Standpunkt zur Corona-Lage: Das System hält - noch Benjamin Piel Von Zeit zu Zeit ist es notwendig, sich zu vergegenwärtigen, was die Corona-Maßnahmen eigentlich bewirken sollen. Das kann im Trubel der Ereignisse und beim Regelwirrwarr leicht untergehen. Eine Unklarheit hinsichtlich des Ziels könnte den falschen Schluss nach sich ziehen, es seien Regeln um der Regeln willen. Dabei gibt es ein festes Ziel – und zwar vom ersten Tag der Pandemie an. Es erscheint inzwischen berechtigter zu sein als je zuvor in diesem Jahr. Das Ziel lautet: Das deutsche Gesundheitssystem darf nicht so stark belastet werden, dass es am Ende selbst zum Pandemie-Patienten wird. Es geht nicht darum, dass die Covid-Erkrankung pestgleich die halbe Bevölkerung dahinraffen könnte. Sondern darum, dass die Krankenhäuser nicht vor lauter Covid-Kranken so überfüllt sind, dass in der Folge gut zu behandelnde Erkrankungen zum lebensgefährlichen Risiko werden. Schlicht, weil Platz und Personal fehlen, alle gleichzeitig zu versorgen. Nun ist das deutsche Gesundheitssystem eines der stabilsten. Für die Corona-Lage besonders relevant: Deutschland hat laut OECD im internationalen Vergleich die meisten Intensivbetten pro 100.000 Einwohner. Dieser Fakt verleitetet zur These, die Maßnahmen seien ja übertrieben, das deutsche System so stark, dass es gar nicht an den Rand zu bringen sei. Inzwischen wird allerdings auch vor Ort klar, dass von falschem Alarmismus keine Rede sein kann. Denn auch in Minden-Lübbecke geht es merklich auf die Grenze des Machbaren zu. Sagen will das so deutlich niemand. Wer allerdings wach auf die Puzzleteile schaut, die auf dem Tisch liegen, kann daraus flugs das Bild zusammensetzen. 26 Covid-Patienten liegen Stand Donnerstag auf Intensivstationen – 17 davon werden beatmet. So viele wie nie in diesem Jahr. Fast täglich sterben nun (meist ältere) Menschen an der Erkrankung. Der Rettungsdienst ist belastet wie seit Langem nicht. Im Krankenhaus Rahden gilt ein Aufnahmestopp, lediglich eine Notversorgung ist sichergestellt. Im Krankenhaus Lübbecke gab es einen Ausbruch auch unter den Mitarbeitern. Die Bettenzahl musste verringert werden, das Haus ist nur noch eingeschränkt handlungsfähig. Das Mindener Klinikum hat mit der Situation zu kämpfen. Die Kapazitäten beispielsweise im chirurgischen Bereich sinken mit der wachsenden Zahl an Covid-Patienten. Unfallchirurgische Fälle müssen in andere Krankenhäuser verlegt werden, wo das Aufnahmevolumen aber auch sinkt. Noch ist die Lage im Griff. Doch von einer entspannten Situation spricht niemand mehr. Es ist deshalb gut, an das übergeordnete Ziel des Abstandhaltens und des Masketragens zu erinnern. Damit die schon heute angespannte Situation im Gesundheitswesen nicht ins Chaotische kippt.

Standpunkt zur Corona-Lage: Das System hält - noch

Von Zeit zu Zeit ist es notwendig, sich zu vergegenwärtigen, was die Corona-Maßnahmen eigentlich bewirken sollen. Das kann im Trubel der Ereignisse und beim Regelwirrwarr leicht untergehen. Eine Unklarheit hinsichtlich des Ziels könnte den falschen Schluss nach sich ziehen, es seien Regeln um der Regeln willen. Dabei gibt es ein festes Ziel – und zwar vom ersten Tag der Pandemie an. Es erscheint inzwischen berechtigter zu sein als je zuvor in diesem Jahr.

Piel - © Piel
Piel - © Piel

Das Ziel lautet: Das deutsche Gesundheitssystem darf nicht so stark belastet werden, dass es am Ende selbst zum Pandemie-Patienten wird. Es geht nicht darum, dass die Covid-Erkrankung pestgleich die halbe Bevölkerung dahinraffen könnte. Sondern darum, dass die Krankenhäuser nicht vor lauter Covid-Kranken so überfüllt sind, dass in der Folge gut zu behandelnde Erkrankungen zum lebensgefährlichen Risiko werden. Schlicht, weil Platz und Personal fehlen, alle gleichzeitig zu versorgen.

Nun ist das deutsche Gesundheitssystem eines der stabilsten. Für die Corona-Lage besonders relevant: Deutschland hat laut OECD im internationalen Vergleich die meisten Intensivbetten pro 100.000 Einwohner. Dieser Fakt verleitetet zur These, die Maßnahmen seien ja übertrieben, das deutsche System so stark, dass es gar nicht an den Rand zu bringen sei. Inzwischen wird allerdings auch vor Ort klar, dass von falschem Alarmismus keine Rede sein kann. Denn auch in Minden-Lübbecke geht es merklich auf die Grenze des Machbaren zu. Sagen will das so deutlich niemand. Wer allerdings wach auf die Puzzleteile schaut, die auf dem Tisch liegen, kann daraus flugs das Bild zusammensetzen.

26 Covid-Patienten liegen Stand Donnerstag auf Intensivstationen – 17 davon werden beatmet. So viele wie nie in diesem Jahr. Fast täglich sterben nun (meist ältere) Menschen an der Erkrankung. Der Rettungsdienst ist belastet wie seit Langem nicht. Im Krankenhaus Rahden gilt ein Aufnahmestopp, lediglich eine Notversorgung ist sichergestellt. Im Krankenhaus Lübbecke gab es einen Ausbruch auch unter den Mitarbeitern. Die Bettenzahl musste verringert werden, das Haus ist nur noch eingeschränkt handlungsfähig. Das Mindener Klinikum hat mit der Situation zu kämpfen. Die Kapazitäten beispielsweise im chirurgischen Bereich sinken mit der wachsenden Zahl an Covid-Patienten. Unfallchirurgische Fälle müssen in andere Krankenhäuser verlegt werden, wo das Aufnahmevolumen aber auch sinkt.

Noch ist die Lage im Griff. Doch von einer entspannten Situation spricht niemand mehr. Es ist deshalb gut, an das übergeordnete Ziel des Abstandhaltens und des Masketragens zu erinnern. Damit die schon heute angespannte Situation im Gesundheitswesen nicht ins Chaotische kippt.

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