11. September 2001: Der Tag, der die Welt erschütterte - so erlebten Mindener die Anschläge aus nächster Nähe Jürgen Langenkämper Minden. Die Terroranschläge des 11. September 2001 haben die Welt erschüttert. Das Einstürzen der Zwillingstürme des World Trade Centers war auch in Minden zu spüren. Menschen rund um den Globus verfolgten die tragischen Momente in New York fassungslos vor den Fernsehbildschirmen. Einige Mindener waren zu jener Zeit und in den folgenden Tagen noch viel näher am Geschehen. Schon damals berichteten Harald-M. Lehnardt, Christian Baar, Chris Boer, Boris Roessler und Cord Heine von ihren Erlebnissen in Nordamerika. 20 Jahre später halten sie Rückschau. „Ich konnte von meinem Küchenfenster aus auf das World Trade Center schauen", erzählt Harald-M. Lehnardt wehmütig. Der damals 39-Jährige lebte bereits seit zehn Jahren in der Stadt, die niemals schläft. Magisch angezogen fühlte er sich von den damals höchsten Gebäuden der Welt. Am Abend nahm er oft seine Roller-Blades und fuhr damit zu den Türmen, um auf der Plaza zu skaten. Nach seinem Studium wollte er mit Freunden eine Abschlussfete in luftiger Höhe feiern. „Aber nach 22 Minuten war Schluss", erinnert er sich. Dann kam der Sicherheitsdienst. Am 11. September 2001, einem Dienstag, erfuhr er von dem Anschlag, der zunächst wie ein Unglück, ein Navigationsfehler, erschien, beim Frühstück. „Dann bin ich ins Büro gegangen." Der Mindener arbeitete damals als Art Director bei Macy’s. „Eine Stunde später sahen wir vom Dach unseres Kaufhauses aus, wie der zweite Turm einstürzte." Danach gingen die meisten Mitarbeiter nach Haus, weil klar war, dass die U-Bahn und die Brücken geschlossen würden. Lehnardt griff sich seine Roller-Blades und eine Kamera und fuhr Richtung Downtown Manhattan. Er wollte mit eigenen Augen aus der Nähe sehen, was geschehen war. „Es war wie in einer Parallelwelt. Ich konnte das nicht glauben, ich war von dem Ereignis high", umschreibt er den Schock, unter dem er stand. Doch an den Schauplatz kam der Deutsche nicht richtig heran. Aber über dem gesamten Bereich lag „ein beißender Geruch", so Lehnardt. „Es roch überall nach Metall", so sein Eindruck. Als er sich am Samstag darauf als Freiwilliger helfen wollte, wurde der Diplom-Designer abgewiesen. „Es wurden nur Schweißer gesucht." Tage später sah er US-Präsident George W. Bush, in einer Limousine vorüberfahren. Auch für Christian Baars, der im Sommer 2001 für ein dreieinhalbmonatiges Praktikum bei der UN in New York war und dabei seinen Vater besuchte, endete der erste Vorstoß Richtung Downtown am Freitagabend der Woche an einer Absperrung am Union Square, dreieinhalb Kilometer von Ground Zero entfernt. „Am Dienstagmorgen hörte ich im Fahrstuhl von einem Unfall", erinnert sich der damals 21-Jährige, der nach dem Abitur am Ratsgymnasium und Zivildienst im Elsa-Brandström-Heim Politikwissenschaft und Französisch studierte. „In den Büros hingen alle vor den Fernsehern." Um 10.30 Uhr wurde evakuiert, denn das UN-Gebäude galt mit einem Mal als mögliches Anschlagsziel. Christian Baars rief zwei Freunde an, die zu Besuch waren und noch geschlafen hatten. Gemeinsam gingen sie zum ARD-Studio in New York, wo sein Vater, Gerald Baars, Korrespondent war. „Es war alles sehr bizarr. Alle Leute strömten Richtung Norden, und wir gingen gegen den Menschenstrom in die entgegengesetzte Richtung." Im ARD-Studio boten die Freunde ihre Hilfe an, denn sie hatten schon während des Studiums freie Mitarbeit für den NDR in Hamburg gemacht. „Wir haben Video-Material gesichtet und auch anderes Material und Nachrichten", sagt Baars. „Es hat mir total geholfen, mich in Arbeit zu stürzen, um was Sinnvolles zu tun." Eine Woche lang dauerte diese Phase, bis zusätzliche Verstärkung eingeflogen wurde. Erst bei dem kleinen Ausflug am vierten Tag sei ihm das Ereignis richtig bewusst geworden. „Es lag ein unglaublicher Rauchgestank über der ganzen Gegend", sagt Christian Baars. „Ein extrem intensiver Geruch." Über Wochen wehte eine Rauchfahne über Manhattan. Und vor einer Feuerwache sah er die Helme verstorbener Feuerwehrleute. „Das war extrem aufwühlend." Zu den ersten Deutschen, die nach den Anschlägen nach New York flogen, gehörte dpa-Fotograf Boris Roessler aus Petershagen, gemeinsam mit der später in Afghanistan getöteten Anja Niedringhaus aus Höxter. „Gemeinsam haben wir versucht, an das World Trade Center