlich genutzte Flächen würden verschwinden und den Wohnalltag in dem beschaulichen Örtchen verändern. Statt Ackerland und bäuerliche Idylle, bestimmten Lärm, Abgase und Schornsteine das Landschaftsbild.

„Bis Wietersheim, Frille und Lahde könnten die Industrieanlagen gebaut werden", sagt der Initiator des Bürgerprotestes vor wenigen Tagen bei der Überreichung der Unterschriftenliste an Bürgermeister Michael Jäcke. Mehr als 40 Bürger sind in dem Moment vor dem Feuerwehrgerätehaus versammelt. Und die glasklare Botschaft an den Verwaltungschef lautet: „Wir wollen das nicht!" Um insgesamt 136 Hektar soll das Industriegebiet nach den Plänen wachsen. Nitzke sagt deutlich, dass es ihm um eine sachliche und offen geführte Auseinandersetzung geht und den Protestierenden durchaus bewusst ist, dass Industrieflächen bereitgestellt werden müssen. Der Initiator erklärt sogar, dass man über die gewollte 7,8 Hektar große direkte Erweiterung in Richtung Norden sogar reden könnte, die verbleibenden 128 Hektar seien aber eindeutig des Guten zuviel.

„Gewinner wär in diesem Fall allein die Industrie", sagt Nitzke. Die Dorfgemeinschaft drohe dann ebenfalls auseinanderzufallen, weil Dorf und Siedlung durch die Industrieanlagen voneinander getrennt würden. Die Bürger hätten auch finanziell das Nachsehen, weil sich dadurch der Wert ihrer Grundstücke verringert. „Lassen Sie uns deshalb eine Lösung finden, die allen gerecht wird", erklärt er in Richtung Jäcke. Ein Vorschlag der Protestler aus Päpinghausen ist beispielsweise, die Lasten auf die Industriegebiete in Meißen und Dützen zu verteilen.

Der Bürgermeister sagt klar und deutlich, dass er die Sorgen der Päpinghauser versteht. „Und Ihren Prostest nehme ich sehr ernst", erklärt Jäcke, der in seiner Ansprache auf die noch zu nehmenden formalen Hürden eingeht. „Das Verfahren steht noch ganz am Anfang." Viel sei noch zu tun – und der Bürgermeister legt nach eigenen Worten Wert darauf, möglichst alle mit ins Boot zu holen. Außerdem bedeute eine Ausweitung nicht, dass sich sofort die Industrie ansiedelt. Jäcke spricht von sogenannten Potenzialflächen und es gelte, die Möglichkeiten für eine weitere Industrieansiedlung zu schaffen. Das gesamte Vorhaben sei auf drei bis vier Jahrzehnte ausgelegt.

Der Autor ist erreichbar unter (0571) 882 683 oder Carsten.Korfesmeyer@MT.de

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Päpinghauser wehren sich gegen die Ausweitung von IndustrieCarsten KorfesmeyerMinden (mt). Dieter Nitzke spricht von einem Moloch, der durch eine Erweiterung des Industriegebiets Päpinghausen in Richtung Norden entstehen könnte. Bislang überwiegend landwirtschaftlich genutzte Flächen würden verschwinden und den Wohnalltag in dem beschaulichen Örtchen verändern. Statt Ackerland und bäuerliche Idylle, bestimmten Lärm, Abgase und Schornsteine das Landschaftsbild. „Bis Wietersheim, Frille und Lahde könnten die Industrieanlagen gebaut werden", sagt der Initiator des Bürgerprotestes vor wenigen Tagen bei der Überreichung der Unterschriftenliste an Bürgermeister Michael Jäcke. Mehr als 40 Bürger sind in dem Moment vor dem Feuerwehrgerätehaus versammelt. Und die glasklare Botschaft an den Verwaltungschef lautet: „Wir wollen das nicht!" Um insgesamt 136 Hektar soll das Industriegebiet nach den Plänen wachsen. Nitzke sagt deutlich, dass es ihm um eine sachliche und offen geführte Auseinandersetzung geht und den Protestierenden durchaus bewusst ist, dass Industrieflächen bereitgestellt werden müssen. Der Initiator erklärt sogar, dass man über die gewollte 7,8 Hektar große direkte Erweiterung in Richtung Norden sogar reden könnte, die verbleibenden 128 Hektar seien aber eindeutig des Guten zuviel. „Gewinner wär in diesem Fall allein die Industrie", sagt Nitzke. Die Dorfgemeinschaft drohe dann ebenfalls auseinanderzufallen, weil Dorf und Siedlung durch die Industrieanlagen voneinander getrennt würden. Die Bürger hätten auch finanziell das Nachsehen, weil sich dadurch der Wert ihrer Grundstücke verringert. „Lassen Sie uns deshalb eine Lösung finden, die allen gerecht wird", erklärt er in Richtung Jäcke. Ein Vorschlag der Protestler aus Päpinghausen ist beispielsweise, die Lasten auf die Industriegebiete in Meißen und Dützen zu verteilen. Der Bürgermeister sagt klar und deutlich, dass er die Sorgen der Päpinghauser versteht. „Und Ihren Prostest nehme ich sehr ernst", erklärt Jäcke, der in seiner Ansprache auf die noch zu nehmenden formalen Hürden eingeht. „Das Verfahren steht noch ganz am Anfang." Viel sei noch zu tun – und der Bürgermeister legt nach eigenen Worten Wert darauf, möglichst alle mit ins Boot zu holen. Außerdem bedeute eine Ausweitung nicht, dass sich sofort die Industrie ansiedelt. Jäcke spricht von sogenannten Potenzialflächen und es gelte, die Möglichkeiten für eine weitere Industrieansiedlung zu schaffen. Das gesamte Vorhaben sei auf drei bis vier Jahrzehnte ausgelegt. Der Autor ist erreichbar unter (0571) 882 683 oder Carsten.Korfesmeyer@MT.de