Bei Hygieneampel sieht Ostwestfalens Gastronomie rot Dehoga: Restaurant nicht mit Oetker vergleichen / Klagen über Rauchverbots-Folgen / Hotels gut ausgelastet Von Hartmut Nolte Minden (mt). Mit ihren Gästen sind die Hoteliers und Gastronomen in Ostwestfalen zufrieden, mit der Politik nicht. Bei Mindestlohn und Hygieneampel sehen sie rot. Das ist grob zusammengefasst die Bilanz, die der Verband Ostwestfalen des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) gestern im Holiday Inn in Minden, dem Betrieb seines Präsidenten Bernd Niemeier, zog.Das novellierte NRW-Nichtrauchergesetz sehen die Gastronomen besonders kritisch, ja sogar existenzgefährdend, wie Uwe Kirchner, Geschäftsführer für Paderborn-Höxter sagte. "Die erwarteten negativen Folgen dieses Gesetzes sind eingetreten". 81 Prozent der Schankbetriebe beklagten Umsatzeinbußen, davon die Hälfte über 30 Prozent. Erste Betriebsaufgaben wegen Ausbleibens rauchender Gäste seien gemeldet. "Die Nichtraucher, die nun die rauchfreien Kneipen stürmen, sind nicht gekommen", ergänzt Andreas Büscher, Dehoga-Vizepräsident aus Bielefeld.Verärgert sind die Gastronomen, vor allem die Restaurantbesitzer, über die Hygieneampel, die probeweise im Dezember von den Städten Duisburg und Bielefeld eingeführt wurde. Auf der I-Phone App "Appetitlich" können sich Gäste über die Beurteilungen der Betriebe durch die Veterinärämter informieren. Das Hygienebarometer wechselt je nach zunehmender Negativpunktzahl die Farbe von Grün bis Rot."Man kann ein Restaurant nicht an einem auf Sterilität bedachten Betrieb wie Oetker oder Tönnies messen", schimpft Büscher. Er und über 50 andere, davon nur einer mit Rot bewertet, klagen gegen die Ampel: Eingeräumt wird aber, dass die App viel genutzt werde. Generell sei die Gastronomie nicht gegen mehr Transparenz, hat aber offenbar keinen konkreten Gegenvorschlag.Ablehnend stehen die Gastronomen auch zum gesetzlichen Mindestlohn. "Wir sind mit der dadurch gefährdeten Tarifhoheit immer gut gefahren", macht sich Dehoga-Präsident Niemeier Sorgen, dass bei der staatlichen Regelung regionale Unterschiede unberücksichtigt blieben. Und: "Wenn Schüler, die in Biergärten aushilfsweise die Tisch abräumen, 8,50 Euro bekommen müssen, muss die Preiskalkulation eine andere sein", fürchtet Niemeier,Preiserhöhungen "bitter notwendig"Ohnehin spürt die Branche schon den vielfach beschworenen Fachkräftemangel: In ihren sechs Ausbildungsberufen sei die Zahl der Verträge um 9,9 Prozent auf 950 zurückgegangen, berichtet Uwe Pape, Geschäftsführer für Minden-Herford. Überdurchschnittlich bei den Köchen um 11,8 Prozent. Andreas Grillemeier, Kreisvorsitzender der Dehoga im Mühlenkreis, will als Ausbildungsbotschafter bei Berufsbildungsgemessen und in Schulen um Nachwuchs werben.Insgesamt sieht der Fachverband, dem nach Angaben seines Geschäftsführers Thomas Keitel 1950 der 3950 gastronomischen Betriebe in Ostwestfalen angehören, die Lage ernst, aber nicht hoffnungslos, in der Hotellerie sogar mit positiven Zahlen, für die zunehmend Geschäftsreisen mit über 75 Prozent den Hauptanteil der 6,5 Millionen Übernachtungen stellten. Der Tourismusanteil der Übernachtungen liege in Minden bei etwa sieben Prozent.Die 14 000 sozialversicherten Angestellten und rund 10 000 Aushilfskräfte erwirtschafteten im vergangenen Jahr einen Umsatz von rund 900 Millionen Euro. "Bitter notwendige" (Niemeier) Preiserhöhungen lasse oft der Markt nicht zu.

