Tiefgehende Texte rund um die Liebe

Michael Hiller

Autorin Doris Oetting liest Texte zum Thema Liebe - © Foto: Michael Hiller
Autorin Doris Oetting liest Texte zum Thema Liebe (© Foto: Michael Hiller)

Minden (hil). „Lesung und Kunst“ – diese Kombination fand mittlerweile zum vierten Mal im Café Prinz Friedrich an der Johansenstraße in Minden statt. Ein Ort, der wie geschaffen ist für einen Abend wie diesen. Klassisches Ambiente und Kaffeehausatmosphäre bilden den Rahmen für die Veranstaltung unter der Überschrift „Lesung und Kunst mit viel Herz“.

Schon der Flyer zeigt, um was es dabei geht. Es geht – passend zum Valentinstag – um Herzgefühle und das Thema Liebe. Die Mindener Autorin Doris Oetting veröffentlichte im März 2016 ihren ersten Roman „…am Größten aber ist es Liebe“. Die gebürtige Lübbeckerin beschäftigt sich schon länger mit dem „Drumherum“ um den Menschen. Ihre Werke bilden vielfach Alltagssituationen ab, wie sie immer und überall passieren können. Lebendig erzählt – und ganz schnell stellt sich das Kopfkino an.

„Von außen betrachtet“ ist so eine Geschichte, die ganz schnell für entsprechende Emotionen sorgt. Eine junge Frau, nicht einmal vierzig und seit sechs Jahren mit Joe verheiratet, fühlt sich in ihrer Ehe der Monotonie ausgesetzt, der Eintönigkeit. Sie hat den Eindruck, dass ihr Mann sich nicht mehr richtig für sie interessiert. Und wie es dann so kommen muss, gibt es eine Begegnung mit einem anderen interessanten und recht gut aussehenden Mann in einer Bücherei. Er, der durch seinen Beruf schon viel von der Welt gesehen hat, fasziniert die junge Frau. Zumindest erstmal oberflächlich.

Bei einem erneuten Besuch in der Bibliothek findet sie einen kleinen Zettel an ein Regal geklebt. Von ihm – mit der hinterlassenen Handynummer. Er möchte ein Date mit ihr, sie ist kurzzeitig verunsichert. Bis sie dann bei einem erneuten Besuch wieder einen Zettel vorfindet und sich zu einem Treffen überreden lässt. In einem nicht sehr schönen Restaurant sehen sie sich wieder. Und sie stellt fest, wie selbstverliebt und unhöflich dieser Mensch (bei der Begrüßung ist er nicht mal aufgestanden) ist. Plötzlich ärgert sie sich über sich selbst, beendet schnellstes dieses Treffen und wünscht sich nichts mehr, als an der Seite ihres Ehemannes zu sein. Sie erkennt, dass Joe überhaupt nicht selbstverliebt ist, seine Zurückhaltung Teil seiner Persönlichkeit ist und keine Ignoranz ihr gegenüber. Die Geschichte von Doris Oettinger ist kurzweilig und zeigt Facetten eines ganz normalen Lebens.

Sehr ans Herz gehen auch die Texte, die eine Brieffreundschaft zu einem Obdachlosen beschreiben. Eine zweimonatige Brieffreundschaft mit 18-maligem Briefwechsel führt eine Frau in die Kardiologie eines Krankenhauses, wo genau eine Nacht zuvor ihr unbekannter Brieffreund verstorben ist und dem sie über seine geschriebenen Zeilen ein neues Leben verdankt.

Die Geschichten von Doris Oettinger berühren. Genauso wie die Bilder und Skulpturen der ausstellenden heimischen Künstler Waltraud Binöder (Holzbildhauerin), Jürgen Dammit (Bildhauer), Klaus-Dieter Heine, der Bilder in Acryl präsentiert, sowie Axel Badstübner, dessen Pop-Art vielfach an Andy Warhol erinnert. Sie drücken mit ihren Arbeiten das aus, was die Autorin mit Zeilen beschreibt. Alles um das Thema Gefühl und Liebe. In Kohle, Acryl und mit dem Pinsel oder Rechner. Und dreidimensional als Skulptur. Der Erlös des Abends geht an das neue Mindener Tierheim in Päpinghausen.

