In der Ferne daheim: Schüler präsentieren ihre Mailart-Kunstwerke

Alfred Loschen

Jule Dallmeier und Nina Hoxoll präsentierten eine szenische Darstellung unter dem Titel „Ich habe nichts gegen Flüchtlinge, aber ...“ Foto: Alfred Loschen - © Alfred Loschen
Jule Dallmeier und Nina Hoxoll präsentierten eine szenische Darstellung unter dem Titel „Ich habe nichts gegen Flüchtlinge, aber ...“ Foto: Alfred Loschen (© Alfred Loschen)

Minden (alo).

Unter dem Titel „In der Ferne daheim“ wurden die Höhepunkte der Mail-Art-Projekte mit Geflüchteten im Kulturzentrum BÜZ von dem Mailart-Postmann Peter Küstermann präsentiert. In einer lebendigen Bühnenshow trugen Lehrkräfte und Schüler ihre Erfahrungen und Ergebnisse vor: Die Friedrich Wilhelm Murnau-Gesamtschule Bielefeld, die Ratsschule Melle, das Herder-Gymnasium Minden, das Fach-Werk Minden, die Gesamtschule Porta Westfalica und die Betreuungsgruppe Hafenschule Minden. Gefördert wurde die Mailart mit Geflüchteten durch den Fonds Soziokultur.

In der Postkunst haben die geflüchteten Jugendlichen und Erwachsenen ihre Erfahrungen, Ängste und Wünsche gemalt sowie in Gedichten und kleinen Texten vorgetragen. Die Mailart-AG des Herder-Gymnasiums hatte Postkünstler in der ganzen Welt zur Teilnahme eingeladen. Die eingegangenen Kleinkunstwerke im Kleinformat wurden in den Kunstpostbaum auf der Bühne gehängt von Jonny Luu und auf der Weltkarte den Herkunftsländern –- von Russland, über Japan, Mexiko und Australien bis Südafrika – zugeordnet.

Emircan Sunnetci von der Ratsschule Melle trug einen selbst geschriebenen Rap mit dem Titel „Wir sind alle nur Menschen“ vor, in dem es um seine Heimat Syrien ging. Der Refrain lautete: „Wenn dort eine Träne fällt, ist das bei uns ein starker Regen.“ Der Schüler forderte dazu auf, den Menschen überall zu helfen. Jule Dalmeier und Nina Huxoll von der Gesamtschule Porta Westfalica präsentierten eine Szene über Vorurteile und Aufklärung mit dem provozierenden Titel: „Ich habe nichts gegen Flüchtlinge, aber…“ Sie entlarvten Vorurteile, zum Beispiel dass Flüchtlinge mehr Geld als Hartz-IV-Empfänger bekommen, dass sie Arbeitsplätze wegnehmen, dass alle kriminell seien oder „wenn sie ein Smartphone haben, kann es ihnen doch nicht schlecht gehen“. Fazit: Alle Vorurteile taugen nicht zur Integration. Bei der Flucht geht es ums Überleben.

An dem Kunstpostamt auf der Bühne saßen Amal Khalil und Sidra Muhamad, sie verkauften offizielle Sonderbriefmarken der Deutschen Post mit Motiven der Geflüchteten. Kunstlehrerin Marion Börtz von der Friedrich Wilhelm Murnau-Gesamtschule Bielefeld erzählte, dass ihre Schule 6000 Mail-Art-Briefmarken gekauft habe, mit der die Schulpost (auch blaue Briefe) verschickt würden. Schulleiterin Heike Plöger und Kunstlehrerin Silke Schulte-Schulenberg vom Herder-Gymnasium präsentierten stolz den frisch unterzeichneten Kooperationsvertrag mit dem Kulturzentrum BÜZ, in dem beide Seiten ihre Zusammenarbeit im kulturellen Bereich weiterhin festlegen. Diese Kooperation soll die Schüler unter dem Motto „Vielfalt macht Stark“ zu einem eigenverantwortlichen und verantwortungsvollen Verhalten in der Gesellschaft anhalten und die eigenen Fähigkeiten und Talente fördern.

Murat Bediroglu, stellvertretender Geschäftsführer, hob die Bedeutung der Kunstworkshops für die Geflüchteten hervor, die im Fach-Werk Minden ausgebildet werden. Mohamad Gneem von der Betreuergruppe Hafenschule erläuterte, wie dieses Kunstprojekt Jugendlichen und Erwachsenen spielerisch das Lernen der deutschen Sprache erleichtert. Die Bühnenshow wurde am Piano begleitet von Phillip Zenker. Gelegenheit zum zwanglosen Austausch aller Schulen gab es am kalten Büfett mit syrischen Delikatessen.