heranzukommen", erinnert sich der gebürtige Mindener. Doch das Gebiet war von der überall gegenwärtigen Polizei abgeriegelt. „Ständig fuhren irgendwo Sirenen vorbei." Auch ein „Special Permit" half an den Sperren nicht weiter. So beobachtete Boris Roessler die Menschen drumherum, die von Hilfseinsätzen zurückkamen, Feuerwehrleute, Polizisten. „Ich bin in eine ganz kleine Kirche gekommen, wo sich Polizisten ausruhen konnten", erinnert er sich. „Die waren völlig fertig, fingen an zu weinen." Nicht nur die Fotos, auch seine Eindrücke, Zitate aus Gesprächen gab er an die schreibenden Kollegen der Deutschen Presse Agentur weiter. Und dann konnte er doch zum Trümmerberg der eingestürzten Zwillingstürme vordringen und war selbst fast erschlagen. „Die ungeheure Dimension von dem Ding ...". Zustande kam ein epochales Bild. „Ich war ungefähr zehn Tage lang dort", sagt Boris Roessler. Für einen Agenturfotografen, der rund um die Welt hinter großen Ereignissen hinterherjagt, eine unfassbar lange Zeit. „Es war ein ongoing event." Jeden Tag entdeckte er neue Facetten des Grauens und zugleich tiefster Menschlichkeit. Er war auf der Beerdigung von Polizisten – „sehr bedrückend", sagt er trotz toller Aufnahmen und verrät dadurch, dass ihn diese Momente nicht losgelassen haben – bis heute. „An die eigene Gefährdung habe ich nicht gedacht", sagt der Fotograf dabei und weiß, dass zumindest ein Kollege, der beim Einsturz des World Trade Centers in der Nähe war und bis zuletzt ausgeharrt hat, heute noch unter einer Lungenschädigung leidet. „Der 11. September hat meine Arbeit bis heute geprägt", sagt Boris Roessler. Er war in Afghanistan, was eine direkte Folge der Al Qaida-Anschläge war. Die Flüchtlingswelle 2015 war in seinen Augen eine Spätfolge, und in dieser Woche hatte er einen Fototermin mit dem US-Außenminister auf der Airbase in Ramstein, wo er auch Kinder aus Afghanistan traf. „Ich erinnere mich an viele einzelne Momente" – aber Albträume? „Albträume hatte ich nicht." Etwa drei Wochen vor dem Anschlag hatte Chris Boer auf dem World Trade Center gestanden. „Bei einem Orientierungstreffen von Austauschschülern in New York", sagt der damals 17-Jährige. Wie andere Mitschüler des Gymnasiums Petershagen wollte er ein paar Monate in Amerika zur Schule gehen. In Oswego am Ontariosee im Norden des US-Bundesstaats New York war er zwar mehr als 400 Kilometer weit weg. „Aber in der Nähe liegt ein Atomkraftwerk." Übers Mobiltelefon konnte er seine Familie in Petershagen informieren, dass er in Sicherheit war. „Das Festnetz funktionierte nicht." Die Schule schickte die Schüler nach einer Ansprache des Rektors nach Haus. Sicherheitsmaßnahmen wurden verstärkt. Aufmerksam beobachtete er, was hinterher vor sich ging. „Die Amerikaner reagieren sehr emotional", sagt er auch nach 20 Jahren noch. „Die Wucht hat mich verwundert." Auch wenn der Kontakt inzwischen abgerissen ist, hat Chris Boer, der heute im Auftrag der Evangelischen Kirche von Westfalen Referent für Pilgerwege und für Nachhaltigkeit ist, seine Gastfamilie zwei Jahre später noch einmal besucht. „Ich bin ausgerechnet am 11. September 2003 zurückgeflogen", sagt er. Der Flug ging direkt über Ground Zero – „ein riesiges Loch, das war noch mal sehr bewegend". Heute jedoch sei das tragische Ereignis aus seiner Jugend für ihn in den Hintergrund getreten. Das ist für Cord Heine anders – der 11. September wurde zu einem Wendepunkt in seinem Leben. Der MT-Sportredakteur machte damals Urlaub in Kanada. Durch die Anschläge verzögerte sich der Rückflug. „Ich wäre gern in die USA ausgewandert", erzählt er von seinen Jugendträumen. Aufgrund der Einschränkungen in den USA im Gefolge der Terroranschläge wurde dies nahezu aussichtslos. So ging er schließlich mit seiner Frau Annette Hepermann nach Kanada und hat seit 2013 auch die kanadische Staatsbürgerschaft. Christian Baars, der sich seine ersten journalistischen Sporen bei einem Praktikum beim Mindener Tageblatt verdient hatte, ließ der Journalismus nicht mehr los. Beim NDR betreibt er investigative Recherche. „Der 11. September war dagegen ein Erweckungserlebnis für Verschwörungstheoretiker", hat er erkannt. Harald-M. Lehnardt kehrte New York 2005 den Rücken und ging nach Hawaii. Seite 2017 lebt er wieder in Minden. Die Twin Towers faszinieren ihn unverändert. Gerade erst hat er aus alten Fotos und Filmen aus jenen Tagen eine kleine private Dokumentation erstellt.

