Die Glacisbrücke bei Nacht – viele Frauen gehen den Weg von Kanzlers Weide in die Stadt bei Dunkelheit aus Angst vor Übergriffen nur ungern alleine. MT- - © Foto: Alex Lehn
Die Glacisbrücke bei Nacht – viele Frauen gehen den Weg von Kanzlers Weide in die Stadt bei Dunkelheit aus Angst vor Übergriffen nur ungern alleine. MT- (© Foto: Alex Lehn)

Angsträume in Minden: Stadt will Beleuchtung, Grünpflege und Sauberkeit verbessern

Sebastian Radermacher

Petra Sachs (v.l.), Sabine Hauptmeier, Anne Braszeit, Alwina Colurciello und Peter Wansing während eines Rundgangs durch die Stadt. Der Durchgang zum Parkplatz an der Schlagde ist für viele Mindener ein Angstraum. MT- - © Foto: Sebastian Radermacher
Petra Sachs (v.l.), Sabine Hauptmeier, Anne Braszeit, Alwina Colurciello und Peter Wansing während eines Rundgangs durch die Stadt. Der Durchgang zum Parkplatz an der Schlagde ist für viele Mindener ein Angstraum. MT- (© Foto: Sebastian Radermacher)

Minden (mt). Anne Braszeit bringt so schnell nichts aus der Ruhe, kaum etwas bereitet ihr Angst. Aber wenn sie abends im Dunkeln durch die Johannispassage geht, hat selbst sie ein mulmiges Gefühl. „Sobald die Beleuchtung in den Schaufenstern ausgeschaltet wird, ist es hier sehr dunkel“, kritisiert die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Minden. Man fühle sich einfach nicht wohl, wenn man, etwa auf dem Weg ins BÜZ, alleine durch den Durchgang zwischen C&A und H&M gehe. „Und das empfinden viele Frauen so“, sagt Braszeit.

Die Johannispassage ist nicht der einzige dunkle Fleck in der Mindener Innenstadt, der vor allem Frauen Angst bereitet. Auch der Durchgang zum Parkplatz an der Schlagde, die Wege im Glacis oder in der Oberen Altstadt würden von vielen in der Dunkelheit als Angsträume empfunden und daher gemieden, sagt Braszeit.

Information

Tipps der Polizei für ein sicheres Auftreten
Der Polizeisportverein Minden bietet Selbstbehauptungskurse für Frauen, Mädchen und Jungen an. „Sexuelle Belästigung oder auch die Angst davor begegnet uns immer wieder im Alltag. Entscheidend ist, wie die betroffene Person empfindet“, sagt Birgit Thinnes vom Kommissariat Kriminalprävention der Kreispolizei.
Die Reaktionen auf grenzverletzendes Verhalten können unterschiedlich sein und hängen immer von der betroffenen Person ab, sagt Thinnes. Ein Beispiel: Obszöne Sprüche oder anzügliche Bemerkungen könne man ignorieren, den anderen mit seinem Verhalten konfrontieren („Hören Sie auf, mich zu belästigen!“) oder jemanden um Hilfe bitten. „Jede Frau sollte für sich herausfinden, womit sie sich am wohlsten fühlt.“
In den Selbstbehauptungskursen lernen die Frauen, Gefahren zu erkennen und einzuschätzen, durch eigenes Verhalten das Verhalten des Gegenübers zu beeinflussen, mit und ohne Worte den eigenen Willen deutlich zu machen sowie effektive Verteidigungstechniken anzuwenden. Außerdem erhalten sie Tipps, wie sie eigene Hemmschwellen abbauen und zur Abwehr den Überraschungseffekt auszunutzen können.
Derzeit stehen 25 Frauen auf einer Warteliste. Die nächsten Kurse starten nach den Sommerferien. Auf Anfrage können Kurse in festen Gruppen (Sportverein, Arbeit etc.) durchgeführt werden. Nähere Informationen gibt es unter Tel. (0571) 88 66 13 00.
Birgit Thinnes gibt einige allgemeine Tipps für ein sicheres Auftreten in der Öffentlichkeit: gerade gehen, den Kopf nicht schräg halten, sicher stehen, laut und deutlich sprechen, frühzeitig Grenzen setzen (durch Gesten oder mit Worten), während eines Gesprächs Blickkontakt halten, aber nicht anstarren.

