Standpunkt zur Digitalisierung an Schulen: Mangelhaft digital Jan Henning Rogge Es gibt nur wenige Dinge, die positiv an der Corona-Krise sind. Doch eins haben wir ihr definitiv zu verdanken: Einem Brennglas gleich richtet sie schonungslos unseren Blick auf die Schwachpunkte und Versäumnisse. Auf kleine und große Katastrophen, die wir viel zu lange nicht betrachtet haben. Bekannt waren sie allerdings alle. Heute richtet die Redaktion das Brennglas auf den Zustand der Digitalisierung an Mindener Schulen. Vor etwas mehr als einem Jahr, am 13. März 2020, fiel die Entscheidung, die Schulen zu schließen. Viele Artikel zum Thema Homeschooling, Digitalisierung und Distanzunterricht sind seitdem erschienen. Mit einer Umfrage unter den Schulen haben wir nun aber erstmals versucht, eine Bestandsaufnahme zum Stand der Digitalisierung zu erstellen. Mit einer Serie werden wir die verschiedenen Bereiche betrachten. Die Ergebnisse der Umfrage aber sollten niemanden überraschen. Es ist das Bild, das sich quer durch viele Institutionen im ganzen Land zieht: Es gibt kaum digitales Lernen, sondern überwiegend frontalen Distanzunterricht. Es mangelt an technischer Ausstattung, ausgebildetem Personal und alltagstauglicher Umsetzung. Ein komplettes Desaster. Denn das alles ist schon lange klar: Seit Jahren fordern Schulen, Schülervertreter, Lehrer- und Elternverbände, dass sich etwas tut. Weil es aber immer „irgendwie geklappt hat“, weil immer der Leidensdruck bei Schülern, Lehrern und Eltern lag, und damit eine schwache Lobby hatte, hat sich nichts getan. Und immer wieder hat die Politik versprochen und vertröstet. Ein Beispiel? Erst im Mai 2019 wird mit dem „Digitalpakt“ Geld bereitgestellt, um Deutschlands Schulen auf den technischen Stand zu bringen, den andere Industrieländer wie Finnland, die Niederlande oder auch Estland schon Jahre zuvor erreicht haben. Doch damit nicht genug: Es dauert teilweise mehr als ein Jahr, bis die ersten Gelder überhaupt abgerufen werden – auch von Kommunen im Kreis Minden-Lübbecke. Dabei ist es mit der technischen Ausstattung noch nicht getan: Für einen modernen Unterricht, in dem zeitgemäße Technik zum Erarbeiten von Themen eingesetzt wird, in dem die Schüler echte Medienkompetenz erwerben, ist mehr nötig: Fortbildungen für Lehrer, die Ausstattung mit Software, Konzepte für den Einsatz digitaler Mittel. Wenn die Qualität der Bildung für die Zukunft entscheidend ist, sollten wir für unser aller Zukunft hoffen, dass die Aufmerksamkeit, die derzeit auf den Defiziten im Land liegt, nicht mit der Pandemie endet.?Seite 3

Standpunkt zur Digitalisierung an Schulen: Mangelhaft digital

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Es gibt nur wenige Dinge, die positiv an der Corona-Krise sind. Doch eins haben wir ihr definitiv zu verdanken: Einem Brennglas gleich richtet sie schonungslos unseren Blick auf die Schwachpunkte und Versäumnisse. Auf kleine und große Katastrophen, die wir viel zu lange nicht betrachtet haben. Bekannt waren sie allerdings alle.

Heute richtet die Redaktion das Brennglas auf den Zustand der Digitalisierung an Mindener Schulen. Vor etwas mehr als einem Jahr, am 13. März 2020, fiel die Entscheidung, die Schulen zu schließen. Viele Artikel zum Thema Homeschooling, Digitalisierung und Distanzunterricht sind seitdem erschienen. Mit einer Umfrage unter den Schulen haben wir nun aber erstmals versucht, eine Bestandsaufnahme zum Stand der Digitalisierung zu erstellen. Mit einer Serie werden wir die verschiedenen Bereiche betrachten.

Die Ergebnisse der Umfrage aber sollten niemanden überraschen. Es ist das Bild, das sich quer durch viele Institutionen im ganzen Land zieht: Es gibt kaum digitales Lernen, sondern überwiegend frontalen Distanzunterricht. Es mangelt an technischer Ausstattung, ausgebildetem Personal und alltagstauglicher Umsetzung. Ein komplettes Desaster.

Denn das alles ist schon lange klar: Seit Jahren fordern Schulen, Schülervertreter, Lehrer- und Elternverbände, dass sich etwas tut. Weil es aber immer „irgendwie geklappt hat“, weil immer der Leidensdruck bei Schülern, Lehrern und Eltern lag, und damit eine schwache Lobby hatte, hat sich nichts getan. Und immer wieder hat die Politik versprochen und vertröstet.

Ein Beispiel? Erst im Mai 2019 wird mit dem „Digitalpakt“ Geld bereitgestellt, um Deutschlands Schulen auf den technischen Stand zu bringen, den andere Industrieländer wie Finnland, die Niederlande oder auch Estland schon Jahre zuvor erreicht haben. Doch damit nicht genug: Es dauert teilweise mehr als ein Jahr, bis die ersten Gelder überhaupt abgerufen werden – auch von Kommunen im Kreis Minden-Lübbecke.

Dabei ist es mit der technischen Ausstattung noch nicht getan: Für einen modernen Unterricht, in dem zeitgemäße Technik zum Erarbeiten von Themen eingesetzt wird, in dem die Schüler echte Medienkompetenz erwerben, ist mehr nötig: Fortbildungen für Lehrer, die Ausstattung mit Software, Konzepte für den Einsatz digitaler Mittel.

Wenn die Qualität der Bildung für die Zukunft entscheidend ist, sollten wir für unser aller Zukunft hoffen, dass die Aufmerksamkeit, die derzeit auf den Defiziten im Land liegt, nicht mit der Pandemie endet.?Seite 3

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