Mehr Lebensmittel für die Mindener Innenstadt MI will Discounter am Deichhof / Linke: Rewe interessiert an Ringstraße / Auch Famila hat prinzipiell Interesse Minden (mt/mob). Wie viel Supermarkt braucht Minden? Wo sollten die Lebensmittelgeschäfte sein, und wie groß ist eigentlich zu groß? Die Politik streitet, denn der Geschäftsbereich ist im Wandel. Antworten auf Fragen zu Entwicklung des Lebensmittelhandels in Minden lässt sich die Stadt seit Langem durch die CIMA geben. Diese Beratungsgesellschaft hat für Minden bereits mehrere Gutachten erstellt - denen allerdings in der Politik ein durchwachsenes Schicksal beschieden war. Die Vorlage von 2006 wurde im Rat zur Kenntnis genommen, die Fortschreibung 2009 beschlossen.Jüngst im Bauausschuss wurde die "Teilfortschreibung" mit besonderem Blick auf den Standort Ringstraße/Friedrichstraße (siehe Grafik) mit Mehrheit von SPD und CDU dem Rat zum Beschluss empfohlen. Das Vorhaben Ringstraße erfülle die Kriterien eines Nahversorgungszentrums.Politische Haupt-Diskussionspunkte: Wie groß darf dort ein Supermarkt sein, ohne andere Einkaufsmöglichkeiten in der Nähe zu schwächen? Würden sich Anbieter für kleinere Lösungen finden? Und: Wie beeinflusst ein Nahversorger dort das Gewerbe in der Innenstadt?Kleinere Parteien wie Linke, Grüne, Bürger-Bündnis Minden BBM und Mindener Initiative MI werfen der CIMA ein "Beratungsmonopol" (Die Linke) vor und verweisen auf andere Studien zur Einzelhandelsentwicklung. Der Bebauungsplan würde hier an Wünschen der Investoren, nicht an Bedürfnissen der Bürger ausgerichtet. Das BBM sieht gar ein "Lex WEZ", weil dieser dort bauen möchte. Größe des Marktes laut Bebauungsplan: "3304 Quadratmeter Verkaufsfläche mit überwiegend nahversorgungsrelevanten Sortimenten", so die politisch weiterhin umstrittene Beschlussvorlage.Argument für große Zentren - im Bauausschuss unter anderm von Hendrik Mucke (CDU) eingebracht: Die Menschen wollten heutzutage mit dem Auto vorfahren und alle Einkäufe auf einmal erledigen. Ein Markt, der das nicht biete, verlöre seine Kunden an die Zentren auf der Grünen Wiese.Rewe erklärt Interesse an 1500-Quadratmeter-MarktMitnichten, so Schröder. Er hält dem die Studie der Beratungsfirma KPMG entgegen. Nach deren Meinung gewinnen kleinere Zentren wieder an Bedeutung. Schröder sieht die Gefahr, dass Supermärkte einander "kannibalisieren" könnten und glaubt nicht, dass sich heutzutage Einzelhandel nur ab einer bestimmten Größe rechnet.Und einen alternativen Anbieter hat er auch aufgetan: "Ich habe mit Rewe gesprochen, und mir liegt eine schriftliche Bereitschaftserklärung vor, dass sie an der Ringstraße auch einen kleineren Markt eröffnen würden", erklärte Schröder gegenüber dem Mindener Tageblatt.Die Grünen lehnen einen großen Markt an der Ringstraße auch ab. Ihr Vertreter Horst Idelberger bezog sich im Bauausschuss dabei auf das ältere CIMA-Gutachten von 2006, in dem an der Ringstraße kein Nahversorger für notwendig erachtet worden sei.Genauso argumentierte Peter Düster (BBM). Er hält das aktuelle Cima-Gutachten für nicht ausreichend und verweist auch auf Zweifel, die die IHK zuletzt 2012 angemeldet hätte. Diese müssten berücksichtigt werden.Die MI unterdessen bringt einen weiteren Ansatz und einen neuen Standort in die Diskussion. Sie erklärt, es gebe einen "ernsthaft interessierten" Anbieter für rund 1000 bis 1400 Quadratmeter Einzelhandelsfläche am Deichhof. Um wen es sich handelt, mag sie nicht verraten.Kleiner Discounter für den DeichhofAm Deichhof hat die Stadt Minden soeben ein Grundstück erworben, um vor allem innerstädtisches Wohnen zu ermöglichen. Die An- und Abfahrt von Besuchern eines Supermarkts dort wäre verkehrstechnisch kein Problem, zeigt sich MI-Ratsfrau Edith von Wrisberg überzeugt.Lebensmittel in der Stadt - das wäre nach Ansicht der MI besser als ein "überdimensionierter Lebensmittelmarkt" an der Ringstraße. 800 Quadratmeter dort wären genug. Einen gut sortierten Lebensmittelmarkt mitten in der Innenstadt findet die MI angebrachter. Denn: "In der City gibt es eine erhebliche Unterversorgung, wenn es um die Nahversorgung mit Lebensmitteln geht."Die bestehenden Angebote seien ergänzungsbedürftig. Das sind Kaufland mit rund 5000 Quadratmetern Verkaufsfläche in der Obermarktpassage, der Idil Markt in der Oberen Altstadt (240 Quadratmeter) und nicht zu vergessen der Wochenmarkt.Und dann ist da noch das rechte Weserufer. Immer wieder wird dort das ehemalige Glashüttengelände als möglicher Standort ins Gespräch gebracht. Die Ostfriesische Lebensmittelkette Famila solle dort interessiert sein, heißt es.Sprecherin Kirstin Pageler gestern auf MT-Anfrage: Aktuell sei kein Famila Standort in Minden geplant oder werde geprüft. "Grundsätzlich ist Minden jedoch für die Bünting Unternehmensgruppe interessant."

