1339 Kilometer, um Danke zu sagen Junji Miyoshi aus Japan durchwandert Europa Jan Henning Rogge Minden (mt). Junji Miyoshi hat es nicht eilig. Seit dem 15. Juni ist er 1339 Kilometer gelaufen, von Genf bis nach Minden. Warum er das macht? Weil er den Menschen in Europa für ihre Hilfsbereitschaft nach dem Tsunami vor der japanischen Küste 2011 danken will.Siegfried Raudszus, Inhaber des Hotels „FairSchlafen“ an der Hermannstraße staunte nicht schlecht, als am Dienstag ein neuer Gast die Lobby betrat. Angetan mit festen Schuhen, Reisstrohhut und einem Rucksack, an dem eine japanische und eine deutsche Fahne steckt. Hinten am Rucksack hängt ein englischsprachiges Schild, das den Nachfolgenden Verkehr über die Herkunft und Strecke des Wanderers informiert – ein freundliches „Hello“ fehlt auch nicht. „Das sah absolut stark aus“, Siegfried Raudszus stellt den Kontakt zum MT her – und Junji Miyoshi erzählte seine Geschichte.„Wandern ist schon lange mein Hobby“, sagt er auf Englisch. Früher war er Geschichts- und Geografielehrer an einer Mittelschule. Nach seiner Pensionierung ging er seine erste große Wanderung an: „2008 bin ich vom südlichsten Punkt Japans zum nördlichsten gewandert.“ In 137 Tagen legte er 3111 Kilometer an der Westküste zurück. 2009 führte ihn der Weg in 148 Tagen an der Ostküste entlang zurück.Als 2011 ein Tsunami Teile der japanischen Ostküste zerstörte, meldete sich Junji Miyoshi als Freiwilliger bei der gemeinnützigen Organisation Tono Mgokoro, um vor Ort zu helfen.Aus seinem kleinen blauen Rucksack holt er eine Karte und Fotos. Sie zeigen Orte kurz vor und kurz nach dem Tsunami und wie sie heute aussehen. Es sind bedrückende Bilder. Und dann erzählt er, wie beeindruckt er von der Hilfsbereitschaft der Europäer gewesen sei, die so viel gespendet haben.Ich möchte den Menschen in allen Ländern gerne Danke sagen“, sagt er. Mit im Gepäck hat er außerdem eine Fahne der Hilfsorganisation, auf der er die Unterschriften seiner Reisebekanntschaften sammelt. In einem kleinen Notizbuch hat er akribisch seine Strecken mit Entfernungen aufgeschrieben – und die Namen derer, die er unterwegs kennengelernt hat.Seine Europa-Reise startete der 71-Jährige letztes Jahr am westlichsten Punkt Europas, Cabo de Roca an der portugiesischen Atlantikküste. Von dort aus wanderte er 2454 Kilometer bis Genf und flog dann zurück nach Japan. Am 15. Juni kehrte er zurück, um die Etappe Genf – Oslo in Angriff zu nehmen. 1339 Kilometer hat er seitdem geschafft, am 66. Tag seiner Reise kam er nach Minden. „Ich gehe jeden Tag zwischen 20 und 25 Kilometer, mehr wäre mir zu viel.“ Unterwegs schläft er in Hotels und Pensionen.Von Deutschland ist er positiv überrascht. „Ich dachte, das sei ein sehr hartes Land. Aber ich bin hier jetzt rund 1000 Kilometer gelaufen und finde: Deutschland ist sehr schön und die Menschen sind sehr nett zu mir.“ Auch mit dem Essen hat er keine Probleme: „Ich liebe Frankfurter Würstchen!“ Bislang hat ihm die Gegend am Rhein am besten gefallen. Für Minden hat er einen zweitägigen Aufenthalt vorgesehen und findet freundliche Worte für die Stadt: „Die Altstadt hat mir sehr gut gefallen und besonders die Marienkirche.“Ob er es in diesem Jahr noch bis nach Oslo schafft, weiß er nicht. Mindestens bis Kolding in Dänemark will er noch – hier führt die Brücke über den Kleinen Belt. Sicher ist aber: Am 11. September geht sein Flug von Amsterdam nach Japan. Sollte er bis dahin noch nicht nach Oslo geschafft haben, kommt er sicherlich nächstes Jahr wieder. Schließlich hat er sich auch noch nicht bei allen bedankt.

