Standpunkt zum Thema Baerbock und Minden: Voll auf die Fehler Benjamin Piel Die grüne Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock hat abgeschrieben. Wobei: Wahrscheinlich war es ein anderer. Denn es steht zwar ihr Name auf dem Buchdeckel, doch geschrieben hat es wohl eher ein Ghostwriter. Also ein professioneller Schreiber, der die Gedanken seiner Auftraggeber zu Papier bringt. In Baerbocks Buch „Jetzt“ stehen einige Sätze, die vorher schon anderswo aufgetaucht waren. Und das, nachdem bereits bekanntgeworden war, dass die Kanzlerkandidatin ihren Lebenslauf frisiert und Nebeneinkünfte nicht angegeben hatte. Der Glaubwürdigkeit dürfte das alles schwer geschadet haben. Doch nach längerer Vorrede gibt es ein entscheidendes „Aber“. Und das ermöglicht eine Verbindung zwischen Baerbock und Minden. Denn zumindest die Plagiate aus dem Buch kamen womöglich nicht rein zufällig ans Licht (auch wenn Stefan Weber, der die Vorwürfe als Erster erhoben hatte, betont, er sei von niemandem beauftragt). Recherchen von t-online.de legen nahe, dass Baerbock-Gegner nach einem Plagiate-Experten gesucht hatten, der gegen Bezahlung das Buch auf Abgeschriebenes hin untersuchen sollte. Das Finden von belastendem Material in Auftrag zu geben, um den politischen Kontrahenten auf die Bretter zu schicken, ist nicht verboten. Ätzend und dreckig ist es aber sehr wohl. Und da kommen wir in Minden an. Denn da sucht zwar niemand in Büchern politischer Gegner nach Fehlern. Aber sehr wohl überall sonst. Da sezieren einige Akteure jeden Halbsatz, jede Mail, gar jeden Mail-Kopf, erheben Vorwürfe, diskreditieren, würdigen herab, beschuldigen, geifern – je öffentlicher, desto besser. Kritik ist notwendig und insofern auch das Herausarbeiten von Fehlern politischer Akteure. Aber wie unbedeutend darf es werden? Wie sehr soll sich im politischen Raum alles nur noch auf die Suche nach Fehlern konzentrieren? Wem hilft es, wenn Mikrokleines zum Riesenskandal zu stilisieren versucht wird? Zu welcher Atmosphäre des Misstrauens soll das führen? Das hat vieles zur Folge, vor allem aber Dreierlei: dass immer weniger Menschen bereit sind, sich politisch zu engagieren, um nicht persönlich verheizt und öffentlich bedreckt zu werden. Dass es immer weniger um die Sache und immer mehr um laut vorgetragene Belanglosigkeiten geht. Und dass Bürger sich zunehmend von Kommunalpolitik abwenden, weil sie genug von derlei Schmierentheater haben. Das alles mag einzelnen Selbstdarstellern helfen – der großen Mehrheit schadet es. Wie wäre es damit, die eigenen Ideen und nicht die Fehler der anderen zum Kern zu erklären? Nach Lösungen statt nach der großen Pauschalverurteilung zu suchen? Das beherrschen die Gegner-Diffamierer und Fehler-Sucher meistens nicht so gut. Sonst wären sie nämlich keine solchen.

Standpunkt zum Thema Baerbock und Minden: Voll auf die Fehler

Die grüne Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock hat abgeschrieben. Wobei: Wahrscheinlich war es ein anderer. Denn es steht zwar ihr Name auf dem Buchdeckel, doch geschrieben hat es wohl eher ein Ghostwriter. Also ein professioneller Schreiber, der die Gedanken seiner Auftraggeber zu Papier bringt. In Baerbocks Buch „Jetzt“ stehen einige Sätze, die vorher schon anderswo aufgetaucht waren. Und das, nachdem bereits bekanntgeworden war, dass die Kanzlerkandidatin ihren Lebenslauf frisiert und Nebeneinkünfte nicht angegeben hatte. Der Glaubwürdigkeit dürfte das alles schwer geschadet haben.

Piel - © Piel
Piel - © Piel

Doch nach längerer Vorrede gibt es ein entscheidendes „Aber“. Und das ermöglicht eine Verbindung zwischen Baerbock und Minden. Denn zumindest die Plagiate aus dem Buch kamen womöglich nicht rein zufällig ans Licht (auch wenn Stefan Weber, der die Vorwürfe als Erster erhoben hatte, betont, er sei von niemandem beauftragt). Recherchen von t-online.de legen nahe, dass Baerbock-Gegner nach einem Plagiate-Experten gesucht hatten, der gegen Bezahlung das Buch auf Abgeschriebenes hin untersuchen sollte.

Das Finden von belastendem Material in Auftrag zu geben, um den politischen Kontrahenten auf die Bretter zu schicken, ist nicht verboten. Ätzend und dreckig ist es aber sehr wohl. Und da kommen wir in Minden an. Denn da sucht zwar niemand in Büchern politischer Gegner nach Fehlern. Aber sehr wohl überall sonst. Da sezieren einige Akteure jeden Halbsatz, jede Mail, gar jeden Mail-Kopf, erheben Vorwürfe, diskreditieren, würdigen herab, beschuldigen, geifern – je öffentlicher, desto besser.

Kritik ist notwendig und insofern auch das Herausarbeiten von Fehlern politischer Akteure. Aber wie unbedeutend darf es werden? Wie sehr soll sich im politischen Raum alles nur noch auf die Suche nach Fehlern konzentrieren? Wem hilft es, wenn Mikrokleines zum Riesenskandal zu stilisieren versucht wird? Zu welcher Atmosphäre des Misstrauens soll das führen?

Das hat vieles zur Folge, vor allem aber Dreierlei: dass immer weniger Menschen bereit sind, sich politisch zu engagieren, um nicht persönlich verheizt und öffentlich bedreckt zu werden. Dass es immer weniger um die Sache und immer mehr um laut vorgetragene Belanglosigkeiten geht. Und dass Bürger sich zunehmend von Kommunalpolitik abwenden, weil sie genug von derlei Schmierentheater haben. Das alles mag einzelnen Selbstdarstellern helfen – der großen Mehrheit schadet es.

Wie wäre es damit, die eigenen Ideen und nicht die Fehler der anderen zum Kern zu erklären? Nach Lösungen statt nach der großen Pauschalverurteilung zu suchen? Das beherrschen die Gegner-Diffamierer und Fehler-Sucher meistens nicht so gut.

Sonst wären sie nämlich keine solchen.

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