Die Stadt Minden weiß um diese Problematik. „Wir nehmen die Anregungen ernst und versuchen, die Situation stetig zu verbessern. Es ist ein Dauerthema“, sagt Beigeordneter Peter Wansing, Leiter der Städtischen Betriebe Minden (SBM), während eines Rundgangs durch die City. Zuletzt hat sich der Ausschuss für Frauen- und Gleichstellungsangelegenheiten nach Hinweisen von Bürgern die Problematik erneut aufgegriffen.

Warum gibt es in der Mindener Innenstadt solche Angsträume? Peter Wansing weist darauf hin, dass es sich immer um subjektive Wahrnehmungen handelt, welche Bereiche den Bürgern Angst machen und welche nicht. Das bestätigt auch Birgit Thinnes von der Kreispolizei. Mit Blick auf die reinen Fallzahlen gebe es keine auffälligen Angsträume in Minden. „Laut Statistik ist die Kriminalität seit Jahren rückläufig“, sagt Thinnes. Auf zwei Ebenen müsse man allerdings ansetzen, um das subjektive Empfinden zu verbessern. Die Polizei legt den Fokus auf verhaltenspräventive Maßnahmen und organisiert zum Beispiel Selbstbehauptungskurse für Frauen und Kinder (siehe Info-Kasten).

Die Stadtverwaltung hingegen ist bei städtebaulichen Maßnahmen gefordert – und geht dieses Thema auch an, wie Wansing betont. Denn eine Sache sei klar: „Es gibt in Minden einige Bereiche, die wir verbessern möchten.“ Dabei gehe es vor allem um die Optimierung der Beleuchtung, der Grünpflege und der Sauberkeit.

Die Umstellung auf energiesparende und gleichzeitig hellere LED-Straßenbeleuchtung sei fast abgeschlossen, was bereits für ein verbessertes Sicherheitsempfinden sorge. Im Kernbereich der Innenstadt bleiben die Laternen außerdem nachts eingeschaltet, lediglich in den Außenbereichen würden Laternen nachts ausgeschaltet oder gedimmt. Und auch in den viel bemängelten dunklen Ecken werde sich bald etwas tun. So soll für die Johannispassage in Absprache mit den Geschäftstreibenden eine optimierte Beleuchtung entwickelt werden, kündigt Wansing an. „Es wird hier heller und freundlicher werden.“ Ebenso der „dunkle Tunnel“ (Wansing) in Richtung Schlagde-Parkplatz – auch diesen Bereich will die Stadt aufwerten. Und das Glacis soll gänzlich neu gestaltet werden – unter Einbindung der Bürger. „Dabei wird das Thema Beleuchtung eine wichtige Rolle spielen“, sagt Wansing. Wann die Bereiche aufgehübscht werden, steht noch nicht fest.

Die Grünpflege spielt ebenfalls eine wichtige Rolle für das Sicherheitsempfinden der Bürger, betont Wansing und erhält Zustimmung von Birgit Thinnes. „Ist ein Weg zugewuchert, so dass man nicht weit sehen kann, steigt das Unwohlsein“, erklärt die Expertin der Polizei. Und auch das Thema Sauberkeit sollte die Verwaltung im Blick behalten. „Es macht Sinn, dass die Stadt sauber ist, denn dann fühlen sich die Bürger wohler und sicherer“, meint Thinnes. Sie bezieht sich dabei auf die „Broken-Windows-Theorie“, wonach ein Zusammenhang zwischen Verwüstungen in Städten und Kriminalität bestehe. „An verdreckten und zugemüllten Stellen hat man den Eindruck, dass sich dort niemand kümmert, dass niemand aufpasst. Und so kann ein Gefühl der Angst entstehen“, erklärt sie.

