Viele Ideen für ein nachhaltigeres Minden werden entwickelt

Nico Schäffauer

Minden (jona). Minden soll zur Schwammstadt werden. Das fordert Johannes Weinig vom Mindener Gemeinwohl-Ökonomie-Projekt (GWÖ). Das Regenwasser in der Stadt soll langsamer in den Boden zurückfließen, damit „die Böden, vor allem bei Starkregen, nicht zu schnell übersättigen“, sagt er.

Weinig ist Professor am Campus Minden der FH Bielefeld und lehrt im Bereich Wasser- und Abfallwirtschaft. Seiner Ansicht nach bieten sich für das Schwammstadt-Projekt große Flächen an, etwa der noch junge ZOB in Minden. Hierbei werden Baustoffe verwendet, die das Wasser aufsaugen können: „Unter den Asphalt kommt zunächst eine tragende Kiesschicht, darunter der Glasschotter, der das Wasser sammelt“, beschreibt er. Dieser Glasschotter funktioniert dann als sogenannter Retentionsfilter. Die Schicht saugt das Regenwasser auf. Somit fließe es langsamer in den Boden zurück. Das sei jedoch nur eine vorläufige Idee: „Zunächst brauchen wir ein Konzept, das wir der Stadt vorlegen können. Erst dann ist es sinnvoll, geeignete Flächen zu suchen.“

Neben den Retentionsfiltern gibt es noch die Möglichkeit der Stadtbegrünung. „Die Idee ist, dass zum Beispiel Flachdächer oder Hauswände mit Moos, Wein oder Spalierobst bepflanzt werden. Darin kann viel Wasser gespeichert werden, das anschließend langsam verdunstet“, erklärt Katharina Walckhoff, Initiatorin des GWÖ-Projekts in Minden, das es seit Oktober 2017 gibt.

Die Schwammstadtidee sei bei einem Netzwerk-Treffen Nachhaltige Stadtentwicklung (NaStE) entstanden. Seitdem wird das Thema auch in der GWÖ diskutiert: „Wir überlegen uns, an welchen Stellen die Hilfe der Stadt oder der lokalen Wirtschaft nötig ist“, sagt sie. „Die Wirtschaft muss wieder ein Mittel für ein gutes Leben für alle auf der Erde werden.“ Das sei der Grundgedanke der GWÖ. Bei der Mindener Stadtverwaltung und lokalen Unternehmen sehe Walckhoff eine „große Offenheit für Nachhaltigkeitsprojekte.“

So sieht das auch André Gerling, verantwortlich für die Stadtentwicklung bei der Stadt Minden: „Die Schwammstadt kann für Minden ein tolles Projekt werden“, denn auch für die Stadt sei die Wasserrückhaltung ein wichtiges Thema. Er halte deshalb ein Treffen mit der GWÖ für sinnvoll , um zu erörtern, an welchen Stellen die Stadt ihr Potenzial miteinbringen kann.

Allerdings habe es bis jetzt noch keine Anfragen seitens der GWÖ gegeben. Dafür habe die GWÖ auch einen guten Grund, meint Walckhoff. „Wir müssen gemeinsam mit den Bürgern diskutieren. Erst wenn dort die Bereitschaft da ist und wir ein Konzept entwickelt haben, können wir auf die Stadt und lokale Unternehmen zugehen.“ Denn auch auf privaten Grundstücksflächen könne man Grünflächen oder Retentionsfilter installieren und etwas zur Schwammstadt beitragen. Walckhoff halte es für wahrscheinlich, dass die GWÖ ein solches Konzept auf der kommenden Mindener Nachhaltigkeitswoche im Herbst 2018 vorstellen könne.

Nico Schäffauer ist Stipendiat der Journalistischen Nachwuchsförderung (Jona) der Konrad-Adenauer-Stiftung. Das Mindener Tageblatt war Gastgeber eines mehrwöchigen Jona-Fachseminars.

