"One Billion Rising“ in der Mindener Innenstadt

Kerstin Rickert

Bereits zum vierten Mal beteiligten sich in Minden Frauen und Mädchen an der Aktion. Foto: Kerstin Rickert - © Kerstin Rickert
Bereits zum vierten Mal beteiligten sich in Minden Frauen und Mädchen an der Aktion. Foto: Kerstin Rickert (© Kerstin Rickert)

Minden (kr). Sie werden nicht müde, sich zu erheben: Pünktlich am Valentinstag sind auch diesmal wieder Frauen und Mädchen tanzend auf die Straße gegangen, um gegen Gewalt an Frauen zu kämpfen, wachzurütteln, Stärke zu demonstrieren und für Solidarität zu werben. Zum vierten Mal beteiligten sich in Minden Frauen und Mädchen an der Aktion „One Billion Rising“ („Eine Milliarde erhebt sich“), die seit 2013 weltweit für Aufmerksamkeit sorgt.

Rund 60 bis 70 Frauen und Mädchen, vom Grundschul - bis ins Rentenalter, versammelten sich am Nachmittag an der Schlagde und zogen von dort mit einem Demonstrationszug durch die Innenstadt. Ihre Forderung: Respekt und ein Ende von Gewalt. Mit pinkfarbenen Accessoires als leuchtenden Symbolen der Solidarität, mit Trillerpfeifen und deutlichen Worten riefen sie die Menschen auf ihrem Weg dazu auf, sich ihnen anzuschließen. Immer wieder blieb die Karawane stehen und stellte sich tanzend gegen jegliche Form von Gewalt, körperliche sowie psychische.

Ein ehrenamtlicher Arbeitskreis unter der Federführung von Maja Kurth hatte sich vor rund vier Jahren in Minden zusammengefunden. Erstmals am 14. Februar 2015 tanzten Frauen und Mädchen auch in der Weserstadt öffentlich zur weltweiten Hymne der Solidaritätsaktion. Zum Song „Break the chain“ („Sprengt die Ketten“) hatte Choreographin Odile Gilbert diesmal einen Tanz mit einfachen Schrittfolgen zusammengestellt, der es jedem ermöglichen sollte, mitzumachen. Mit Handzetteln informierten die Frauen über die Hintergründe der Tanzdemonstration. Maja Kurth verlas Stellungnahmen der Teilnehmerinnen zu den Gründen, die sie dazu bewegt hatten, mitzumachen.

Von Unterstützung für die Frauen, die sich gegen Übergriffe wehren und davon, die Botschaft „keine Gewalt an Frauen“ in der Welt zu verbreiten, war die Rede. „Ich mache mit, weil meine Tochter ohne Angst vor Übergriffen leben soll. Ich mache mit, weil Begrapschen kein Kavaliersdelikt ist. Ich mache mit, weil Mädchen keine zweite Wahl sind. Ich mache mit, weil ein Trauschein kein Recht zum Zuschlagen beinhaltet. Ich mache mit, weil Frauen keine Blitzableiter für verletzten Männerstolz sind.“ Deutliche und bewegende Worte, die durch lautstarke Schlachtrufe der Menge unterstrichen wurden: „Wir fordern Respekt!“

Begleitet wurde die gut einstündige Aktion vom WDR, von der Polizei und von zahlreichen Menschen, die sich spontan anschlossen. Auf dem Weg durch die Bäckerstraße über Scharn und Marktplatz bis zum Kaak an der Obermarktstraße wuchs der Demonstrationszug auf rund einhundert Teilnehmende an, darunter auch einige Männer, die den Tänzerinnen Respekt zollten für ihre Aktion. „Hut ab, es gehört schon einiger Mut dazu, hier mitten in der Innenstadt zu tanzen“, so ein Zuschauer, der klatschend seine Verbundenheit gegenüber den Frauen zum Ausdruck brachte.

Frauen und Mütter aus verschiedenen Nationen, die zum Teil selbst Gewalt erfahren haben und sich eine gewaltfreie Welt für ihre Töchter wünschen. In der Jugendpflege und in Beratungsstellen tätige Frauen, Lehrerinnen und Politikerinnen, Seniorinnen und junge Mädchen, die für ihre Zukunft ohne Angst und Gewalt auf die Straße gehen. Die jüngste Teilnehmerin war gerade einmal sechs Jahre alt.

