"Protest gegen die türkische Intervention in Syrien" - Ditib-Sitz 
in Minden 
beschmiert

Stefan Koch

Minden (mt). Unbekannte Täter haben in der Nacht zu Montag einen Anschlag auf die Ditip-Moschee der Türkisch-Islamischen Gemeinde Minden an der Kaiserstraße verübt. Dabei gingen mehrere Scheiben durch Steinwürfe zu Bruch. Die Fassade wurde mit Farbbeuteln verunreinigt. Der Staatsschutz in Bielefeld sieht einen Zusammenhang mit der kurdischen Untergrundorganisation PKK und ermittelt in diese Richtung.

Die Räume des Türkischen Vereins an der Kaiserstraße sind beschmiert worden. Auch Fensterscheiben gingen zu Bruch. MT- - © Foto: Stefan Koch
Die Räume des Türkischen Vereins an der Kaiserstraße sind beschmiert worden. Auch Fensterscheiben gingen zu Bruch. MT- (© Foto: Stefan Koch)

Bereits am Samstag hatte die aktuelle Offensive türkischer Streitkräfte gegen kurdische Truppen in Syrien auch in Minden einen Niederschlag gefunden. Unter dem Motto „Protest gegen die türkische Intervention in Syrien" fand eine Kundgebung zwischen 14 bis 16 Uhr in der Innenstadt statt. 60 bis 80 Teilnehmer waren angemeldet. Nach Auskunft der Mindener Polizei waren dann rund 100 Personen vom Bahnhof aus zu einem Demonstrationszug in die Innenstadt gestartet.

Dabei war es im Bereich Klausenwall/Vinckestraße zu einem Zwischenfall gekommen, weil einige Demonstranten Rauchbomben und Böller zündeten.

Auch danach bot die Kundgebung Anlass zum Einschreiten der Polizei, weil verbotene Symbole der PKK und Bilder des Parteiführers Öcalan gezeigt wurden, der in der Türkei wegen Bildung einer terroristischen Vereinigung in Haft sitzt. Wie Ralf Steinmeyer von der Pressestelle der Kreispolizeibehörde erklärt, seien Fahnen sowie Böller beschlagnahmt und der Staatsschutz eingeschaltet worden. Gegen einzelne Personen sei ein Strafverfahren eingeleitet worden. Nach Abschluss der Kundgebung, die ein 55-Jähriger aus Bad Oeynhausen mit syrischer Herkunft angemeldet habe, hätten sich die Teilnehmer in Kleingruppen entfernt.

In der Nacht zu Montag klirrten dann die Fensterscheiben am Jugendtreff des Moscheevereins. Nach bisherigen Ermittlungen der Polizei hatten gestern gegen 2.40 Uhr vier Maskierte von der Kaiserstraße aus die Front des Gebäudes mit Farbbeuteln und Steinen beworfen und für Sachschaden gesorgt. Auch die Fassade des Gebetsraumes im ersten Stock wurde von der Prinzenstraße aus mit Farbbeuteln attackiert. Nach dem Anschlag sollen die Täter in unbekannte Richtung geflüchtet sein. Die Fahndung läuft.

War der Angriff ein Werk von PKK-Sympathisanten? Nicht nur mit Farbbeuteln, sondern auch mit dem Aufruf „Seri Hilde"– ein Appell an die kurdische Jugend zum Kampf für ein unabhängiges Kurdistan – ist das Gebäude der Türkisch-Islamischen Gemeinde beschmiert. Des Weiteren nehmen die Parolen Bezug auf die syrische Provinz Afrin, in der das türkische Militär einmarschiert ist. Wenngleich der Staatsschutz sich gestern dazu nicht äußern wollte, bestätigte eine Pressesprecherin, dass ein Zusammenhang der Attacke mit der PKK bestehe.

„Wir haben keine Angst – aber das ist das Haus Allahs und deshalb sind wir empört", sagt ein Vertreter des Mindener Moscheevereins. Die Gemeinde zählt mehr als 300 Mitglieder, besteht seit 1986 und zog zehn Jahre später an die Kaiserstraße.

Seit 50 Jahren lebten Türken friedlich in Minden, erklärt ein Vereinsmitglied. „Dies ist der erste Angriff auf uns." Und ein anderer fügt hinzu: „Wir verurteilen diesen Angriff aufs Schärfste, und wir wollen mit allen Menschen in Frieden leben." Die in Minden lebenden Türken vertrauten darauf, dass sie von der Polizei und den Behörden geschützt würden.

Gestern Vormittag hatten Mitglieder des Vereins die zerstörten Scheiben des Jugendtreffs provisorisch repariert und die Scherben beseitigt. Der Sachschaden wird auf einen fünfstelligen Betrag geschätzt. Nach Auskunft des Vereins läuft der Betrieb des Gebäudes wie gewohnt weiter, die Moschee bleibe für alle Muslime geöffnet. Die Polizei wird zudem das Gebäude verstärkt bewachen.

