Standpunkt zur Corona-Demo der AfD: Nicht nur peinlich, sondern im höchsten Maße unanständig Henning Wandel Nach 21 Uhr bin ich in diesen Tagen kaum unterwegs. Ob es eine Ausgangsbeschränkung gibt oder nicht, könnte mir also völlig egal sein. Und das Stäbchen in der Nase ist unangenehm, aber durchaus zu ertragen. Trotzdem bereiten die Corona-Maßnahmen auch mir Unbehagen. Natürlich, schließlich gibt es eine ganze Reihe von mehr oder weniger tiefgreifenden Einschnitten in wichtige Grundrechte. Nicht zuletzt leiden darunter übrigens die vielen Jugendlichen, die sich jetzt langsam von ihren Familien abnabeln müssten, um ihren Platz in der Gesellschaft zu finden. Dafür sollten sie auch mal über die Stränge schlagen dürfen – so wie viele Jahrgänge vor ihnen das auch getan haben. Es gibt also gute Gründe, über Sinn und Unsinn der Maßnahmen zu diskutieren – auch in aller gebotenen Schärfe. Wer es aber mit seiner Kritik ernst meint, täte gut daran, den Boden eines guten menschlichen Umgangs nicht zu verlassen. Doch ausgerechnet die AfD, die sich auf ihren vordergründig bürgerlichen Kern, auf ihren moralischen, sittlichen Kompass so viel einbildet, dass sie alle anderen als „rot-grün versifft“ diskreditiert, tanzt auf dem Marktplatz albern zu einem Lied, in dem es heißt, man möge sich Tests, Quarantäne und Ausgangssperre „in den Arsch“ stecken, schließlich sei Corona ja vorbei. Mit dabei: die Stadtverordneten Landwehr und Dunklau sowie Kreistagsmitglied Röckemann, letzterer gleichzeitig mit einem gut dotierten Sitz im Landtag ausgestattet. Auf den ersten Blick eine billige Geschmacklosigkeit, für die sich in einer von der AfD glorifizierten Bürgerlichkeit wohl jeder Pennäler den Mund mit Seife würde putzen müssen. Geschenkt. Aber wie müssen sich die Menschen fühlen, die wegen des Virus einen Angehörigen verloren haben? Wie fühlen sich diejenigen, die seit mehr als einem Jahr weit über der Belastungsgrenze arbeiten, damit nicht noch mehr Menschen sterben? Nicht irgendwo, sondern ganz in der Nähe. Auch in Minden ist die Situation auf der Intensivstation angespannt. Corona ist vorbei? Schön wär’s. Aber anstatt ernsthaft über ihre Bedenken gegenüber den Maßnahmen zu sprechen, steckt sich die Mindener AfD lieber alles Mögliche dorthin, wo nie die Sonne scheint, und verhöhnt damit alle, die gegen die Pandemie ankämpfen ebenso wie diejenigen, die diesen Kampf bereits verloren haben. Und sie bereitet mit ihrer Ignoranz den Boden für weitere Verlängerungen der verhassten Maßnahmen und – man kann es nicht anders sagen – für noch mehr Leid und Tod. Aber vielleicht passt die Pandemie der AfD ja ganz gut in den Wahlkampfplan. Schließlich ist das Abendland immer noch nicht untergegangen, wie es die Partei nach Merkels „Wir schaffen das“ herbeireden wollte. Wie auch immer: Die Auftritte vor dem Mindener Rathaus sind nicht nur peinlich, sondern im höchsten Maße unanständig.

Standpunkt zur Corona-Demo der AfD: Nicht nur peinlich, sondern im höchsten Maße unanständig

Die AfD veranstaltete am vergangenen Montag eine Corona-Demo auf dem Mindener Marktplatz. Foto: © Christian Bendig

Nach 21 Uhr bin ich in diesen Tagen kaum unterwegs. Ob es eine Ausgangsbeschränkung gibt oder nicht, könnte mir also völlig egal sein. Und das Stäbchen in der Nase ist unangenehm, aber durchaus zu ertragen. Trotzdem bereiten die Corona-Maßnahmen auch mir Unbehagen. Natürlich, schließlich gibt es eine ganze Reihe von mehr oder weniger tiefgreifenden Einschnitten in wichtige Grundrechte. Nicht zuletzt leiden darunter übrigens die vielen Jugendlichen, die sich jetzt langsam von ihren Familien abnabeln müssten, um ihren Platz in der Gesellschaft zu finden. Dafür sollten sie auch mal über die Stränge schlagen dürfen – so wie viele Jahrgänge vor ihnen das auch getan haben.

Es gibt also gute Gründe, über Sinn und Unsinn der Maßnahmen zu diskutieren – auch in aller gebotenen Schärfe. Wer es aber mit seiner Kritik ernst meint, täte gut daran, den Boden eines guten menschlichen Umgangs nicht zu verlassen. Doch ausgerechnet die AfD, die sich auf ihren vordergründig bürgerlichen Kern, auf ihren moralischen, sittlichen Kompass so viel einbildet, dass sie alle anderen als „rot-grün versifft“ diskreditiert, tanzt auf dem Marktplatz albern zu einem Lied, in dem es heißt, man möge sich Tests, Quarantäne und Ausgangssperre „in den Arsch“ stecken, schließlich sei Corona ja vorbei. Mit dabei: die Stadtverordneten Landwehr und Dunklau sowie Kreistagsmitglied Röckemann, letzterer gleichzeitig mit einem gut dotierten Sitz im Landtag ausgestattet.

Auf den ersten Blick eine billige Geschmacklosigkeit, für die sich in einer von der AfD glorifizierten Bürgerlichkeit wohl jeder Pennäler den Mund mit Seife würde putzen müssen. Geschenkt. Aber wie müssen sich die Menschen fühlen, die wegen des Virus einen Angehörigen verloren haben? Wie fühlen sich diejenigen, die seit mehr als einem Jahr weit über der Belastungsgrenze arbeiten, damit nicht noch mehr Menschen sterben? Nicht irgendwo, sondern ganz in der Nähe. Auch in Minden ist die Situation auf der Intensivstation angespannt. Corona ist vorbei? Schön wär’s.

Aber anstatt ernsthaft über ihre Bedenken gegenüber den Maßnahmen zu sprechen, steckt sich die Mindener AfD lieber alles Mögliche dorthin, wo nie die Sonne scheint, und verhöhnt damit alle, die gegen die Pandemie ankämpfen ebenso wie diejenigen, die diesen Kampf bereits verloren haben. Und sie bereitet mit ihrer Ignoranz den Boden für weitere Verlängerungen der verhassten Maßnahmen und – man kann es nicht anders sagen – für noch mehr Leid und Tod.

Aber vielleicht passt die Pandemie der AfD ja ganz gut in den Wahlkampfplan. Schließlich ist das Abendland immer noch nicht untergegangen, wie es die Partei nach Merkels „Wir schaffen das“ herbeireden wollte. Wie auch immer: Die Auftritte vor dem Mindener Rathaus sind nicht nur peinlich, sondern im höchsten Maße unanständig.

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