Aus der Psychiatrie entlassen: Betroffene Fachklinik äußert sich nicht Nadine Conti Minden (nec). Auch am Tag nach dem überraschenden Geständnis beschäftigt der Fall des Amokfahrers weiter die Gemüter. Zur Erinnerung: Zunächst hatte dies nach einem Fall von Fahrerflucht ausgesehen. Einem Fußgängerunfall, wie sie in der dunklen Jahreszeit leider oft vorkommen. Eine Fußgängerin wird auf einer kaum befahrenen Straße von einem Auto erfasst, in die Luft geschleudert und bleibt schwer verletzt liegen, während der Fahrer einfach weiter rast. Sie hatte Glück, dass ein Jogger und ein paar vorbeikommende Fahrradfahrer sich sofort um sie kümmerten. Schon am Freitag hatte die Polizei den Fahrer ausfindig gemacht und festgenommen. Dann gab er bei seiner Vernehmung an, er habe die Frau mit Absicht überfahren. Auch die Unfallspuren, die von den Ermittlern gesichert wurden, weisen daraufhin. In der Pressemitteilung von Polizei und Staatsanwaltschaft heißt es sogar, der Mann sei vorher ziellos durch die Gegend gefahren und habe nach einem Opfer Ausschau gehalten. Es ist diese Willkür, die vielen Lesern, deren Reaktionen das Mindener Tageblatt erreichen, Angst macht. Und die Tatsache, dass der Mann zwar in psychiatrischer Behandlung war, die Gefahr, die von ihm ausging, aber offenbar nicht erkannt wurde. Dies erinnert an einen Fall aus Petershagen, wo 2009 ein 53-Jähriger in seinem Haus den Schornsteinfeger mit einem Beil erschlug – ohne erkennbaren oder nachvollziehbaren Anlass. Auch dieser Mann war zuvor in psychiatrischer Behandlung gewesen. Die betroffene Fachklinik kann dazu keine Stellung nehmen: Der Patientenschutz hat Vorrang. Auch zu den fachlichen Voraussetzungen – und möglichen Schwierigkeiten – einer Gefährdungsabschätzung wollte man dort lieber nichts sagen. Eine Institution, die selbst betroffen ist, kann nicht als unabhängiger Experte aussagen, heißt es. Kriminalstatistiker betonen allerdings immer wieder, dass solche Fälle, in denen vollkommen Unbeteiligte zu Schaden kommen, äußerst selten sind. Die weitaus meisten Gewaltverbrechen und Tötungsdelikte spielen sich im sozialen Nahraum ab, Täter und Opfer kennen sich in der Regel. Für die schwer verletzte Frau, die immer noch im Klinikum auf der Intensivstation liegt, dürfte das allerdings kein Trost sein. Lesen Sie herzu auch: MT-Interview mit dem Psychologen Alexander Waschkau über Verschwörungstheorien und Mind

Aus der Psychiatrie entlassen: Betroffene Fachklinik äußert sich nicht

Offenbar hat der 57-jährige Fahrer die 53-jährige Fußgängerin mit Absicht umgefahren. © Alexander Hoffmann

Minden (nec). Auch am Tag nach dem überraschenden Geständnis beschäftigt der Fall des Amokfahrers weiter die Gemüter.

Zur Erinnerung: Zunächst hatte dies nach einem Fall von Fahrerflucht ausgesehen. Einem Fußgängerunfall, wie sie in der dunklen Jahreszeit leider oft vorkommen. Eine Fußgängerin wird auf einer kaum befahrenen Straße von einem Auto erfasst, in die Luft geschleudert und bleibt schwer verletzt liegen, während der Fahrer einfach weiter rast. Sie hatte Glück, dass ein Jogger und ein paar vorbeikommende Fahrradfahrer sich sofort um sie kümmerten.

Schon am Freitag hatte die Polizei den Fahrer ausfindig gemacht und festgenommen. Dann gab er bei seiner Vernehmung an, er habe die Frau mit Absicht überfahren. Auch die Unfallspuren, die von den Ermittlern gesichert wurden, weisen daraufhin. In der Pressemitteilung von Polizei und Staatsanwaltschaft heißt es sogar, der Mann sei vorher ziellos durch die Gegend gefahren und habe nach einem Opfer Ausschau gehalten.

Es ist diese Willkür, die vielen Lesern, deren Reaktionen das Mindener Tageblatt erreichen, Angst macht. Und die Tatsache, dass der Mann zwar in psychiatrischer Behandlung war, die Gefahr, die von ihm ausging, aber offenbar nicht erkannt wurde.

Dies erinnert an einen Fall aus Petershagen, wo 2009 ein 53-Jähriger in seinem Haus den Schornsteinfeger mit einem Beil erschlug – ohne erkennbaren oder nachvollziehbaren Anlass. Auch dieser Mann war zuvor in psychiatrischer Behandlung gewesen.

Die betroffene Fachklinik kann dazu keine Stellung nehmen: Der Patientenschutz hat Vorrang. Auch zu den fachlichen Voraussetzungen – und möglichen Schwierigkeiten – einer Gefährdungsabschätzung wollte man dort lieber nichts sagen. Eine Institution, die selbst betroffen ist, kann nicht als unabhängiger Experte aussagen, heißt es.

Kriminalstatistiker betonen allerdings immer wieder, dass solche Fälle, in denen vollkommen Unbeteiligte zu Schaden kommen, äußerst selten sind. Die weitaus meisten Gewaltverbrechen und Tötungsdelikte spielen sich im sozialen Nahraum ab, Täter und Opfer kennen sich in der Regel. Für die schwer verletzte Frau, die immer noch im Klinikum auf der Intensivstation liegt, dürfte das allerdings kein Trost sein.

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MT-Interview mit dem Psychologen Alexander Waschkau über Verschwörungstheorien und Das Auto als Waffe - 57-Jähriger hält sich für Opfer von „Mind Control" von Nadine Conti

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