Mindener Initiative setzt auf Engagement ohne Parteibuch "Wir wollen keine Krawallpolitik betreiben" / 200 statt 20 Interessierte bei der ersten Versammlung 1994 Von Oliver Plöger Minden (mt). Zu Anfang war sich Harald Steinmetz gar nicht so sicher. "Sollen wir das wirklich machen?" Doch der frisch formulierte Weg der "Mindener Initiative" - kurz "MI" - hatte ihn überzeugt. Und nicht nur ihn. "Wir wollten uns als unabhängige Wählervereinigung in keine Parteilinie einbinden lassen und große Kooperationen und absolute Mehrheiten kritisch begleiten", beschreibt Steinmetz den guten alten "Grundkonsens".20 Jahre MI: Das hat die Gemeinschaft gefeiert und blickt nach zwei Jahrzehnten zurück. Fest eingebunden war Mitgründer Steinmetz damals in seinen Pädagogen-Beruf als Hauptschul-Direktor. Und sprach mit Schülern über Politik und Fraktionszwänge.Nein, Zwänge wollte er nicht, sah sich keinesfalls als "Wutbürger". "Wir wollten Politik für und mit den Bürgerinnen und Bürgern machen. Ganz ohne Parteibuch", sagt der heutige MI-Sprecher. Gegründet gemeinsam mit Frank Tomaschewski, gab es im Januar 1994 die erste große Versammlung. "Wir haben höchstens mit 20 Leuten gerechnet". Es kamen 200. "Und der Saal im Hotel Bad Minden platzte aus allen Nähten", erinnert sich Harald Steinmetz.Um "politisch Interessierten konkrete Projektarbeit zu ermöglichen", wurden innerhalb der jungen Wählervereinigung Arbeitskreise gebildet, darunter Schule, Jugend und Kultur, Bau und Verkehr, Wirtschaft und Finanzen, Soziales, Rettungswesen und die Seniorenarbeit.Die Gruppe sei mit viel Rückenwind und satten 7,6 Prozent in den Rat eingezogen: "Die absolute Mehrheit der SPD war gebrochen, die FDP und die Republikaner wurden aus der Stadtverordnetenversammlung gedrückt", schildert Harald Steinmetz. Klaus-Joachim Riechmann, Brigitte Stotz, Frank Tomaschewski und Steinmetz selbst bildeten die erste MI-Ratsfraktion. Edith von Wrisberg war schon als Sachkundige Bürgerin dabei.Doch Probleme blieben nicht aus: Die kleine Fraktion hatte nur einzelne Sitze in den Fachausschüssen, eine geschäftsstelle gab es nicht. Gemeinsam mit den Sachkundigen Bürgern sollten alle kommunalpolitischen Themen besetzt sein. Steinmetz, seit 2004 auch stellvertretender Bürgermeister, bringt es auf den Punkt: "Man gewinnt viele neue Bekannte, hat aber leider weniger Zeit zur Pflege bestehender Freundschaften. Und Politik wird nahezu überall gemacht. Im Zweiergespräch ebenso wie am Telefon."Individualität trifft aufeinanderIn den Folgejahren festigte die Wählervereinigung ihre Position im Rat, pendelte sich in der Wählergunst bei sieben Prozent ein. Und als Steinmetz 2004 gegen Michael Buhre (SPD) als Bürgermeisterkandidat antrat, kam die MI auf fast 13 Prozent. "Für mich noch heute ein Highlight", sagt der 70-Jährige. Während bei den Ergebnissen Stabilität herrschte, wechselten die aktiven Köpfe. Dazu Mitstreiterin Edith von Wrisberg: "Ein klassisches Problem von Wählervereinigungen, in denen viel Individualität aufeinander trifft.".Mit Jürgen Gebauer, seit vier Jahren MI-Mitglied, ist der sechste Vorsitzende aktiv. "Bewegung herrscht in einer solchen Gemeinschaft insgesamt. Einige wechseln von Parteien in die Wählervereinigung, andere gehen den entgegengesetzten Weg", sagt Steinmetz. Aber auch das sei in Ordnung: "Alle gewählten demokratischen Leute sind uns lieb". Und dass die MI-Aktiven Ehrenamtler sind, sollten - so sein Wunsch - auch diejenigen nicht vergessen, die mit Kritik schnell bei der Hand sind."Wir wollen keine Krawallpolitik betreiben", betont Harald Steinmetz. Schließlich hätte es Mindener Initiative auch so geschafft, zur Sicherung der Verbraucherberatung beizutragen, Budgets für die Schulen durchzusetzen und Bildungseinrichtungen vor den Problemen der Haushaltssicherungskonzepte zu schützen. Auch für das Museum habe sich die MI stark gemacht. Und das alles ohne Fraktionszwang.

Mindener Initiative setzt auf Engagement ohne Parteibuch

Minden (mt). Zu Anfang war sich Harald Steinmetz gar nicht so sicher. "Sollen wir das wirklich machen?" Doch der frisch formulierte Weg der "Mindener Initiative" - kurz "MI" - hatte ihn überzeugt. Und nicht nur ihn.