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Tiefgehende Texte rund um die LiebeMichael HillerMinden (hil). „Lesung und Kunst“ – diese Kombination fand mittlerweile zum vierten Mal im Café Prinz Friedrich an der Johansenstraße in Minden statt. Ein Ort, der wie geschaffen ist für einen Abend wie diesen. Klassisches Ambiente und Kaffeehausatmosphäre bilden den Rahmen für die Veranstaltung unter der Überschrift „Lesung und Kunst mit viel Herz“. Schon der Flyer zeigt, um was es dabei geht. Es geht – passend zum Valentinstag – um Herzgefühle und das Thema Liebe. Die Mindener Autorin Doris Oetting veröffentlichte im März 2016 ihren ersten Roman „…am Größten aber ist es Liebe“. Die gebürtige Lübbeckerin beschäftigt sich schon länger mit dem „Drumherum“ um den Menschen. Ihre Werke bilden vielfach Alltagssituationen ab, wie sie immer und überall passieren können. Lebendig erzählt – und ganz schnell stellt sich das Kopfkino an. „Von außen betrachtet“ ist so eine Geschichte, die ganz schnell für entsprechende Emotionen sorgt. Eine junge Frau, nicht einmal vierzig und seit sechs Jahren mit Joe verheiratet, fühlt sich in ihrer Ehe der Monotonie ausgesetzt, der Eintönigkeit. Sie hat den Eindruck, dass ihr Mann sich nicht mehr richtig für sie interessiert. Und wie es dann so kommen muss, gibt es eine Begegnung mit einem anderen interessanten und recht gut aussehenden Mann in einer Bücherei. Er, der durch seinen Beruf schon viel von der Welt gesehen hat, fasziniert die junge Frau. Zumindest erstmal oberflächlich. Bei einem erneuten Besuch in der Bibliothek findet sie einen kleinen Zettel an ein Regal geklebt. Von ihm – mit der hinterlassenen Handynummer. Er möchte ein Date mit ihr, sie ist kurzzeitig verunsichert. Bis sie dann bei einem erneuten Besuch wieder einen Zettel vorfindet und sich zu einem Treffen überreden lässt. In einem nicht sehr schönen Restaurant sehen sie sich wieder. Und sie stellt fest, wie selbstverliebt und unhöflich dieser Mensch (bei der Begrüßung ist er nicht mal aufgestanden) ist. Plötzlich ärgert sie sich über sich selbst, beendet schnellstes dieses Treffen und wünscht sich nichts mehr, als an der Seite ihres Ehemannes zu sein. Sie erkennt, dass Joe überhaupt nicht selbstverliebt ist, seine Zurückhaltung Teil seiner Persönlichkeit ist und keine Ignoranz ihr gegenüber. Die Geschichte von Doris Oettinger ist kurzweilig und zeigt Facetten eines ganz normalen Lebens. Sehr ans Herz gehen auch die Texte, die eine Brieffreundschaft zu einem Obdachlosen beschreiben. Eine zweimonatige Brieffreundschaft mit 18-maligem Briefwechsel führt eine Frau in die Kardiologie eines Krankenhauses, wo genau eine Nacht zuvor ihr unbekannter Brieffreund verstorben ist und dem sie über seine geschriebenen Zeilen ein neues Leben verdankt. Die Geschichten von Doris Oettinger berühren. Genauso wie die Bilder und Skulpturen der ausstellenden heimischen Künstler Waltraud Binöder (Holzbildhauerin), Jürgen Dammit (Bildhauer), Klaus-Dieter Heine, der Bilder in Acryl präsentiert, sowie Axel Badstübner, dessen Pop-Art vielfach an Andy Warhol erinnert. Sie drücken mit ihren Arbeiten das aus, was die Autorin mit Zeilen beschreibt. Alles um das Thema Gefühl und Liebe. In Kohle, Acryl und mit dem Pinsel oder Rechner. Und dreidimensional als Skulptur. Der Erlös des Abends geht an das neue Mindener Tierheim in Päpinghausen.