Marina Lohstroh (36) hat sich die „Mooh“ auf den Knöchel tätowieren lassen. „Ich fand das Motiv sofort toll“, sagt sie.
Marina Lohstroh (36) hat sich die „Mooh“ auf den Knöchel tätowieren lassen. „Ich fand das Motiv sofort toll“, sagt sie.

Eine Stadt ist auf die Kuh gekommen:  In Minden boomt die „Mooh“

Nadine Schwan

Konkurrenz? Seit einiger Zeit taucht vermehrt ein bunter Pinguin auf. - © Foto: Marvin Bergner
Konkurrenz? Seit einiger Zeit taucht vermehrt ein bunter Pinguin auf. (© Foto: Marvin Bergner)

Minden (mt). Kaum ein Buswarte-Häuschen ist vor ihr sicher. Mit ihrem dicken Bauch und ihren schwarzen Flecken macht sich die Kuh in Minden breit. Mal hat sie einen lockeren Spruch auf den Lippen „Dick ist Schick", mal rote zornige Augen und mal kommt sie sogar mit ihrer ganzen Familie daher - vor allem aber werden es immer mehr. Der Rinderwahn in Minden ist ausgebrochen.

154 Graffiti-Tiere gibt es mittlerweile. Das ist jedenfalls die Zahl auf die Kuh-Fan Catheriné Pierré kommt. Und nicht nur in Minden ist die Schwarzbunte zuhause, auch in Bielefeld, Paderborn, Hamburg, Köln und sogar Paris hat sie ihre Spuren hinterlassen. Pierré ist es auch, die dem Graffti-Tier den Namen „Mooh" verpasst hat. Seit mehr als zwei Jahren betreut sie die Facebook-Fanseite „Minden Moohketing". „Mein damaliger Freund und ich haben uns immer Kuhfotos hin und her geschickt. Als dann die Festplatte von meinem Laptop kaputtgegangen ist, habe ich beschlossen, eine Facebook-Gruppe aufzumachen, sozusagen als Sammelplatz für die Kühe", sagt die 28-Jährige. Mittlerweile folgen Catheriné Pierrés Seite fast 3000 Menschen.

Moohs in Minden
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Lesen Sie auch:MT-Interview mit Sprayer „John" - „The kuhl Kid": „Es ist mir schon häufig unangenehm"Interaktive Karte zur MoohPro: Kommentar: Graffiti mit BotschaftContra: Kommentar: Keine Liebe für KüheEin "kuhlossales" Garagentor über NachtGraffiti oder: Viele Kühe machen Mühe

Entdeckt sie oder einer der Fans eine neue Kuh, postet Pierré das Bild und den Standort der Kuh auf der Seite. Jede „Mooh" hat außerdem einen Namen, den sich die Mindenerin passend zum Motiv ausdenkt.

Wer der Sprayer ist, wissen viele der Fans aber nicht - auch Pierré hat noch nie mit ihm gesprochen. Kaum etwas ist über den Sprayer bekannt, außer, dass es sich um einen jungen Mann aus Minden handeln muss, der sich „John", manchmal aber auch „The Kuhl Kid" nennt.

Mitte des Jahres gab „John" Radio Westfalica ein Interview, nachdem er das Wahlplakat von Michel Jäcke mit dem Kuh-Kopf übermalte. Vor dreieinhalb Jahren schrieb er dem MT per anonymer E-Mail und erklärte, was es mit den Tieren auf sich hat. „Warum Kühe und nicht zum Beispiel Hasen?", fragte Kollegin Nina Könemann damals. John antwortete: „Sie geben uns Fleisch, Milch und mähen den Rasen. Außerdem mag ich ihr geschecktes Fellmuster. Wie uns Menschen, gibt es sie in Weiß, Braun, Schwarz oder gemischt. Rassenkonflikte tauchen aber nie auf, so sollte es doch sein."

Wohl kaum jemand kennt die Mooh besser als Catheriné Pierré. Sie betreibt seit mehr als zwei Jahren die Facebook-Fanseite „Minden Moohketing“. MT-Fotos: Nadine Schwan (2)
Wohl kaum jemand kennt die Mooh besser als Catheriné Pierré. Sie betreibt seit mehr als zwei Jahren die Facebook-Fanseite „Minden Moohketing“. MT-Fotos: Nadine Schwan (2)

Und dann existieren im Internet noch zwei Videos, die der Sprayer scheinbar selbst gefilmt hat. Zu sehen ist darin, wie er mitten in der Nacht in der Stadt Kühe an die Fassaden sprüht und auch, wie er sie in seinen Urlaubsorten hinterlässt.