Mehr Lebensmittel für die Mindener Innenstadt

Minden (mt/mob). Wie viel Supermarkt braucht Minden? Wo sollten die Lebensmittelgeschäfte sein, und wie groß ist eigentlich zu groß? Die Politik streitet, denn der Geschäftsbereich ist im Wandel.

"Zentrale Versorgungsbereiche" sind nach Definition des Oberverwaltungsgerichts NRW räumlich abgrenzbare Bereiche einer Gemeinde, denen auf Grund vorhandener Einzelhandelsnutzungen eine bestimmte Versorgungsfunktion zukommt. Hier die CIMA Analyse für Minden vom September 2013. - © Grafik: Jörg Barner (MT)/CIMA
"Zentrale Versorgungsbereiche" sind nach Definition des Oberverwaltungsgerichts NRW räumlich abgrenzbare Bereiche einer Gemeinde, denen auf Grund vorhandener Einzelhandelsnutzungen eine bestimmte Versorgungsfunktion zukommt. Hier die CIMA Analyse für Minden vom September 2013. - © Grafik: Jörg Barner (MT)/CIMA
Wie viele Supermärkte

braucht die Stadt? - © MINDEN
Wie viele Supermärkte
braucht die Stadt? - © MINDEN

Antworten auf Fragen zu Entwicklung des Lebensmittelhandels in Minden lässt sich die Stadt seit Langem durch die CIMA geben. Diese Beratungsgesellschaft hat für Minden bereits mehrere Gutachten erstellt - denen allerdings in der Politik ein durchwachsenes Schicksal beschieden war. Die Vorlage von 2006 wurde im Rat zur Kenntnis genommen, die Fortschreibung 2009 beschlossen.

Jüngst im Bauausschuss wurde die "Teilfortschreibung" mit besonderem Blick auf den Standort Ringstraße/Friedrichstraße (siehe Grafik) mit Mehrheit von SPD und CDU dem Rat zum Beschluss empfohlen. Das Vorhaben Ringstraße erfülle die Kriterien eines Nahversorgungszentrums.

Politische Haupt-Diskussionspunkte: Wie groß darf dort ein Supermarkt sein, ohne andere Einkaufsmöglichkeiten in der Nähe zu schwächen? Würden sich Anbieter für kleinere Lösungen finden? Und: Wie beeinflusst ein Nahversorger dort das Gewerbe in der Innenstadt?