1339 Kilometer, um Danke zu sagen

© MT-Foto: Jan Henning Rogge

Minden (mt). Junji Miyoshi hat es nicht eilig. Seit dem 15. Juni ist er 1339 Kilometer gelaufen, von Genf bis nach Minden. Warum er das macht? Weil er den Menschen in Europa für ihre Hilfsbereitschaft nach dem Tsunami vor der japanischen Küste 2011 danken will.

Siegfried Raudszus, Inhaber des Hotels „FairSchlafen“ an der Hermannstraße staunte nicht schlecht, als am Dienstag ein neuer Gast die Lobby betrat. Angetan mit festen Schuhen, Reisstrohhut und einem Rucksack, an dem eine japanische und eine deutsche Fahne steckt. Hinten am Rucksack hängt ein englischsprachiges Schild, das den Nachfolgenden Verkehr über die Herkunft und Strecke des Wanderers informiert – ein freundliches „Hello“ fehlt auch nicht. „Das sah absolut stark aus“, Siegfried Raudszus stellt den Kontakt zum MT her – und Junji Miyoshi erzählte seine Geschichte.

„Wandern ist schon lange mein Hobby“, sagt er auf Englisch. Früher war er Geschichts- und Geografielehrer an einer Mittelschule. Nach seiner Pensionierung ging er seine erste große Wanderung an: „2008 bin ich vom südlichsten Punkt Japans zum nördlichsten gewandert.“ In 137 Tagen legte er 3111 Kilometer an der Westküste zurück. 2009 führte ihn der Weg in 148 Tagen an der Ostküste entlang zurück.Als 2011 ein Tsunami Teile der japanischen Ostküste zerstörte, meldete sich Junji Miyoshi als Freiwilliger bei der gemeinnützigen Organisation Tono Mgokoro, um vor Ort zu helfen.

Aus seinem kleinen blauen Rucksack holt er eine Karte und Fotos. Sie zeigen Orte kurz vor und kurz nach dem Tsunami und wie sie heute aussehen. Es sind bedrückende Bilder. Und dann erzählt er, wie beeindruckt er von der Hilfsbereitschaft der Europäer gewesen sei, die so viel gespendet haben.

Ich möchte den Menschen in allen Ländern gerne Danke sagen“, sagt er. Mit im Gepäck hat er außerdem eine Fahne der Hilfsorganisation, auf der er die Unterschriften seiner Reisebekanntschaften sammelt. In einem kleinen Notizbuch hat er akribisch seine Strecken mit Entfernungen aufgeschrieben – und die Namen derer, die er unterwegs kennengelernt hat.

Seine Europa-Reise startete der 71-Jährige letztes Jahr am westlichsten Punkt Europas, Cabo de Roca an der portugiesischen Atlantikküste. Von dort aus wanderte er 2454 Kilometer bis Genf und flog dann zurück nach Japan. Am 15. Juni kehrte er zurück, um die Etappe Genf – Oslo in Angriff zu nehmen. 1339 Kilometer hat er seitdem geschafft, am 66. Tag seiner Reise kam er nach Minden. „Ich gehe jeden Tag zwischen 20 und 25 Kilometer, mehr wäre mir zu viel.“ Unterwegs schläft er in Hotels und Pensionen.

Von Deutschland ist er positiv überrascht. „Ich dachte, das sei ein sehr hartes Land. Aber ich bin hier jetzt rund 1000 Kilometer gelaufen und finde: Deutschland ist sehr schön und die Menschen sind sehr nett zu mir.“ Auch mit dem Essen hat er keine Probleme: „Ich liebe Frankfurter Würstchen!“ Bislang hat ihm die Gegend am Rhein am besten gefallen. Für Minden hat er einen zweitägigen Aufenthalt vorgesehen und findet freundliche Worte für die Stadt: „Die Altstadt hat mir sehr gut gefallen und besonders die Marienkirche.“

Ob er es in diesem Jahr noch bis nach Oslo schafft, weiß er nicht. Mindestens bis Kolding in Dänemark will er noch – hier führt die Brücke über den Kleinen Belt. Sicher ist aber: Am 11. September geht sein Flug von Amsterdam nach Japan. Sollte er bis dahin noch nicht nach Oslo geschafft haben, kommt er sicherlich nächstes Jahr wieder. Schließlich hat er sich auch noch nicht bei allen bedankt.

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