11. September 2001: Der Tag, der die Welt erschütterte - so erlebten Mindener die Anschläge aus nächster Nähe

Mahnmal: Boris Roessler fotografierte das Gerippe des eingestürzten World Trade Centers in gespenstischem Licht. © x

Minden. Die Terroranschläge des 11. September 2001 haben die Welt erschüttert. Das Einstürzen der Zwillingstürme des World Trade Centers war auch in Minden zu spüren. Menschen rund um den Globus verfolgten die tragischen Momente in New York fassungslos vor den Fernsehbildschirmen. Einige Mindener waren zu jener Zeit und in den folgenden Tagen noch viel näher am Geschehen. Schon damals berichteten Harald-M. Lehnardt, Christian Baar, Chris Boer, Boris Roessler und Cord Heine von ihren Erlebnissen in Nordamerika. 20 Jahre später halten sie Rückschau.

„Ich konnte von meinem Küchenfenster aus auf das World Trade Center schauen", erzählt Harald-M. Lehnardt wehmütig. Der damals 39-Jährige lebte bereits seit zehn Jahren in der Stadt, die niemals schläft. Magisch angezogen fühlte er sich von den damals höchsten Gebäuden der Welt. Am Abend nahm er oft seine Roller-Blades und fuhr damit zu den Türmen, um auf der Plaza zu skaten. Nach seinem Studium wollte er mit Freunden eine Abschlussfete in luftiger Höhe feiern. „Aber nach 22 Minuten war Schluss", erinnert er sich. Dann kam der Sicherheitsdienst.

Magischer Anziehungspunkt: Harald-M. Lehnardt verbindet viele Erinnerungen mit dem World Trade Center. Foto: privat - © privat
Magischer Anziehungspunkt: Harald-M. Lehnardt verbindet viele Erinnerungen mit dem World Trade Center. Foto: privat - © privat

Am 11. September 2001, einem Dienstag, erfuhr er von dem Anschlag, der zunächst wie ein Unglück, ein Navigationsfehler, erschien, beim Frühstück. „Dann bin ich ins Büro gegangen." Der Mindener arbeitete damals als Art Director bei Macy’s. „Eine Stunde später sahen wir vom Dach unseres Kaufhauses aus, wie der zweite Turm einstürzte." Danach gingen die meisten Mitarbeiter nach Haus, weil klar war, dass die U-Bahn und die Brücken geschlossen würden. Lehnardt griff sich seine Roller-Blades und eine Kamera und fuhr Richtung Downtown Manhattan. Er wollte mit eigenen Augen aus der Nähe sehen, was geschehen war. „Es war wie in einer Parallelwelt. Ich konnte das nicht glauben, ich war von dem Ereignis high", umschreibt er den Schock, unter dem er stand.