Ein Skandal sei es, dass Frauen immer noch in vielen Lebensbereichen mit Gewalt konfrontiert würden, betonte Anne Braszeit, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Minden, in ihrer Abschlussrede.

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"One Billion Rising“ in der Mindener InnenstadtKerstin RickertMinden (kr). Sie werden nicht müde, sich zu erheben: Pünktlich am Valentinstag sind auch diesmal wieder Frauen und Mädchen tanzend auf die Straße gegangen, um gegen Gewalt an Frauen zu kämpfen, wachzurütteln, Stärke zu demonstrieren und für Solidarität zu werben. Zum vierten Mal beteiligten sich in Minden Frauen und Mädchen an der Aktion „One Billion Rising“ („Eine Milliarde erhebt sich“), die seit 2013 weltweit für Aufmerksamkeit sorgt. Rund 60 bis 70 Frauen und Mädchen, vom Grundschul - bis ins Rentenalter, versammelten sich am Nachmittag an der Schlagde und zogen von dort mit einem Demonstrationszug durch die Innenstadt. Ihre Forderung: Respekt und ein Ende von Gewalt. Mit pinkfarbenen Accessoires als leuchtenden Symbolen der Solidarität, mit Trillerpfeifen und deutlichen Worten riefen sie die Menschen auf ihrem Weg dazu auf, sich ihnen anzuschließen. Immer wieder blieb die Karawane stehen und stellte sich tanzend gegen jegliche Form von Gewalt, körperliche sowie psychische. Ein ehrenamtlicher Arbeitskreis unter der Federführung von Maja Kurth hatte sich vor rund vier Jahren in Minden zusammengefunden. Erstmals am 14. Februar 2015 tanzten Frauen und Mädchen auch in der Weserstadt öffentlich zur weltweiten Hymne der Solidaritätsaktion. Zum Song „Break the chain“ („Sprengt die Ketten“) hatte Choreographin Odile Gilbert diesmal einen Tanz mit einfachen Schrittfolgen zusammengestellt, der es jedem ermöglichen sollte, mitzumachen. Mit Handzetteln informierten die Frauen über die Hintergründe der Tanzdemonstration. Maja Kurth verlas Stellungnahmen der Teilnehmerinnen zu den Gründen, die sie dazu bewegt hatten, mitzumachen. Von Unterstützung für die Frauen, die sich gegen Übergriffe wehren und davon, die Botschaft „keine Gewalt an Frauen“ in der Welt zu verbreiten, war die Rede. „Ich mache mit, weil meine Tochter ohne Angst vor Übergriffen leben soll. Ich mache mit, weil Begrapschen kein Kavaliersdelikt ist. Ich mache mit, weil Mädchen keine zweite Wahl sind. Ich mache mit, weil ein Trauschein kein Recht zum Zuschlagen beinhaltet. Ich mache mit, weil Frauen keine Blitzableiter für verletzten Männerstolz sind.“ Deutliche und bewegende Worte, die durch lautstarke Schlachtrufe der Menge unterstrichen wurden: „Wir fordern Respekt!“ Begleitet wurde die gut einstündige Aktion vom WDR, von der Polizei und von zahlreichen Menschen, die sich spontan anschlossen. Auf dem Weg durch die Bäckerstraße über Scharn und Marktplatz bis zum Kaak an der Obermarktstraße wuchs der Demonstrationszug auf rund einhundert Teilnehmende an, darunter auch einige Männer, die den Tänzerinnen Respekt zollten für ihre Aktion. „Hut ab, es gehört schon einiger Mut dazu, hier mitten in der Innenstadt zu tanzen“, so ein Zuschauer, der klatschend seine Verbundenheit gegenüber den Frauen zum Ausdruck brachte. Frauen und Mütter aus verschiedenen Nationen, die zum Teil selbst Gewalt erfahren haben und sich eine gewaltfreie Welt für ihre Töchter wünschen. In der Jugendpflege und in Beratungsstellen tätige Frauen, Lehrerinnen und Politikerinnen, Seniorinnen und junge Mädchen, die für ihre Zukunft ohne Angst und Gewalt auf die Straße gehen. Die jüngste Teilnehmerin war gerade einmal sechs Jahre alt. Ein Skandal sei es, dass Frauen immer noch in vielen Lebensbereichen mit Gewalt konfrontiert würden, betonte Anne Braszeit, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Minden, in ihrer Abschlussrede.