Catheriné Pierré bewundert den Unbekannten. In ihren Augen hinterlässt er mit dem Tier nicht nur einen Farbklecks in der Stadt, sondern auch eine Botschaft. Viele der Motive beschäftigen sich mit dem Thema Rassismus, zum Beispiel die Kühe unter dem Pumpwerk mit dem Spruch „Hass ist Ballast". Pierré ist sich sicher, dass „John" ein Guter ist. „Klar, die Kühe sind streng genommen Sachbeschädigung, aber eine sinnvolle Sachbeschädigung", findet sie.

Die Polizei ermittelt derzeit nicht gegen den Sprayer. Erst, wenn jemand eine Anzeige aufgibt und beklagt, dass seine Wand nun von einer Kuh verziert wird, werden die Beamten aktiv. „Es handelt sich bei den Graffiti um ein sogenanntes Antragsdelikt", sagt Polizei-Pressesprecher Ralf Steinmeyer. Wird ein Sprayer allerdings auf frischer Tat ertappt, nehmen die Polizisten die Personalien auf, stellen seine Dosen sicher und machen je nach Fall auch Fotos und nehmen Fingerabdrücke.

Im Strafgesetzbuch fallen die bunten Bilder unter Paragraf 303 „Sachbeschädigung". „Wer rechtswidrig eine fremde Sache beschädigt oder zerstört, wird mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft", heißt es darin. Dazu kommt es jedoch eher selten, sagt Steinmeyer. Meistens löst ein Anwalt das Problem für die Graffiti-Sprayer. Teuer wird es allerdings, wenn es darum geht, die Bilder wieder zu entfernen. Auf einer Betonwand - einem Bushäuschen beispielsweise - kostete es 400 bis 500 Euro die Kuh zu eliminieren. „Das kommt aber immer auf die Größe und den Untergrund an. Auf Klinkersteinen lassen sich Graffiti besonders schwer entfernen", sagt Malermeister Horst Schuhmacher.

Ein Kuh-Bild, dass wohl ein Leben lang erhalten bleiben wird, ist auf der Haut von Marina Lohstroh zu sehen. Die 36-Jährige hat sich das wohl erste „Mooh"-Tattoo stechen lassen. Seit Oktober trägt die Mindenerin die Kuh, den Hasen und den Spruch „Bleib dir treu" über ihrem rechten Knöchel spazieren. Im Original ist das Graffiti an einem Stromhäuschen an der Stiftsallee zu sehen.

So wie Marina Lohstroh haben sich schon einige andere Mindener als Kuh-Fans geoutet. Burkhard Hedtmann zum Beispiel. Im März 2014 tauchte über Nacht eine Kuh an seinem Garagentor auf. Zuvor hatte der Künstler sich das öffentlich im MT gewünscht. Auch Bürgermeister Michael Jäcke ist nicht abgeneigt von der „Mooh". Auf seiner Facebook-Seite postete er im September das Wahlplakat, das „John" mit einem Kuh-Kopf übermalt hatte. „Hallo „John", das umgestaltete Plakat am Bahnhof gefällt mir so gut, dass ich es gerne auch über den Wahlkampf hinaus erhalten würde", schrieb Jäcke. Geplant ist, das Plakat für einen guten Zweck zu versteigern.

Die Stadt Minden sieht das mit der wachsenden Kuhpopulation etwas kritischer. „So nett sie auch sein mögen, es ist und bleibt Sachbeschädigung", schreibt Pressesprecherin Susann Lewerenz. Grundsätzlich sei man aber nicht gegen Graffiti - jedenfalls nicht, wenn sie geplant oder in Verbindung mit Projekten für Jugendliche entstehen. Ein weitaus größeres Problem stellen andere Graffiti oder Schmierereien dar - zum Beispiel am ZOB, so Lewerenz.

So kostet es die Städtischen Betriebe allein 15 000 bis 20 000 Euro im Jahr, die Graffiti zu entfernen. Noch einmal rund 40 000 bis 50 000 Euro werden aus einem anderen Topf der Stadt fällig, um Vandalismusschäden zu beseitigen. Auch hier fallen die bunten Bilder drunter. Eine eigene Statistik für die Graffitibeseitigung gäbe es hier nicht.

Auf Mindens Wänden gibt es neuerdings aber noch ein anderes Graffiti-Tier, das der „Mooh" vielleicht künftig Konkurrenz machen könnte. Ein Pinguin wurde schon mehrfach da gesichtet, wo sich sonst die Kuh aufhält - auf Stromkästen und Buswarte-Häuschen.