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In der Ferne daheim: Schüler präsentieren ihre Mailart-KunstwerkeAlfred LoschenMinden (alo). Unter dem Titel „In der Ferne daheim“ wurden die Höhepunkte der Mail-Art-Projekte mit Geflüchteten im Kulturzentrum BÜZ von dem Mailart-Postmann Peter Küstermann präsentiert. In einer lebendigen Bühnenshow trugen Lehrkräfte und Schüler ihre Erfahrungen und Ergebnisse vor: Die Friedrich Wilhelm Murnau-Gesamtschule Bielefeld, die Ratsschule Melle, das Herder-Gymnasium Minden, das Fach-Werk Minden, die Gesamtschule Porta Westfalica und die Betreuungsgruppe Hafenschule Minden. Gefördert wurde die Mailart mit Geflüchteten durch den Fonds Soziokultur. In der Postkunst haben die geflüchteten Jugendlichen und Erwachsenen ihre Erfahrungen, Ängste und Wünsche gemalt sowie in Gedichten und kleinen Texten vorgetragen. Die Mailart-AG des Herder-Gymnasiums hatte Postkünstler in der ganzen Welt zur Teilnahme eingeladen. Die eingegangenen Kleinkunstwerke im Kleinformat wurden in den Kunstpostbaum auf der Bühne gehängt von Jonny Luu und auf der Weltkarte den Herkunftsländern –- von Russland, über Japan, Mexiko und Australien bis Südafrika – zugeordnet. Emircan Sunnetci von der Ratsschule Melle trug einen selbst geschriebenen Rap mit dem Titel „Wir sind alle nur Menschen“ vor, in dem es um seine Heimat Syrien ging. Der Refrain lautete: „Wenn dort eine Träne fällt, ist das bei uns ein starker Regen.“ Der Schüler forderte dazu auf, den Menschen überall zu helfen. Jule Dalmeier und Nina Huxoll von der Gesamtschule Porta Westfalica präsentierten eine Szene über Vorurteile und Aufklärung mit dem provozierenden Titel: „Ich habe nichts gegen Flüchtlinge, aber…“ Sie entlarvten Vorurteile, zum Beispiel dass Flüchtlinge mehr Geld als Hartz-IV-Empfänger bekommen, dass sie Arbeitsplätze wegnehmen, dass alle kriminell seien oder „wenn sie ein Smartphone haben, kann es ihnen doch nicht schlecht gehen“. Fazit: Alle Vorurteile taugen nicht zur Integration. Bei der Flucht geht es ums Überleben. An dem Kunstpostamt auf der Bühne saßen Amal Khalil und Sidra Muhamad, sie verkauften offizielle Sonderbriefmarken der Deutschen Post mit Motiven der Geflüchteten. Kunstlehrerin Marion Börtz von der Friedrich Wilhelm Murnau-Gesamtschule Bielefeld erzählte, dass ihre Schule 6000 Mail-Art-Briefmarken gekauft habe, mit der die Schulpost (auch blaue Briefe) verschickt würden. Schulleiterin Heike Plöger und Kunstlehrerin Silke Schulte-Schulenberg vom Herder-Gymnasium präsentierten stolz den frisch unterzeichneten Kooperationsvertrag mit dem Kulturzentrum BÜZ, in dem beide Seiten ihre Zusammenarbeit im kulturellen Bereich weiterhin festlegen. Diese Kooperation soll die Schüler unter dem Motto „Vielfalt macht Stark“ zu einem eigenverantwortlichen und verantwortungsvollen Verhalten in der Gesellschaft anhalten und die eigenen Fähigkeiten und Talente fördern. Murat Bediroglu, stellvertretender Geschäftsführer, hob die Bedeutung der Kunstworkshops für die Geflüchteten hervor, die im Fach-Werk Minden ausgebildet werden. Mohamad Gneem von der Betreuergruppe Hafenschule erläuterte, wie dieses Kunstprojekt Jugendlichen und Erwachsenen spielerisch das Lernen der deutschen Sprache erleichtert. Die Bühnenshow wurde am Piano begleitet von Phillip Zenker. Gelegenheit zum zwanglosen Austausch aller Schulen gab es am kalten Büfett mit syrischen Delikatessen.