MT-Thema: Preußen-Museum Trotz Schließung steht die Kasernentür weiter offen Preußen-Museum weiterhin für Schulklassen und Gruppen geöffnet / Betrieb in Verwaltung geht gewohnten Gang / Schließung kaum spürbar Von Ursula Koch Minden (mt). Der weite Simeonsplatz liegt verlassen da, wie immer. Wer die Ödnis überwunden hat und die Rampe zur Defensionskaserne hinauf geht, dem öffnet sich die weißlackierte Tür mit den schwarzen Löwenköpfen. Dabei ist das Preußen-Museum Minden seit dem 1. Januar geschlossen. Was so banal klingt, ist wie so oft, in der Realität weit differenzierter.Die Kasse ist tatsächlich unbesetzt und auch die Glastür dahinter, durch die es in die Sonderausstellungsräume rechts im Erdgeschoss, in die Dauerausstellung im ersten Stock und in den Ständersaal geht, ist an diesem Mittag verschlossen. Aber links vor der Kasse steht die Tür zum Restaurant offen. Dort sitzen einige Gäste.Drei Türen weiter ist ebenfalls alles wie immer: Dagmar Dolling und Meike Krüger arbeiten in der Verwaltung an ihren Computern, das Telefon klingelt. Der Jahresabschluss muss fertig werden. Der stellvertretende Museumsleiter Carsten Reuß ist ebenfalls in seinem Büro anzutreffen."Das Museum ist eben nur für Einzelbesucher geschlossen", betont er. Alles andere gehe wie gewohnt weiter: Schulklassen kommen für Projektarbeit ins Haus, Gruppen werden von montags bis donnerstags geführt, der Ständersaal kann weiterhin für Veranstaltungen gebucht werden und auch Kindergeburtstage können weiterhin zwischen den Ritterrüstungen in der Abteilung über den Deutschen Orden gefeiert werden."Für uns ist die Schließung kaum spürbar, weil wir auch vorher von den Einzelbesuchern wenig mitbekommen haben", sagte Meike Krüger.Vorbereitungen für den TrägerwechselVom Kassenpersonal habe sie erfahren, dass die bevorstehende Schließung zwischen Weihnachten und Neujahr noch einmal eine kleine Spitze bei den Besucherzahlen zur Folge hatte. Mehr als 50 Geschichtsinteressierte pro Tag haben sich noch einmal die Dauerausstellung angesehen.Derweil ist Carsten Reuß mit Vorbereitungen für den Trägerwechsel von der Stiftung Preußen-Museum NRW, die für beide Museumsstandorte in Wesel und Minden zuständig war, zum Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) für das Mindener Haus beschäftigt. Den Standort Wesel übernimmt der Landschaftsverband Rheinland. "Bis zur Stiftungsratssitzung Mitte Februar sollen die rechtlichen Rahmenbedingungen unterschriftsreif sein", berichtet der Historiker.In der Trennung der Museen seien noch viele Detailfragen offen. "Es gibt zum Beispiel nur eine Waffenbesitzkarte, die auf den Direktor Dr. Veit Veltzke ausgestellt ist", erläutert Reuß. Der ist aber künftig nur noch Direktor des Museums in Wesel. Aber auch in Minden sind Waffen ausgestellt oder lagern im Depot. Auch die Ausstellungsobjekte sollen gerecht aufgeteilt werden. "In Minden haben wir rund 15000 Exponate in der Ausstellung und im Depot. In Wesel gibt es einen Überhang im Bereich der Druckgrafik. Ansonsten sind die Museen weitgehend gleich ausgestattet", sagt Reuß. Die Depots müssten in jedem Fall noch einmal in Augenschein genommen werden. "Wir haben in Minden noch einen Uniformrock eines Regiments vom Niederrhein, während die eines Paderborner Husaren noch in Wesel lagert", nennt er ein Beispiel.Ein Konzept für die neue Dauerausstellung in Minden liege noch nicht auf dem Tisch. Allerdings habe der LWL bereits den Wunsch geäußert, dass der Umbau im laufenden Betrieb passieren solle. Darum müssten jetzt möglichst schnell die vom Geheimen Preußischen Staatsarchiv (Teil der Stiftung Preußischer Kulturbesitz) ausgeliehenen Objekte zum Ausstellungsteil über den Deutschen Orden zurückgegeben werden, damit im Keller Platz ist, um Abteilungen aus der Dauerausstellung lagern zu können. Was dann mit den beiden großen Modellen der Marienburg und der Burg Rehden, die das Preußen-Museum von einer Werkstatt in Rastatt hat anfertigen lassen, passiert, ist noch offen.LWL trifft am 23. Mai endgültige EntscheidungDas sind Detailfragen gegenüber der einen grundsätzlichen: Wird der LWL Träger des Preußen-Museums Minden? Seine Bereitschaft hat der Verband mit seinem Beschluss im Dezember an die Bedingung gekoppelt, dass das Land NRW die notwendige Überarbeitung der Ausstellung mit 870000 Euro unterstützt. "Ich weiß lediglich, dass es zwischen LWL und Land Gespräche gegeben hat", sagt Peter Kienzle, Geschäftsführer der Stiftung Preußen-Museum. Fest stehe mittlerweile, dass die Landschaftsversammlung am 23. Mai die endgültige Entscheidung über die Zukunft des Standortes Minden treffen will. Wie lange das Museum in Minden für Einzelbesucher geschlossen bleibe, sei noch nicht absehbar. Der Wirtschaftsplan für beide Häuser werde Mitte Februar aufgestellt, dann wisse man vielleicht mehr.Denn fest steht auch, dass im Rheinland eine neue Stiftung gegründet wird, auf die rund die Hälfte des Stiftungskapitals und das Gebäude in Wesel übertragen wird, während für Westfalen die Rumpfstiftung erhalten bleibe.
MT-Thema: Preußen-Museum