Beim Thema Müll verweist Peter Wansing auf die vor kurzem gestartete Plakataktion der SBM, um Bürger zu sensibilisieren. Wenn man dann nach den Vatertagsfeiern den ganzen Müll entlang der Weserpromenade sehe, sei dieses Bild ernüchternd, gibt er zu. Und was für ihn besonders traurig ist: „Diese negativen Bilder bleiben dann in den Köpfen der Bürger hängen.“

Für die Zukunft gehe es nun darum, das Problem als Gesamtpaket anzugehen. Neben einer verbesserten Beleuchtung, Grünpflege und Sauberkeit soll der Blick auch auf eine gepflegte Infrastruktur (Zustand der Straßen und Wege), auf die Gestaltung und Inszenierung von Fassaden sowie auf die Reduzierung von Leerständen gelegt werden. „Es hängt alles zusammen. Wir müssen dieses Thema angehen“, betont der SBM-Leiter. „Und wenn wir das alles gut hinbekommen, empfinden die Menschen die eine oder andere dunkle Ecke vielleicht auch gar nicht mehr als so schlimm.“ Es habe sich bereits viel getan, der Weg sei aber noch lange nicht beendet. Wansing: „Wir möchten eine freundliche Stadt sein.“

Die Zusammenarbeit von Stadtverwaltung und Polizei sei gut. „Die Polizei weiß von den Hotspots in der Stadt und hat diese im Blick“, sagt Wansing, der die Ordnungspartnerschaft der beiden Behörden für gemeinsame Kontrollen positiv bewertet. Dass externe Sicherheitskräfte abends und nachts dauerhaft durch die ganze Stadt ziehen, sei in der Vergangenheit wegen steigender Fälle von Vandalismus und Schmierereien einmal getestet worden. „Es gab aber keine signifikanten Erfolge. Dafür ist die Stadt zu groß.“

Lesen Sie auch den Kommentar zum Thema "Angsträume in Minden": Verbesserungspotenzial.