Bei Hygieneampel sieht Ostwestfalens Gastronomie rot

Minden (mt). Mit ihren Gästen sind die Hoteliers und Gastronomen in Ostwestfalen zufrieden, mit der Politik nicht. Bei Mindestlohn und Hygieneampel sehen sie rot.

Das totale Rauchverbot ist der Hauptfeind der Gastronomen, die kürzlich in Lübbecke dagegen protestierten. - © Foto: nw
Das totale Rauchverbot ist der Hauptfeind der Gastronomen, die kürzlich in Lübbecke dagegen protestierten. - © Foto: nw

Das ist grob zusammengefasst die Bilanz, die der Verband Ostwestfalen des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) gestern im Holiday Inn in Minden, dem Betrieb seines Präsidenten Bernd Niemeier, zog.

Das novellierte NRW-Nichtrauchergesetz sehen die Gastronomen besonders kritisch, ja sogar existenzgefährdend, wie Uwe Kirchner, Geschäftsführer für Paderborn-Höxter sagte. "Die erwarteten negativen Folgen dieses Gesetzes sind eingetreten". 81 Prozent der Schankbetriebe beklagten Umsatzeinbußen, davon die Hälfte über 30 Prozent. Erste Betriebsaufgaben wegen Ausbleibens rauchender Gäste seien gemeldet. "Die Nichtraucher, die nun die rauchfreien Kneipen stürmen, sind nicht gekommen", ergänzt Andreas Büscher, Dehoga-Vizepräsident aus Bielefeld.

Verärgert sind die Gastronomen, vor allem die Restaurantbesitzer, über die Hygieneampel, die probeweise im Dezember von den Städten Duisburg und Bielefeld eingeführt wurde. Auf der I-Phone App "Appetitlich" können sich Gäste über die Beurteilungen der Betriebe durch die Veterinärämter informieren. Das Hygienebarometer wechselt je nach zunehmender Negativpunktzahl die Farbe von Grün bis Rot.

"Man kann ein Restaurant nicht an einem auf Sterilität bedachten Betrieb wie Oetker oder Tönnies messen", schimpft Büscher. Er und über 50 andere, davon nur einer mit Rot bewertet, klagen gegen die Ampel: Eingeräumt wird aber, dass die App viel genutzt werde. Generell sei die Gastronomie nicht gegen mehr Transparenz, hat aber offenbar keinen konkreten Gegenvorschlag.

Ablehnend stehen die Gastronomen auch zum gesetzlichen Mindestlohn. "Wir sind mit der dadurch gefährdeten Tarifhoheit immer gut gefahren", macht sich Dehoga-Präsident Niemeier Sorgen, dass bei der staatlichen Regelung regionale Unterschiede unberücksichtigt blieben. Und: "Wenn Schüler, die in Biergärten aushilfsweise die Tisch abräumen, 8,50 Euro bekommen müssen, muss die Preiskalkulation eine andere sein", fürchtet Niemeier,

Preiserhöhungen "bitter notwendig"
Ohnehin spürt die Branche schon den vielfach beschworenen Fachkräftemangel: In ihren sechs Ausbildungsberufen sei die Zahl der Verträge um 9,9 Prozent auf 950 zurückgegangen, berichtet Uwe Pape, Geschäftsführer für Minden-Herford. Überdurchschnittlich bei den Köchen um 11,8 Prozent. Andreas Grillemeier, Kreisvorsitzender der Dehoga im Mühlenkreis, will als Ausbildungsbotschafter bei Berufsbildungsgemessen und in Schulen um Nachwuchs werben.

Insgesamt sieht der Fachverband, dem nach Angaben seines Geschäftsführers Thomas Keitel 1950 der 3950 gastronomischen Betriebe in Ostwestfalen angehören, die Lage ernst, aber nicht hoffnungslos, in der Hotellerie sogar mit positiven Zahlen, für die zunehmend Geschäftsreisen mit über 75 Prozent den Hauptanteil der 6,5 Millionen Übernachtungen stellten. Der Tourismusanteil der Übernachtungen liege in Minden bei etwa sieben Prozent.

Die 14 000 sozialversicherten Angestellten und rund 10 000 Aushilfskräfte erwirtschafteten im vergangenen Jahr einen Umsatz von rund 900 Millionen Euro. "Bitter notwendige" (Niemeier) Preiserhöhungen lasse oft der Markt nicht zu.

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