Trotz Schließung steht die Kasernentür weiter offen

Minden (mt). Der weite Simeonsplatz liegt verlassen da, wie immer. Wer die Ödnis überwunden hat und die Rampe zur Defensionskaserne hinauf geht, dem öffnet sich die weißlackierte Tür mit den schwarzen Löwenköpfen.

Lediglich für Einzelbesucher ist das Preußen-Museum in der Defensionskaserne zurzeit geschlossen. Der sonstige Betrieb läuft weiter. - © Foto: pr
Lediglich für Einzelbesucher ist das Preußen-Museum in der Defensionskaserne zurzeit geschlossen. Der sonstige Betrieb läuft weiter. - © Foto: pr
Schließung kaum spürbar - © KULTUR
Schließung kaum spürbar - © KULTUR

Dabei ist das Preußen-Museum Minden seit dem 1. Januar geschlossen. Was so banal klingt, ist wie so oft, in der Realität weit differenzierter.

Die Kasse ist tatsächlich unbesetzt und auch die Glastür dahinter, durch die es in die Sonderausstellungsräume rechts im Erdgeschoss, in die Dauerausstellung im ersten Stock und in den Ständersaal geht, ist an diesem Mittag verschlossen. Aber links vor der Kasse steht die Tür zum Restaurant offen. Dort sitzen einige Gäste.

Drei Türen weiter ist ebenfalls alles wie immer: Dagmar Dolling und Meike Krüger arbeiten in der Verwaltung an ihren Computern, das Telefon klingelt. Der Jahresabschluss muss fertig werden. Der stellvertretende Museumsleiter Carsten Reuß ist ebenfalls in seinem Büro anzutreffen.

"Das Museum ist eben nur für Einzelbesucher geschlossen", betont er. Alles andere gehe wie gewohnt weiter: Schulklassen kommen für Projektarbeit ins Haus, Gruppen werden von montags bis donnerstags geführt, der Ständersaal kann weiterhin für Veranstaltungen gebucht werden und auch Kindergeburtstage können weiterhin zwischen den Ritterrüstungen in der Abteilung über den Deutschen Orden gefeiert werden.

"Für uns ist die Schließung kaum spürbar, weil wir auch vorher von den Einzelbesuchern wenig mitbekommen haben", sagte Meike Krüger.

Vorbereitungen für den Trägerwechsel
Vom Kassenpersonal habe sie erfahren, dass die bevorstehende Schließung zwischen Weihnachten und Neujahr noch einmal eine kleine Spitze bei den Besucherzahlen zur Folge hatte. Mehr als 50 Geschichtsinteressierte pro Tag haben sich noch einmal die Dauerausstellung angesehen.

Derweil ist Carsten Reuß mit Vorbereitungen für den Trägerwechsel von der Stiftung Preußen-Museum NRW, die für beide Museumsstandorte in Wesel und Minden zuständig war, zum Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) für das Mindener Haus beschäftigt. Den Standort Wesel übernimmt der Landschaftsverband Rheinland. "Bis zur Stiftungsratssitzung Mitte Februar sollen die rechtlichen Rahmenbedingungen unterschriftsreif sein", berichtet der Historiker.

In der Trennung der Museen seien noch viele Detailfragen offen. "Es gibt zum Beispiel nur eine Waffenbesitzkarte, die auf den Direktor Dr. Veit Veltzke ausgestellt ist", erläutert Reuß. Der ist aber künftig nur noch Direktor des Museums in Wesel. Aber auch in Minden sind Waffen ausgestellt oder lagern im Depot. Auch die Ausstellungsobjekte sollen gerecht aufgeteilt werden. "In Minden haben wir rund 15000 Exponate in der Ausstellung und im Depot. In Wesel gibt es einen Überhang im Bereich der Druckgrafik. Ansonsten sind die Museen weitgehend gleich ausgestattet", sagt Reuß. Die Depots müssten in jedem Fall noch einmal in Augenschein genommen werden. "Wir haben in Minden noch einen Uniformrock eines Regiments vom Niederrhein, während die eines Paderborner Husaren noch in Wesel lagert", nennt er ein Beispiel.

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