Doch an den Schauplatz kam der Deutsche nicht richtig heran. Aber über dem gesamten Bereich lag „ein beißender Geruch", so Lehnardt. „Es roch überall nach Metall", so sein Eindruck.

Als er sich am Samstag darauf als Freiwilliger helfen wollte, wurde der Diplom-Designer abgewiesen. „Es wurden nur Schweißer gesucht." Tage später sah er US-Präsident George W. Bush, in einer Limousine vorüberfahren.

Auch für Christian Baars, der im Sommer 2001 für ein dreieinhalbmonatiges Praktikum bei der UN in New York war und dabei seinen Vater besuchte, endete der erste Vorstoß Richtung Downtown am Freitagabend der Woche an einer Absperrung am Union Square, dreieinhalb Kilometer von Ground Zero entfernt. „Am Dienstagmorgen hörte ich im Fahrstuhl von einem Unfall", erinnert sich der damals 21-Jährige, der nach dem Abitur am Ratsgymnasium und Zivildienst im Elsa-Brandström-Heim Politikwissenschaft und Französisch studierte. „In den Büros hingen alle vor den Fernsehern." Um 10.30 Uhr wurde evakuiert, denn das UN-Gebäude galt mit einem Mal als mögliches Anschlagsziel.

Christian Baars rief zwei Freunde an, die zu Besuch waren und noch geschlafen hatten. Gemeinsam gingen sie zum ARD-Studio in New York, wo sein Vater, Gerald Baars, Korrespondent war. „Es war alles sehr bizarr. Alle Leute strömten Richtung Norden, und wir gingen gegen den Menschenstrom in die entgegengesetzte Richtung." Im ARD-Studio boten die Freunde ihre Hilfe an, denn sie hatten schon während des Studiums freie Mitarbeit für den NDR in Hamburg gemacht. „Wir haben Video-Material gesichtet und auch anderes Material und Nachrichten", sagt Baars. „Es hat mir total geholfen, mich in Arbeit zu stürzen, um was Sinnvolles zu tun." Eine Woche lang dauerte diese Phase, bis zusätzliche Verstärkung eingeflogen wurde.

Erst bei dem kleinen Ausflug am vierten Tag sei ihm das Ereignis richtig bewusst geworden. „Es lag ein unglaublicher Rauchgestank über der ganzen Gegend", sagt Christian Baars. „Ein extrem intensiver Geruch." Über Wochen wehte eine Rauchfahne über Manhattan. Und vor einer Feuerwache sah er die Helme verstorbener Feuerwehrleute. „Das war extrem aufwühlend."

Zu den ersten Deutschen, die nach den Anschlägen nach New York flogen, gehörte dpa-Fotograf Boris Roessler aus Petershagen, gemeinsam mit der später in Afghanistan getöteten Anja Niedringhaus aus Höxter. „Gemeinsam haben wir versucht, an das World Trade Center heranzukommen", erinnert sich der gebürtige Mindener. Doch das Gebiet war von der überall gegenwärtigen Polizei abgeriegelt. „Ständig fuhren irgendwo Sirenen vorbei." Auch ein „Special Permit" half an den Sperren nicht weiter.

Trauerfeier für verstorbene Polizisten: Hinter der Ehrenformation entdeckte Boris Roessler das kleine Mädchen, das ein selbstgemaltes Schild in die Höhe hielt, auf das es „You will always be my Hero“ („Du wirst immer mein Held sein“) geschrieben hatte. Fotos: Boris Roessler/dpa - © Boris Roessler/dpa
Trauerfeier für verstorbene Polizisten: Hinter der Ehrenformation entdeckte Boris Roessler das kleine Mädchen, das ein selbstgemaltes Schild in die Höhe hielt, auf das es „You will always be my Hero“ („Du wirst immer mein Held sein“) geschrieben hatte. Fotos: Boris Roessler/dpa - © Boris Roessler/dpa

So beobachtete Boris Roessler die Menschen drumherum, die von Hilfseinsätzen zurückkamen, Feuerwehrleute, Polizisten. „Ich bin in eine ganz kleine Kirche gekommen, wo sich Polizisten ausruhen konnten", erinnert er sich. „Die waren völlig fertig, fingen an zu weinen." Nicht nur die Fotos, auch seine Eindrücke, Zitate aus Gesprächen gab er an die schreibenden Kollegen der Deutschen Presse Agentur weiter.