Schenkt sich selbst zum Jubiläum ein dickes Aufgabenpaket in der Vereinsfarbe: die Unabhängige Wählervereinigung Mindener Initiative hier mit (von links) Edith von Wrisberg, Karl-Ludwig Sierig, Peter Westhäuser, Anke Woltermann, Anke Erfmeyer, Jürgen Gebauer und Harald Steinmetz. Foto (pr): Kirsten Senz
Schenkt sich selbst zum Jubiläum ein dickes Aufgabenpaket in der Vereinsfarbe: die Unabhängige Wählervereinigung Mindener Initiative hier mit (von links) Edith von Wrisberg, Karl-Ludwig Sierig, Peter Westhäuser, Anke Woltermann, Anke Erfmeyer, Jürgen Gebauer und Harald Steinmetz. Foto (pr): Kirsten Senz

"Wir wollten uns als unabhängige Wählervereinigung in keine Parteilinie einbinden lassen und große Kooperationen und absolute Mehrheiten kritisch begleiten", beschreibt Steinmetz den guten alten "Grundkonsens".

20 Jahre MI: Das hat die Gemeinschaft gefeiert und blickt nach zwei Jahrzehnten zurück. Fest eingebunden war Mitgründer Steinmetz damals in seinen Pädagogen-Beruf als Hauptschul-Direktor. Und sprach mit Schülern über Politik und Fraktionszwänge.

Nein, Zwänge wollte er nicht, sah sich keinesfalls als "Wutbürger". "Wir wollten Politik für und mit den Bürgerinnen und Bürgern machen. Ganz ohne Parteibuch", sagt der heutige MI-Sprecher. Gegründet gemeinsam mit Frank Tomaschewski, gab es im Januar 1994 die erste große Versammlung. "Wir haben höchstens mit 20 Leuten gerechnet". Es kamen 200. "Und der Saal im Hotel Bad Minden platzte aus allen Nähten", erinnert sich Harald Steinmetz.

Um "politisch Interessierten konkrete Projektarbeit zu ermöglichen", wurden innerhalb der jungen Wählervereinigung Arbeitskreise gebildet, darunter Schule, Jugend und Kultur, Bau und Verkehr, Wirtschaft und Finanzen, Soziales, Rettungswesen und die Seniorenarbeit.

Die Gruppe sei mit viel Rückenwind und satten 7,6 Prozent in den Rat eingezogen: "Die absolute Mehrheit der SPD war gebrochen, die FDP und die Republikaner wurden aus der Stadtverordnetenversammlung gedrückt", schildert Harald Steinmetz. Klaus-Joachim Riechmann, Brigitte Stotz, Frank Tomaschewski und Steinmetz selbst bildeten die erste MI-Ratsfraktion. Edith von Wrisberg war schon als Sachkundige Bürgerin dabei.

Doch Probleme blieben nicht aus: Die kleine Fraktion hatte nur einzelne Sitze in den Fachausschüssen, eine geschäftsstelle gab es nicht. Gemeinsam mit den Sachkundigen Bürgern sollten alle kommunalpolitischen Themen besetzt sein. Steinmetz, seit 2004 auch stellvertretender Bürgermeister, bringt es auf den Punkt: "Man gewinnt viele neue Bekannte, hat aber leider weniger Zeit zur Pflege bestehender Freundschaften. Und Politik wird nahezu überall gemacht. Im Zweiergespräch ebenso wie am Telefon."

Individualität trifft aufeinander
In den Folgejahren festigte die Wählervereinigung ihre Position im Rat, pendelte sich in der Wählergunst bei sieben Prozent ein. Und als Steinmetz 2004 gegen Michael Buhre (SPD) als Bürgermeisterkandidat antrat, kam die MI auf fast 13 Prozent. "Für mich noch heute ein Highlight", sagt der 70-Jährige. Während bei den Ergebnissen Stabilität herrschte, wechselten die aktiven Köpfe. Dazu Mitstreiterin Edith von Wrisberg: "Ein klassisches Problem von Wählervereinigungen, in denen viel Individualität aufeinander trifft.".

Mit Jürgen Gebauer, seit vier Jahren MI-Mitglied, ist der sechste Vorsitzende aktiv. "Bewegung herrscht in einer solchen Gemeinschaft insgesamt. Einige wechseln von Parteien in die Wählervereinigung, andere gehen den entgegengesetzten Weg", sagt Steinmetz. Aber auch das sei in Ordnung: "Alle gewählten demokratischen Leute sind uns lieb". Und dass die MI-Aktiven Ehrenamtler sind, sollten - so sein Wunsch - auch diejenigen nicht vergessen, die mit Kritik schnell bei der Hand sind.

"Wir wollen keine Krawallpolitik betreiben", betont Harald Steinmetz. Schließlich hätte es Mindener Initiative auch so geschafft, zur Sicherung der Verbraucherberatung beizutragen, Budgets für die Schulen durchzusetzen und Bildungseinrichtungen vor den Problemen der Haushaltssicherungskonzepte zu schützen. Auch für das Museum habe sich die MI stark gemacht. Und das alles ohne Fraktionszwang.

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