#200in365: Verrückt nach Brettspielen Benjamin Piel Minden (mt). Wer keine Ahnung vom Spielen hat, könnte denken, das sei eine Sache für Kinder: von Uno bis Kniffel. Fabian Steinki hat Ahnung vom Spielen und seit ein paar Jahren ist er so intensiv dabei, dass er ins Schwärmen gerät, wenn er über seine liebsten Brettspiele erzählt. Nein, missionieren möchte er niemanden, er empfindet sich nicht als Hohepriester der Spielkirche. Aber Menschen zu zeigen, dass Spielen mehr Spaß macht als sie vielleicht denken, daran hat er durchaus Spaß. Vor allem mit einem Klischee möchte er brechen: dass Spielen etwas Banales ist. Denn die Lieblingsspiele des 36-Jährigen sind Strategiespiele, bei denen viel nachdenken muss, wer gewinnen will. Steinkis Lieblingsspiel heißt „Great Western Trail“. Die Spieler schlüpfen in die Rolle von Viehzüchtern zur Zeit des Wilden Westens und müssen ihre Rinderherden übers Spielfeld zum Verkauf nach Kansas City treiben. In „Pandemic Legacy“, einem anderen Favoriten des Lehrers, müssen die Spieler vier weltumspannende Seuchen bekämpfen. Dabei bekommen die Teilnehmer Rollen zugewiesen: Arzt, Wissenschaftler, Forscher, Logistiker und Betriebsexperte. Gemeinsam sollen sie die Welt retten. Steinki schätzt an dem Spiel besonders, dass es dynamisch ist, dass sich die Spielsituation dauernd wandeln kann. Überhaupt: Das Thema muss ihn irgendwie packen und es darf nach seinem Geschmack nicht den Königsweg geben, eine Strategie, die am Ende immer aufgeht. Viel mehr schätzt Steinki Spiele, die auch mal einen Fehler verzeihen. Schach mag er nicht gerne, denn: Ein Fehler und schon kann alles vorbei sein. Das ist nichts für jemanden, der sich als Lustspieler bezeichnet. Ob Lustspieler oder nicht: Was macht einen guten Spieler aus? Es gebe schon Leute, die in verschiedenen Spielen sehr gut seien, weil sie schnell gute Strategien und Lösungswege entwickeln können, lautet die Antwort. Allerdings – und das sei wichtig – gehöre auch immer ein bisschen Glück dazu. Zum Brettspiel-Nerd ist der Mindener geworden, als er nach seiner Zeit als aktiver Handballer nach einer Alternative für die Freizeitgestaltung suchte. Durch einen Freund und Kollegen geriet er an das Spieletreff im Kulturzentrum BÜZ: „Der Kontakt zu den Menschen hat mir gleich gut gefallen.“ Denn es sind nicht nur die Spiele als solche, die er mag, sondern das Setting insgesamt: Leute sitzen gemeinsam am Tisch, konzentrieren sich auf eine gemeinsame Sache: „Spiele bringen Menschen zusammen.“ In Steinkis Kindheit war Spielen nicht sehr präsent. Seitdem hat die Vielfalt auf dem Spielemarkt allerdings auch extrem zugenommen. Vor allem viele Strategiespiele und Wirtschaftssimulationen sind dazu gekommen. Das möchte er auch seinen Schülern näherbringen, hat eine Brettspiel-AG an der Realschule Hausberge gegründet. Freitags in der siebten und achten Stunde versucht er Jugendliche für Brettspiele zu begeistern. Mit Erfolg, sagt er, neun Leute kommen regelmäßig. Kindern und Jugendlichen Brettspiele zu zeigen, das ist für Steinki kein Selbstzweck, sondern habe viele positive Nebeneffekte: „Wer spielt, akzeptiert Strukturen und Regeln, muss abwarten können, sich zurücknehmen, den anderen agieren lassen, selbst seinen Weg finden, sozial interagieren.“