Und dann konnte er doch zum Trümmerberg der eingestürzten Zwillingstürme vordringen und war selbst fast erschlagen. „Die ungeheure Dimension von dem Ding ...". Zustande kam ein epochales Bild.

„Ich war ungefähr zehn Tage lang dort", sagt Boris Roessler. Für einen Agenturfotografen, der rund um die Welt hinter großen Ereignissen hinterherjagt, eine unfassbar lange Zeit. „Es war ein ongoing event." Jeden Tag entdeckte er neue Facetten des Grauens und zugleich tiefster Menschlichkeit. Er war auf der Beerdigung von Polizisten – „sehr bedrückend", sagt er trotz toller Aufnahmen und verrät dadurch, dass ihn diese Momente nicht losgelassen haben – bis heute.

„An die eigene Gefährdung habe ich nicht gedacht", sagt der Fotograf dabei und weiß, dass zumindest ein Kollege, der beim Einsturz des World Trade Centers in der Nähe war und bis zuletzt ausgeharrt hat, heute noch unter einer Lungenschädigung leidet.

„Der 11. September hat meine Arbeit bis heute geprägt", sagt Boris Roessler. Er war in Afghanistan, was eine direkte Folge der Al Qaida-Anschläge war. Die Flüchtlingswelle 2015 war in seinen Augen eine Spätfolge, und in dieser Woche hatte er einen Fototermin mit dem US-Außenminister auf der Airbase in Ramstein, wo er auch Kinder aus Afghanistan traf. „Ich erinnere mich an viele einzelne Momente" – aber Albträume? „Albträume hatte ich nicht."

Etwa drei Wochen vor dem Anschlag hatte Chris Boer auf dem World Trade Center gestanden. „Bei einem Orientierungstreffen von Austauschschülern in New York", sagt der damals 17-Jährige. Wie andere Mitschüler des Gymnasiums Petershagen wollte er ein paar Monate in Amerika zur Schule gehen.

In Oswego am Ontariosee im Norden des US-Bundesstaats New York war er zwar mehr als 400 Kilometer weit weg. „Aber in der Nähe liegt ein Atomkraftwerk." Übers Mobiltelefon konnte er seine Familie in Petershagen informieren, dass er in Sicherheit war. „Das Festnetz funktionierte nicht." Die Schule schickte die Schüler nach einer Ansprache des Rektors nach Haus. Sicherheitsmaßnahmen wurden verstärkt. Aufmerksam beobachtete er, was hinterher vor sich ging. „Die Amerikaner reagieren sehr emotional", sagt er auch nach 20 Jahren noch. „Die Wucht hat mich verwundert."

Auch wenn der Kontakt inzwischen abgerissen ist, hat Chris Boer, der heute im Auftrag der Evangelischen Kirche von Westfalen Referent für Pilgerwege und für Nachhaltigkeit ist, seine Gastfamilie zwei Jahre später noch einmal besucht. „Ich bin ausgerechnet am 11. September 2003 zurückgeflogen", sagt er. Der Flug ging direkt über Ground Zero – „ein riesiges Loch, das war noch mal sehr bewegend". Heute jedoch sei das tragische Ereignis aus seiner Jugend für ihn in den Hintergrund getreten.

Das ist für Cord Heine anders – der 11. September wurde zu einem Wendepunkt in seinem Leben. Der MT-Sportredakteur machte damals Urlaub in Kanada. Durch die Anschläge verzögerte sich der Rückflug. „Ich wäre gern in die USA ausgewandert", erzählt er von seinen Jugendträumen. Aufgrund der Einschränkungen in den USA im Gefolge der Terroranschläge wurde dies nahezu aussichtslos. So ging er schließlich mit seiner Frau Annette Hepermann nach Kanada und hat seit 2013 auch die kanadische Staatsbürgerschaft.

Christian Baars, der sich seine ersten journalistischen Sporen bei einem Praktikum beim Mindener Tageblatt verdient hatte, ließ der Journalismus nicht mehr los. Beim NDR betreibt er investigative Recherche. „Der 11. September war dagegen ein Erweckungserlebnis für Verschwörungstheoretiker", hat er erkannt.

Harald-M. Lehnardt kehrte New York 2005 den Rücken und ging nach Hawaii. Seite 2017 lebt er wieder in Minden. Die Twin Towers faszinieren ihn unverändert. Gerade erst hat er aus alten Fotos und Filmen aus jenen Tagen eine kleine private Dokumentation erstellt.

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