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Viele Ideen für ein nachhaltigeres Minden werden entwickeltNico SchäffauerMinden (jona). Minden soll zur Schwammstadt werden. Das fordert Johannes Weinig vom Mindener Gemeinwohl-Ökonomie-Projekt (GWÖ). Das Regenwasser in der Stadt soll langsamer in den Boden zurückfließen, damit „die Böden, vor allem bei Starkregen, nicht zu schnell übersättigen“, sagt er. Weinig ist Professor am Campus Minden der FH Bielefeld und lehrt im Bereich Wasser- und Abfallwirtschaft. Seiner Ansicht nach bieten sich für das Schwammstadt-Projekt große Flächen an, etwa der noch junge ZOB in Minden. Hierbei werden Baustoffe verwendet, die das Wasser aufsaugen können: „Unter den Asphalt kommt zunächst eine tragende Kiesschicht, darunter der Glasschotter, der das Wasser sammelt“, beschreibt er. Dieser Glasschotter funktioniert dann als sogenannter Retentionsfilter. Die Schicht saugt das Regenwasser auf. Somit fließe es langsamer in den Boden zurück. Das sei jedoch nur eine vorläufige Idee: „Zunächst brauchen wir ein Konzept, das wir der Stadt vorlegen können. Erst dann ist es sinnvoll, geeignete Flächen zu suchen.“ Neben den Retentionsfiltern gibt es noch die Möglichkeit der Stadtbegrünung. „Die Idee ist, dass zum Beispiel Flachdächer oder Hauswände mit Moos, Wein oder Spalierobst bepflanzt werden. Darin kann viel Wasser gespeichert werden, das anschließend langsam verdunstet“, erklärt Katharina Walckhoff, Initiatorin des GWÖ-Projekts in Minden, das es seit Oktober 2017 gibt. Die Schwammstadtidee sei bei einem Netzwerk-Treffen Nachhaltige Stadtentwicklung (NaStE) entstanden. Seitdem wird das Thema auch in der GWÖ diskutiert: „Wir überlegen uns, an welchen Stellen die Hilfe der Stadt oder der lokalen Wirtschaft nötig ist“, sagt sie. „Die Wirtschaft muss wieder ein Mittel für ein gutes Leben für alle auf der Erde werden.“ Das sei der Grundgedanke der GWÖ. Bei der Mindener Stadtverwaltung und lokalen Unternehmen sehe Walckhoff eine „große Offenheit für Nachhaltigkeitsprojekte.“ So sieht das auch André Gerling, verantwortlich für die Stadtentwicklung bei der Stadt Minden: „Die Schwammstadt kann für Minden ein tolles Projekt werden“, denn auch für die Stadt sei die Wasserrückhaltung ein wichtiges Thema. Er halte deshalb ein Treffen mit der GWÖ für sinnvoll , um zu erörtern, an welchen Stellen die Stadt ihr Potenzial miteinbringen kann. Allerdings habe es bis jetzt noch keine Anfragen seitens der GWÖ gegeben. Dafür habe die GWÖ auch einen guten Grund, meint Walckhoff. „Wir müssen gemeinsam mit den Bürgern diskutieren. Erst wenn dort die Bereitschaft da ist und wir ein Konzept entwickelt haben, können wir auf die Stadt und lokale Unternehmen zugehen.“ Denn auch auf privaten Grundstücksflächen könne man Grünflächen oder Retentionsfilter installieren und etwas zur Schwammstadt beitragen. Walckhoff halte es für wahrscheinlich, dass die GWÖ ein solches Konzept auf der kommenden Mindener Nachhaltigkeitswoche im Herbst 2018 vorstellen könne. Nico Schäffauer ist Stipendiat der Journalistischen Nachwuchsförderung (Jona) der Konrad-Adenauer-Stiftung. Das Mindener Tageblatt war Gastgeber eines mehrwöchigen Jona-Fachseminars.