#200in365: Verrückt nach Brettspielen

Minden (mt). Wer keine Ahnung vom Spielen hat, könnte denken, das sei eine Sache für Kinder: von Uno bis Kniffel. Fabian Steinki hat Ahnung vom Spielen und seit ein paar Jahren ist er so intensiv dabei, dass er ins Schwärmen gerät, wenn er über seine liebsten Brettspiele erzählt. Nein, missionieren möchte er niemanden, er empfindet sich nicht als Hohepriester der Spielkirche. Aber Menschen zu zeigen, dass Spielen mehr Spaß macht als sie vielleicht denken, daran hat er durchaus Spaß. Vor allem mit einem Klischee möchte er brechen: dass Spielen etwas Banales ist. Denn die Lieblingsspiele des 36-Jährigen sind Strategiespiele, bei denen viel nachdenken muss, wer gewinnen will.

Steinkis Lieblingsspiel heißt „Great Western Trail“. Die Spieler schlüpfen in die Rolle von Viehzüchtern zur Zeit des Wilden Westens und müssen ihre Rinderherden übers Spielfeld zum Verkauf nach Kansas City treiben. In „Pandemic Legacy“, einem anderen Favoriten des Lehrers, müssen die Spieler vier weltumspannende Seuchen bekämpfen. Dabei bekommen die Teilnehmer Rollen zugewiesen: Arzt, Wissenschaftler, Forscher, Logistiker und Betriebsexperte. Gemeinsam sollen sie die Welt retten. Steinki schätzt an dem Spiel besonders, dass es dynamisch ist, dass sich die Spielsituation dauernd wandeln kann.

Überhaupt: Das Thema muss ihn irgendwie packen und es darf nach seinem Geschmack nicht den Königsweg geben, eine Strategie, die am Ende immer aufgeht. Viel mehr schätzt Steinki Spiele, die auch mal einen Fehler verzeihen. Schach mag er nicht gerne, denn: Ein Fehler und schon kann alles vorbei sein. Das ist nichts für jemanden, der sich als Lustspieler bezeichnet. Ob Lustspieler oder nicht: Was macht einen guten Spieler aus? Es gebe schon Leute, die in verschiedenen Spielen sehr gut seien, weil sie schnell gute Strategien und Lösungswege entwickeln können, lautet die Antwort. Allerdings – und das sei wichtig – gehöre auch immer ein bisschen Glück dazu.

Zum Brettspiel-Nerd ist der Mindener geworden, als er nach seiner Zeit als aktiver Handballer nach einer Alternative für die Freizeitgestaltung suchte. Durch einen Freund und Kollegen geriet er an das Spieletreff im Kulturzentrum BÜZ: „Der Kontakt zu den Menschen hat mir gleich gut gefallen.“ Denn es sind nicht nur die Spiele als solche, die er mag, sondern das Setting insgesamt: Leute sitzen gemeinsam am Tisch, konzentrieren sich auf eine gemeinsame Sache: „Spiele bringen Menschen zusammen.“

In Steinkis Kindheit war Spielen nicht sehr präsent. Seitdem hat die Vielfalt auf dem Spielemarkt allerdings auch extrem zugenommen. Vor allem viele Strategiespiele und Wirtschaftssimulationen sind dazu gekommen. Das möchte er auch seinen Schülern näherbringen, hat eine Brettspiel-AG an der Realschule Hausberge gegründet. Freitags in der siebten und achten Stunde versucht er Jugendliche für Brettspiele zu begeistern. Mit Erfolg, sagt er, neun Leute kommen regelmäßig. Kindern und Jugendlichen Brettspiele zu zeigen, das ist für Steinki kein Selbstzweck, sondern habe viele positive Nebeneffekte: „Wer spielt, akzeptiert Strukturen und Regeln, muss abwarten können, sich zurücknehmen, den anderen agieren lassen, selbst seinen Weg finden, sozial interagieren.“

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