Wo welche „Mooh" in Minden gesprüht ist, gibt es auf einer interaktiven Karte auf MT.de zu sehen. Fehlt eine Kuh? Dann schreiben Sie uns eine E-Mail mit einem Foto der Kuh und dem genauen Standort an online@mt.de. Die Karte wird dann aktualisiert.

The Kuhl Kid - Don't want to paint your garage! from Chabianer on Vimeo.

The Kuhl Kid - Everyday Holiday Vol.1 from Baboianer on Vimeo.



154 Mooh-Graffiti gibt es bereits in Minden und Umgebung. Am Freitag zeigen wir euch auf MT.de , wo die Kuh überall...

Posted by Mindener Tageblatt on Dienstag, 1. Dezember 2015

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Eine Stadt ist auf die Kuh gekommen:  In Minden boomt die „Mooh“Nadine SchwanMinden (mt). Kaum ein Buswarte-Häuschen ist vor ihr sicher. Mit ihrem dicken Bauch und ihren schwarzen Flecken macht sich die Kuh in Minden breit. Mal hat sie einen lockeren Spruch auf den Lippen „Dick ist Schick", mal rote zornige Augen und mal kommt sie sogar mit ihrer ganzen Familie daher - vor allem aber werden es immer mehr. Der Rinderwahn in Minden ist ausgebrochen. 154 Graffiti-Tiere gibt es mittlerweile. Das ist jedenfalls die Zahl auf die Kuh-Fan Catheriné Pierré kommt. Und nicht nur in Minden ist die Schwarzbunte zuhause, auch in Bielefeld, Paderborn, Hamburg, Köln und sogar Paris hat sie ihre Spuren hinterlassen. Pierré ist es auch, die dem Graffti-Tier den Namen „Mooh" verpasst hat. Seit mehr als zwei Jahren betreut sie die Facebook-Fanseite „Minden Moohketing". „Mein damaliger Freund und ich haben uns immer Kuhfotos hin und her geschickt. Als dann die Festplatte von meinem Laptop kaputtgegangen ist, habe ich beschlossen, eine Facebook-Gruppe aufzumachen, sozusagen als Sammelplatz für die Kühe", sagt die 28-Jährige. Mittlerweile folgen Catheriné Pierrés Seite fast 3000 Menschen. Entdeckt sie oder einer der Fans eine neue Kuh, postet Pierré das Bild und den Standort der Kuh auf der Seite. Jede „Mooh" hat außerdem einen Namen, den sich die Mindenerin passend zum Motiv ausdenkt. Wer der Sprayer ist, wissen viele der Fans aber nicht - auch Pierré hat noch nie mit ihm gesprochen. Kaum etwas ist über den Sprayer bekannt, außer, dass es sich um einen jungen Mann aus Minden handeln muss, der sich „John", manchmal aber auch „The Kuhl Kid" nennt. Mitte des Jahres gab „John" Radio Westfalica ein Interview, nachdem er das Wahlplakat von Michel Jäcke mit dem Kuh-Kopf übermalte. Vor dreieinhalb Jahren schrieb er dem MT per anonymer E-Mail und erklärte, was es mit den Tieren auf sich hat. „Warum Kühe und nicht zum Beispiel Hasen?", fragte Kollegin Nina Könemann damals. John antwortete: „Sie geben uns Fleisch, Milch und mähen den Rasen. Außerdem mag ich ihr geschecktes Fellmuster. Wie uns Menschen, gibt es sie in Weiß, Braun, Schwarz oder gemischt. Rassenkonflikte tauchen aber nie auf, so sollte es doch sein." Und dann existieren im Internet noch zwei Videos, die der Sprayer scheinbar selbst gefilmt hat. Zu sehen ist darin, wie er mitten in der Nacht in der Stadt Kühe an die Fassaden sprüht und auch, wie er sie in seinen Urlaubsorten hinterlässt. Catheriné Pierré bewundert den Unbekannten. In ihren Augen hinterlässt er mit dem Tier nicht nur einen Farbklecks in der Stadt, sondern auch eine Botschaft. Viele der Motive beschäftigen sich mit dem Thema Rassismus, zum Beispiel die Kühe unter dem Pumpwerk mit dem Spruch „Hass ist Ballast". Pierré ist sich sicher, dass „John" ein Guter ist. „Klar, die Kühe sind streng genommen Sachbeschädigung, aber eine sinnvolle Sachbeschädigung", findet sie. Die Polizei ermittelt derzeit nicht gegen den Sprayer. Erst, wenn