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Angsträume in Minden: Stadt will Beleuchtung, Grünpflege und Sauberkeit verbessernSebastian RadermacherMinden (mt). Anne Braszeit bringt so schnell nichts aus der Ruhe, kaum etwas bereitet ihr Angst. Aber wenn sie abends im Dunkeln durch die Johannispassage geht, hat selbst sie ein mulmiges Gefühl. „Sobald die Beleuchtung in den Schaufenstern ausgeschaltet wird, ist es hier sehr dunkel“, kritisiert die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Minden. Man fühle sich einfach nicht wohl, wenn man, etwa auf dem Weg ins BÜZ, alleine durch den Durchgang zwischen C&A und H&M gehe. „Und das empfinden viele Frauen so“, sagt Braszeit. Die Johannispassage ist nicht der einzige dunkle Fleck in der Mindener Innenstadt, der vor allem Frauen Angst bereitet. Auch der Durchgang zum Parkplatz an der Schlagde, die Wege im Glacis oder in der Oberen Altstadt würden von vielen in der Dunkelheit als Angsträume empfunden und daher gemieden, sagt Braszeit. Die Stadt Minden weiß um diese Problematik. „Wir nehmen die Anregungen ernst und versuchen, die Situation stetig zu verbessern. Es ist ein Dauerthema“, sagt Beigeordneter Peter Wansing, Leiter der Städtischen Betriebe Minden (SBM), während eines Rundgangs durch die City. Zuletzt hat sich der Ausschuss für Frauen- und Gleichstellungsangelegenheiten nach Hinweisen von Bürgern die Problematik erneut aufgegriffen. Warum gibt es in der Mindener Innenstadt solche Angsträume? Peter Wansing weist darauf hin, dass es sich immer um subjektive Wahrnehmungen handelt, welche Bereiche den Bürgern Angst machen und welche nicht. Das bestätigt auch Birgit Thinnes von der Kreispolizei. Mit Blick auf die reinen Fallzahlen gebe es keine auffälligen Angsträume in Minden. „Laut Statistik ist die Kriminalität seit Jahren rückläufig“, sagt Thinnes. Auf zwei Ebenen müsse man allerdings ansetzen, um das subjektive Empfinden zu verbessern. Die Polizei legt den Fokus auf verhaltenspräventive Maßnahmen und organisiert zum Beispiel Selbstbehauptungskurse für Frauen und Kinder (siehe Info-Kasten). Die Stadtverwaltung hingegen ist bei städtebaulichen Maßnahmen gefordert – und geht dieses Thema auch an, wie Wansing betont. Denn eine Sache sei klar: „Es gibt in Minden einige Bereiche, die wir verbessern möchten.“ Dabei gehe es vor allem um die Optimierung der Beleuchtung, der Grünpflege und der Sauberkeit. Die Umstellung auf energiesparende und gleichzeitig hellere LED-Straßenbeleuchtung sei fast abgeschlossen, was bereits für ein verbessertes Sicherheitsempfinden sorge. Im Kernbereich der Innenstadt bleiben die Laternen außerdem nachts eingeschaltet, lediglich in den Außenbereichen würden Laternen nachts ausgeschaltet oder gedimmt. Und auch in den viel bemängelten dunklen Ecken werde sich bald etwas tun. So soll für die Johannispassage in Absprache mit den Geschäftstreibenden eine optimierte Beleuchtung entwickelt werden, kündigt Wansing an. „Es wird hier heller und freundlicher werden.“ Ebenso der „dunkle Tunnel“ (Wansing) in Richtung Schlagde-Parkplatz – auch diesen Bereich will die Stadt aufwerten. Und das Glacis soll gänzlich neu gestaltet werden – unter Einbindung der Bürger. „Dabei wird das Thema Beleuchtung eine wichtige Rolle spielen“, sagt Wansing. Wann die Bereiche aufgehübscht werden, steht noch nicht fest. Die Grünpflege spielt ebenfalls eine wichtige Rolle für das Sicherheitsempfinden der Bürger, betont Wansing und erhält Zustimmung von Birgit Thinnes. „Ist ein Weg zugewuchert, so dass man nicht weit sehen kann, steigt das Unwohlsein“, erklärt die Expertin der Polizei. Und auch das Thema Sauberkeit sollte die Verwaltung im Blick behalten. „Es macht Sinn, dass die Stadt sauber ist, denn dann fühlen sich die Bürger wohler und sicherer“, meint Thinnes. Sie bezieht sich dabei auf die „Broken-Windows-Theorie“, wonach ein Zusammenhang zwischen Verwüstungen in Städten und Kriminalität bestehe. „An verdreckten und zugemüllten Stellen hat man den Eindruck, dass sich dort niemand kümmert, dass niemand aufpasst. Und so kann ein Gefühl der Angst entstehen“, erklärt sie. Beim Thema Müll verweist Peter Wansing auf die vor kurzem gestartete Plakataktion der SBM, um Bürger zu sensibilisieren. Wenn man dann nach den Vatertagsfeiern den ganzen Müll entlang der Weserpromenade sehe, sei dieses Bild ernüchternd, gibt er zu. Und was für ihn besonders traurig ist: „Diese negativen Bilder bleiben dann in den Köpfen der Bürger hängen.“ Für die Zukunft gehe es nun darum, das Problem als Gesamtpaket anzugehen. Neben einer verbesserten Beleuchtung, Grünpflege und Sauberkeit soll der Blick auch auf eine gepflegte Infrastruktur (Zustand der Straßen und Wege), auf die Gestaltung und Inszenierung von Fassaden sowie auf die Reduzierung von Leerständen gelegt werden. „Es hängt alles zusammen. Wir müssen dieses Thema angehen“, betont der SBM-Leiter. „Und wenn wir das alles gut hinbekommen, empfinden die Menschen die eine oder andere dunkle Ecke vielleicht auch gar nicht mehr als so schlimm.“ Es habe sich bereits viel getan, der Weg sei aber noch lange nicht beendet. Wansing: „Wir möchten eine freundliche Stadt sein.“ Die Zusammenarbeit von Stadtverwaltung und Polizei sei gut. „Die Polizei weiß von den Hotspots in der Stadt und hat diese im Blick“, sagt Wansing, der die Ordnungspartnerschaft der beiden Behörden für gemeinsame Kontrollen positiv bewertet. Dass externe Sicherheitskräfte abends und nachts dauerhaft durch die ganze Stadt ziehen, sei in der Vergangenheit wegen steigender Fälle von Vandalismus und Schmierereien einmal getestet worden. „Es gab aber keine signifikanten Erfolge. Dafür ist die Stadt zu groß.“ Lesen Sie auch den Kommentar zum Thema "Angsträume in Minden": Verbesserungspotenzial.