Kleinere Parteien wie Linke, Grüne, Bürger-Bündnis Minden BBM und Mindener Initiative MI werfen der CIMA ein "Beratungsmonopol" (Die Linke) vor und verweisen auf andere Studien zur Einzelhandelsentwicklung. Der Bebauungsplan würde hier an Wünschen der Investoren, nicht an Bedürfnissen der Bürger ausgerichtet. Das BBM sieht gar ein "Lex WEZ", weil dieser dort bauen möchte. Größe des Marktes laut Bebauungsplan: "3304 Quadratmeter Verkaufsfläche mit überwiegend nahversorgungsrelevanten Sortimenten", so die politisch weiterhin umstrittene Beschlussvorlage.

Argument für große Zentren - im Bauausschuss unter anderm von Hendrik Mucke (CDU) eingebracht: Die Menschen wollten heutzutage mit dem Auto vorfahren und alle Einkäufe auf einmal erledigen. Ein Markt, der das nicht biete, verlöre seine Kunden an die Zentren auf der Grünen Wiese.

Rewe erklärt Interesse an 1500-Quadratmeter-Markt
Mitnichten, so Schröder. Er hält dem die Studie der Beratungsfirma KPMG entgegen. Nach deren Meinung gewinnen kleinere Zentren wieder an Bedeutung. Schröder sieht die Gefahr, dass Supermärkte einander "kannibalisieren" könnten und glaubt nicht, dass sich heutzutage Einzelhandel nur ab einer bestimmten Größe rechnet.

Und einen alternativen Anbieter hat er auch aufgetan: "Ich habe mit Rewe gesprochen, und mir liegt eine schriftliche Bereitschaftserklärung vor, dass sie an der Ringstraße auch einen kleineren Markt eröffnen würden", erklärte Schröder gegenüber dem Mindener Tageblatt.

Die Grünen lehnen einen großen Markt an der Ringstraße auch ab. Ihr Vertreter Horst Idelberger bezog sich im Bauausschuss dabei auf das ältere CIMA-Gutachten von 2006, in dem an der Ringstraße kein Nahversorger für notwendig erachtet worden sei.

Genauso argumentierte Peter Düster (BBM). Er hält das aktuelle Cima-Gutachten für nicht ausreichend und verweist auch auf Zweifel, die die IHK zuletzt 2012 angemeldet hätte. Diese müssten berücksichtigt werden.

Die MI unterdessen bringt einen weiteren Ansatz und einen neuen Standort in die Diskussion. Sie erklärt, es gebe einen "ernsthaft interessierten" Anbieter für rund 1000 bis 1400 Quadratmeter Einzelhandelsfläche am Deichhof. Um wen es sich handelt, mag sie nicht verraten.

Kleiner Discounter für den Deichhof
Am Deichhof hat die Stadt Minden soeben ein Grundstück erworben, um vor allem innerstädtisches Wohnen zu ermöglichen. Die An- und Abfahrt von Besuchern eines Supermarkts dort wäre verkehrstechnisch kein Problem, zeigt sich MI-Ratsfrau Edith von Wrisberg überzeugt.

Lebensmittel in der Stadt - das wäre nach Ansicht der MI besser als ein "überdimensionierter Lebensmittelmarkt" an der Ringstraße. 800 Quadratmeter dort wären genug. Einen gut sortierten Lebensmittelmarkt mitten in der Innenstadt findet die MI angebrachter. Denn: "In der City gibt es eine erhebliche Unterversorgung, wenn es um die Nahversorgung mit Lebensmitteln geht."

Die bestehenden Angebote seien ergänzungsbedürftig. Das sind Kaufland mit rund 5000 Quadratmetern Verkaufsfläche in der Obermarktpassage, der Idil Markt in der Oberen Altstadt (240 Quadratmeter) und nicht zu vergessen der Wochenmarkt.

Und dann ist da noch das rechte Weserufer. Immer wieder wird dort das ehemalige Glashüttengelände als möglicher Standort ins Gespräch gebracht. Die Ostfriesische Lebensmittelkette Famila solle dort interessiert sein, heißt es.

Sprecherin Kirstin Pageler gestern auf MT-Anfrage: Aktuell sei kein Famila Standort in Minden geplant oder werde geprüft. "Grundsätzlich ist Minden jedoch für die Bünting Unternehmensgruppe interessant."

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