Wahlverwandschaften oder: Rübezahl 2015

Dr. Frank-Carsten Erdmann

Von Leser-Reporter Xenia Erdmann

In dem Märchen "Rübezahl" ist eine kleine Prinzessin sehr unglücklich, weil sie keine Spielgefährten hat. Rübezahl zerfließt vor Mitleid und verzaubert Rüben und anderes Gemüse in Menschen, mit denen die Kleine, wieder vergnügt, spielen kann. Aber am Ende des Jahres verwelken alle Spielgefährten und die Misere der Prinzessin beginnt von neuem.

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Trotz Internet gibt es natürlich auch heute viele Menschen, deren Familien- und Freundeskreis geschrumpft ist - wegen Todesfällen, Umzügen oder warum auch immer.

Vor einem ähnlichen Problem standen mein Mann und ich, als wir nach Minden zogen. Es schien uns, als wir Rentner wurden, aus finanziellen Gründen ratsam zu sein, in unser Eigentum in der Mindener Altstadt zu ziehen. Denn in Berlin, wo wir lange gelebt und gearbeitet hatten, begannen die Mieten drastisch zu steigen. Nur mein Mann kannte Minden, da er hier seine Schulzeit verbracht hatte.

Noch bevor wir Zeit hatten, in den Wald zu fahren, um nach Rübezahl zu rufen, stellten wir fest:
»Wir brauchen keinen Rübezahl,
wir haben eine bessre Wahl.»

Denn kaum waren wir aus dem Umzugsauto gestiegen, wurde die Mindener Gruppe der »Wahlverwandtschaften e.V.» gegründet. Das ist jetzt vier Monate her, aber wir staunen immer noch, wie viele interessante und interessierte, intelligente, vorurteilsfreie, offene, kreative Menschen sich hier zusammengefunden haben, sich immer wieder treffen - zu verschiedensten Aktivitäten. Auch Freundschaften haben sich schon angebahnt. Besonders kreativ und aktiv ist die Organisatorin Gaby Hartmann.
Gestaunt haben wir verwöhnten Großstädter auch, dass es so viele interessante und anregende Kulturveranstaltungen in Minden gibt: Schriftsteller-Tagungen und -Lesungen, Kabarett-Tage, sogar das Mindener Gewächs »Mindener Stichlinge», Poetry-Slams, sehr aktive politische Gruppen, eine sehr rührige Stadtbibliothek und Volkshochschule und und...Von der VHS-Theateraufführung »Tschik» und dem Münsteraner Clown Christoph Gilsbach, der bei einer Benefiz-Veranstaltung des Mindener Hospizes auftrat (auch ein eigenes Hospiz gibt es hier!) waren wir restlos begeistert - genauso wie von den Wahlverwandtschaften, der malerischen Altstadt - wo man alles autofrei erreicht - und vom Grüngürtel.

In der Altstadt finden auch die kostenfreien Monatstreffen der »Wahlverwandschaften»
(www.wahlverwandschaften.org) statt, im Bildungswerk für Friedensarbeit, jeden 3. Sonntag um 14 Uhr. Die Gruppe besteht inzwischen aus etwa 60 Leuten, zwischen 3 und 76 Jahren. Zu den Monatstreffen kommen durchschnittlich um die 20 Leute.

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Wahlverwandschaften oder: Rübezahl 2015Dr. Frank-Carsten ErdmannVon Leser-Reporter Xenia ErdmannIn dem Märchen "Rübezahl" ist eine kleine Prinzessin sehr unglücklich, weil sie keine Spielgefährten hat. Rübezahl zerfließt vor Mitleid und verzaubert Rüben und anderes Gemüse in Menschen, mit denen die Kleine, wieder vergnügt, spielen kann. Aber am Ende des Jahres verwelken alle Spielgefährten und die Misere der Prinzessin beginnt von neuem.Trotz Internet gibt es natürlich auch heute viele Menschen, deren Familien- und Freundeskreis geschrumpft ist - wegen Todesfällen, Umzügen oder warum auch immer.Vor einem ähnlichen Problem standen mein Mann und ich, als wir nach Minden zogen. Es schien uns, als wir Rentner wurden, aus finanziellen Gründen ratsam zu sein, in unser Eigentum in der Mindener Altstadt zu ziehen. Denn in Berlin, wo wir lange gelebt und gearbeitet hatten, begannen die Mieten drastisch zu steigen. Nur mein Mann kannte Minden, da er hier seine Schulzeit verbracht hatte.Noch bevor wir Zeit hatten, in den Wald zu fahren, um nach Rübezahl zu rufen, stellten wir fest:»Wir brauchen keinen Rübezahl,wir haben eine bessre Wahl.»Denn kaum waren wir aus dem Umzugsauto gestiegen, wurde die Mindener Gruppe der »Wahlverwandtschaften e.V.» gegründet. Das ist jetzt vier Monate her, aber wir staunen immer noch, wie viele interessante und interessierte, intelligente, vorurteilsfreie, offene, kreative Menschen sich hier zusammengefunden haben, sich immer wieder treffen - zu verschiedensten Aktivitäten. Auch Freundschaften haben sich schon angebahnt. Besonders kreativ und aktiv ist die Organisatorin Gaby Hartmann.Gestaunt haben wir verwöhnten Großstädter auch, dass es so viele interessante und anregende Kulturveranstaltungen in Minden gibt: Schriftsteller-Tagungen und -Lesungen, Kabarett-Tage, sogar das Mindener Gewächs »Mindener Stichlinge», Poetry-Slams, sehr aktive politische Gruppen, eine sehr rührige Stadtbibliothek und Volkshochschule und und...Von der VHS-Theateraufführung »Tschik» und dem Münsteraner Clown Christoph Gilsbach, der bei einer Benefiz-Veranstaltung des Mindener Hospizes auftrat (auch ein eigenes Hospiz gibt es hier!) waren wir restlos begeistert - genauso wie von den Wahlverwandtschaften, der malerischen Altstadt - wo man alles autofrei erreicht - und vom Grüngürtel.In der Altstadt finden auch die kostenfreien Monatstreffen der »Wahlverwandschaften»(www.wahlverwandschaften.org) statt, im Bildungswerk für Friedensarbeit, jeden 3. Sonntag um 14 Uhr. Die Gruppe besteht inzwischen aus etwa 60 Leuten, zwischen 3 und 76 Jahren. Zu den Monatstreffen kommen durchschnittlich um die 20 Leute.