Standpunkt zur Kampa-Halle: Zu viele letzte Chancen Henning Wandel Der nächste Akt im Drama um die Kampa-Halle steht am Montag auf dem Spielplan. Oder besser: Auf der Tagesordnung der Kreispolitik. Zuletzt standen sich die unterschiedlichen Ideen nach Jahren der Diskussion eher unbeweglich gegenüber. Jetzt müsste also eigentlich hier ein weiterer Lösungsvorschlag kommen, schließlich steht „Standpunkt“ drüber. Zum Beispiel so: Die Halle wieder aufmachen, sie aber in zwei (oder nach einer möglichen Verlängerung des Interims in vier) Jahren mit einem Zweck-Neubau ersetzen anstatt sie zu sanieren. Förderprogramme gibt es immer wieder, sicher auch dann für einen Sportstättenbau. In der Zwischenzeit können sich Stadt und Wirtschaft um die Arena kümmern. Tatsächlich aber habe ich den Glauben daran fast verloren, dass hier wirklich einmal eine Entscheidung fällt, die dann auch Bestand hat und umgesetzt wird. Und ehrlich gesagt bin ich es auch leid, immer wieder über letzte Chancen schreiben zu müssen. Oder über Beschlüsse, die schon in dem Moment infrage stehen, in dem sie gefasst werden. Und so geht es offenbar nicht nur mir: Lange war das Leserinteresse groß, jetzt ist eher Resignation spürbar. In der Kreispolitik ist der Montag traditionell der Tag der Entscheidungen im Kreistag oder – in Zeiten coronabedingter Selbstbeschränkung – im Kreisausschuss. Dieses Mal soll die Planung für die Sanierung beschlossen werden. Eigentlich hätte es aber auch schon um die Ausschreibungen der folgenden Arbeiten gehen können, doch die müssen später jeweils einzeln noch einmal politisch bestätigt werden. So zumindest sieht es der Tagesordnungspunkt 3 vor. Wer genau hinschaut, kann hier die Bürde erkennen, die seit inzwischen fast sieben Jahren auf dem Gesamtkomplex aus Kampa-Halle und Multifunktionsarena, Abriss und Neubau, Förderung oder Nicht-Förderung lastet. Da werden Pläne gemacht, Kompromisse gesucht, Entscheidungen getroffen, wieder zurückgenommen, umformuliert, neue Beschlüsse gefasst. Währenddessen verschwinden alte Bündnisse und neue werden geformt. Dabei werden die Gräben zwischen den Lagern spürbar tiefer. Das Tragische an der Situation: Alle Seiten sind überzeugt davon, das Richtige zu wollen. Es könnte ein Fest der Politik sein, diesen Konflikt aufzulösen. Oder besser: Es hätte ein solches sein können. Denn der Moment, bis zu dem ein solcher Austausch möglich war, scheint lange vorbei. Stattdessen wird darüber gestritten, ob eine Interimsöffnung auf zwei Jahre befristet sein muss, ob die Fördermittel des Bundes nur für eine Sanierung abrufbar sind oder waren, ob die Stadt mit der Altlastensanierung vorankommt oder ob Schulen und Vereine mit einer Sanierung tatsächlich glücklich wären. Hoffnungsvoll klingt das nicht. Aber wer weiß: Es hat ja schon reichlich Überraschungen gegeben.

Standpunkt zur Kampa-Halle: Zu viele letzte Chancen

Kommentar Henning Wandel © Alex Lehn

Der nächste Akt im Drama um die Kampa-Halle steht am Montag auf dem Spielplan. Oder besser: Auf der Tagesordnung der Kreispolitik. Zuletzt standen sich die unterschiedlichen Ideen nach Jahren der Diskussion eher unbeweglich gegenüber. Jetzt müsste also eigentlich hier ein weiterer Lösungsvorschlag kommen, schließlich steht „Standpunkt“ drüber. Zum Beispiel so: Die Halle wieder aufmachen, sie aber in zwei (oder nach einer möglichen Verlängerung des Interims in vier) Jahren mit einem Zweck-Neubau ersetzen anstatt sie zu sanieren. Förderprogramme gibt es immer wieder, sicher auch dann für einen Sportstättenbau. In der Zwischenzeit können sich Stadt und Wirtschaft um die Arena kümmern.

Tatsächlich aber habe ich den Glauben daran fast verloren, dass hier wirklich einmal eine Entscheidung fällt, die dann auch Bestand hat und umgesetzt wird. Und ehrlich gesagt bin ich es auch leid, immer wieder über letzte Chancen schreiben zu müssen. Oder über Beschlüsse, die schon in dem Moment infrage stehen, in dem sie gefasst werden. Und so geht es offenbar nicht nur mir: Lange war das Leserinteresse groß, jetzt ist eher Resignation spürbar.

In der Kreispolitik ist der Montag traditionell der Tag der Entscheidungen im Kreistag oder – in Zeiten coronabedingter Selbstbeschränkung – im Kreisausschuss. Dieses Mal soll die Planung für die Sanierung beschlossen werden. Eigentlich hätte es aber auch schon um die Ausschreibungen der folgenden Arbeiten gehen können, doch die müssen später jeweils einzeln noch einmal politisch bestätigt werden. So zumindest sieht es der Tagesordnungspunkt 3 vor.

Wer genau hinschaut, kann hier die Bürde erkennen, die seit inzwischen fast sieben Jahren auf dem Gesamtkomplex aus Kampa-Halle und Multifunktionsarena, Abriss und Neubau, Förderung oder Nicht-Förderung lastet. Da werden Pläne gemacht, Kompromisse gesucht, Entscheidungen getroffen, wieder zurückgenommen, umformuliert, neue Beschlüsse gefasst. Währenddessen verschwinden alte Bündnisse und neue werden geformt. Dabei werden die Gräben zwischen den Lagern spürbar tiefer. Das Tragische an der Situation: Alle Seiten sind überzeugt davon, das Richtige zu wollen.

Es könnte ein Fest der Politik sein, diesen Konflikt aufzulösen. Oder besser: Es hätte ein solches sein können. Denn der Moment, bis zu dem ein solcher Austausch möglich war, scheint lange vorbei. Stattdessen wird darüber gestritten, ob eine Interimsöffnung auf zwei Jahre befristet sein muss, ob die Fördermittel des Bundes nur für eine Sanierung abrufbar sind oder waren, ob die Stadt mit der Altlastensanierung vorankommt oder ob Schulen und Vereine mit einer Sanierung tatsächlich glücklich wären. Hoffnungsvoll klingt das nicht. Aber wer weiß: Es hat ja schon reichlich Überraschungen gegeben.

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