jemand eine Anzeige aufgibt und beklagt, dass seine Wand nun von einer Kuh verziert wird, werden die Beamten aktiv. „Es handelt sich bei den Graffiti um ein sogenanntes Antragsdelikt", sagt Polizei-Pressesprecher Ralf Steinmeyer. Wird ein Sprayer allerdings auf frischer Tat ertappt, nehmen die Polizisten die Personalien auf, stellen seine Dosen sicher und machen je nach Fall auch Fotos und nehmen Fingerabdrücke. Im Strafgesetzbuch fallen die bunten Bilder unter Paragraf 303 „Sachbeschädigung". „Wer rechtswidrig eine fremde Sache beschädigt oder zerstört, wird mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft", heißt es darin. Dazu kommt es jedoch eher selten, sagt Steinmeyer. Meistens löst ein Anwalt das Problem für die Graffiti-Sprayer. Teuer wird es allerdings, wenn es darum geht, die Bilder wieder zu entfernen. Auf einer Betonwand - einem Bushäuschen beispielsweise - kostete es 400 bis 500 Euro die Kuh zu eliminieren. „Das kommt aber immer auf die Größe und den Untergrund an. Auf Klinkersteinen lassen sich Graffiti besonders schwer entfernen", sagt Malermeister Horst Schuhmacher. Ein Kuh-Bild, dass wohl ein Leben lang erhalten bleiben wird, ist auf der Haut von Marina Lohstroh zu sehen. Die 36-Jährige hat sich das wohl erste „Mooh"-Tattoo stechen lassen. Seit Oktober trägt die Mindenerin die Kuh, den Hasen und den Spruch „Bleib dir treu" über ihrem rechten Knöchel spazieren. Im Original ist das Graffiti an einem Stromhäuschen an der Stiftsallee zu sehen. So wie Marina Lohstroh haben sich schon einige andere Mindener als Kuh-Fans geoutet. Burkhard Hedtmann zum Beispiel. Im März 2014 tauchte über Nacht eine Kuh an seinem Garagentor auf. Zuvor hatte der Künstler sich das öffentlich im MT gewünscht. Auch Bürgermeister Michael Jäcke ist nicht abgeneigt von der „Mooh". Auf seiner Facebook-Seite postete er im September das Wahlplakat, das „John" mit einem Kuh-Kopf übermalt hatte. „Hallo „John", das umgestaltete Plakat am Bahnhof gefällt mir so gut, dass ich es gerne auch über den Wahlkampf hinaus erhalten würde", schrieb Jäcke. Geplant ist, das Plakat für einen guten Zweck zu versteigern. Die Stadt Minden sieht das mit der wachsenden Kuhpopulation etwas kritischer. „So nett sie auch sein mögen, es ist und bleibt Sachbeschädigung", schreibt Pressesprecherin Susann Lewerenz. Grundsätzlich sei man aber nicht gegen Graffiti - jedenfalls nicht, wenn sie geplant oder in Verbindung mit Projekten für Jugendliche entstehen. Ein weitaus größeres Problem stellen andere Graffiti oder Schmierereien dar - zum Beispiel am ZOB, so Lewerenz. So kostet es die Städtischen Betriebe allein 15 000 bis 20 000 Euro im Jahr, die Graffiti zu entfernen. Noch einmal rund 40 000 bis 50 000 Euro werden aus einem anderen Topf der Stadt fällig, um Vandalismusschäden zu beseitigen. Auch hier fallen die bunten Bilder drunter. Eine eigene Statistik für die Graffitibeseitigung gäbe es hier nicht. Auf Mindens Wänden gibt es neuerdings aber noch ein anderes Graffiti-Tier, das der „Mooh" vielleicht künftig Konkurrenz machen könnte. Ein Pinguin wurde schon mehrfach da gesichtet, wo sich sonst die Kuh aufhält - auf Stromkästen und Buswarte-Häuschen. Wo welche „Mooh" in Minden gesprüht ist, gibt es auf einer interaktiven Karte auf MT.de zu sehen. Fehlt eine Kuh? Dann schreiben Sie uns eine E-Mail mit einem Foto der Kuh und dem genauen Standort an online@mt.de. Die Karte wird dann aktualisiert. The Kuhl Kid - Don't want to paint your garage! from Chabianer on Vimeo. The Kuhl Kid - Everyday Holiday Vol.1 from Baboianer on Vimeo. 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