Auch die Fahndung nach den Täter läuft. Hinweise auf sie nimmt der Staatsschutz Bielefeld, Telefon (05 21) 5 45-0, entgegen

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"Protest gegen die türkische Intervention in Syrien" - Ditib-Sitz 
in Minden 
beschmiertStefan KochMinden (mt). Unbekannte Täter haben in der Nacht zu Montag einen Anschlag auf die Ditip-Moschee der Türkisch-Islamischen Gemeinde Minden an der Kaiserstraße verübt. Dabei gingen mehrere Scheiben durch Steinwürfe zu Bruch. Die Fassade wurde mit Farbbeuteln verunreinigt. Der Staatsschutz in Bielefeld sieht einen Zusammenhang mit der kurdischen Untergrundorganisation PKK und ermittelt in diese Richtung. Bereits am Samstag hatte die aktuelle Offensive türkischer Streitkräfte gegen kurdische Truppen in Syrien auch in Minden einen Niederschlag gefunden. Unter dem Motto „Protest gegen die türkische Intervention in Syrien" fand eine Kundgebung zwischen 14 bis 16 Uhr in der Innenstadt statt. 60 bis 80 Teilnehmer waren angemeldet. Nach Auskunft der Mindener Polizei waren dann rund 100 Personen vom Bahnhof aus zu einem Demonstrationszug in die Innenstadt gestartet. Dabei war es im Bereich Klausenwall/Vinckestraße zu einem Zwischenfall gekommen, weil einige Demonstranten Rauchbomben und Böller zündeten. Auch danach bot die Kundgebung Anlass zum Einschreiten der Polizei, weil verbotene Symbole der PKK und Bilder des Parteiführers Öcalan gezeigt wurden, der in der Türkei wegen Bildung einer terroristischen Vereinigung in Haft sitzt. Wie Ralf Steinmeyer von der Pressestelle der Kreispolizeibehörde erklärt, seien Fahnen sowie Böller beschlagnahmt und der Staatsschutz eingeschaltet worden. Gegen einzelne Personen sei ein Strafverfahren eingeleitet worden. Nach Abschluss der Kundgebung, die ein 55-Jähriger aus Bad Oeynhausen mit syrischer Herkunft angemeldet habe, hätten sich die Teilnehmer in Kleingruppen entfernt. In der Nacht zu Montag klirrten dann die Fensterscheiben am Jugendtreff des Moscheevereins. Nach bisherigen Ermittlungen der Polizei hatten gestern gegen 2.40 Uhr vier Maskierte von der Kaiserstraße aus die Front des Gebäudes mit Farbbeuteln und Steinen beworfen und für Sachschaden gesorgt. Auch die Fassade des Gebetsraumes im ersten Stock wurde von der Prinzenstraße aus mit Farbbeuteln attackiert. Nach dem Anschlag sollen die Täter in unbekannte Richtung geflüchtet sein. Die Fahndung läuft. War der Angriff ein Werk von PKK-Sympathisanten? Nicht nur mit Farbbeuteln, sondern auch mit dem Aufruf „Seri Hilde"– ein Appell an die kurdische Jugend zum Kampf für ein unabhängiges Kurdistan – ist das Gebäude der Türkisch-Islamischen Gemeinde beschmiert. Des Weiteren nehmen die Parolen Bezug auf die syrische Provinz Afrin, in der das türkische Militär einmarschiert ist. Wenngleich der Staatsschutz sich gestern dazu nicht äußern wollte, bestätigte eine Pressesprecherin, dass ein Zusammenhang der Attacke mit der PKK bestehe. „Wir haben keine Angst – aber das ist das Haus Allahs und deshalb sind wir empört", sagt ein Vertreter des Mindener Moscheevereins. Die Gemeinde zählt mehr als 300 Mitglieder, besteht seit 1986 und zog zehn Jahre später an die Kaiserstraße. Seit 50 Jahren lebten Türken friedlich in Minden, erklärt ein Vereinsmitglied. „Dies ist der erste Angriff auf uns." Und ein anderer fügt hinzu: „Wir verurteilen diesen Angriff aufs Schärfste, und wir wollen mit allen Menschen in Frieden leben." Die in Minden lebenden Türken vertrauten darauf, dass sie von der Polizei und den Behörden geschützt würden. Gestern Vormittag hatten Mitglieder des Vereins die zerstörten Scheiben des Jugendtreffs provisorisch repariert und die Scherben beseitigt. Der Sachschaden wird auf einen fünfstelligen Betrag geschätzt. Nach Auskunft des Vereins läuft der Betrieb des Gebäudes wie gewohnt weiter, die Moschee bleibe für alle Muslime geöffnet. Die Polizei wird zudem das Gebäude verstärkt bewachen. Auch die Fahndung nach den Täter läuft. Hinweise auf sie nimmt der Staatsschutz Bielefeld, Telefon (05 21) 5 45-0, entgegen