Standpunkt zum Krisenmanagement der Mindener Verwaltung: Mal wieder zu spät Nina Könemann Stereotype sind eine hartnäckige Sache: Steckt man einmal in einer Schublade, ist der Weg nach draußen schwer. Wir Journalisten zum Beispiel können angeblich kein Mathe, sind Chaoten, dabei ziemlich divenhaft und irgendwie auch samt und sonders schräge Vögel. Kreativlinge halt. Vieles davon mag nicht falsch sein, wer aber einen Tag lang unsere Konferenzen begleitet, wird feststellen: Der Haufen ist ziemlich diszipliniert und organisiert. Sonst würden wir gar nicht täglich eine Zeitung hinbekommen. Es lohnt also, Stereotype mit der Realität abzugleichen. Umso ärgerlicher ist es, wenn Vorurteile auch noch öffentlich zementiert werden. Die Mindener Verwaltung liefert darin gerade ein Paradebeispiel ab. Unflexibel, kompliziert, wenig kundenorientiert – wer auf dem „Amt“ arbeitet, hört sich privat sicher einiges an. Die Organisation des Bürgerbüros aber ist seit eineinhalb Jahren genau das: bürokratisches Versagen nach allen Regeln der Kunst. Bereits vor Monaten berichtete das MT, dass Menschen teilweise Wochen auf einen Termin im Bürgerbüro warten. Viele bekommen erst gar keinen und sind verzweifelt, weil sie ihren Personalausweis für eine Reise verlängern oder andere wichtige Dokumente beantragen müssen. Die Verwaltung aber bietet weiter nur die Hälfte der sonst verfügbaren Termine an. Im Rathaus selbst scheint man das als höhere Macht zu begreifen. Denn auf Anfragen antwortet man gemäß des gängigen Klischees: kompliziert. Man müsse die Teams teilen, daher stünden weniger Termine zur Verfügung. Feste Zeitslots würden das Problem verschärfen. Auch neue Mitarbeiter einzuarbeiten würde dauern. Botschaft: Uns sind die Hände gebunden. Nach kreativen Lösungen, die in der Pandemie alle finden mussten, sieht das nicht aus. Dabei gäbe es doch Ideen. Warum zum Beispiel wurde bei dem geringen Platzangebot nicht nach Ausweichflächen gesucht? Das Bürgerbüro könnte in Minden zwei bis drei Außenstellen aufmachen. Raum würde sich sicher finden lassen, immerhin waren zahlreiche Geschäfte und Restaurants über Monate geschlossen. Warum werden nicht mehr Angebote digital ausgerollt? Und warum wird nicht unterschieden zwischen einer Zeit, in der die Inzidenz über 100 liegt oder jetzt, wo sie sich unter 10 einpendelt? Es würde der Verwaltung gut tun, sich mehr als Dienstleister für ihre Bürger zu begreifen statt Bedenken zu wälzen. Es braucht mehr Mut. Auch beim Bürgermeister: Der verschickte im Juni einen Brief an alle Haushalte, in dem er für Zusammenhalt, aber auch Abstand warb. Danach folgte eine Reihe von Links, wo Bürger sich über die Pandemie informieren können. Keine schlechte Idee – nach eineinhalb Jahren mit Corona aber auch ein schlechter Scherz. Mal wieder zu spät – und ausgedruckt auf Papier. Auch da bestätigt die Verwaltung ein Vorurteil, das sie lieber entkräften sollte.

Standpunkt zum Krisenmanagement der Mindener Verwaltung: Mal wieder zu spät

Stereotype sind eine hartnäckige Sache: Steckt man einmal in einer Schublade, ist der Weg nach draußen schwer. Wir Journalisten zum Beispiel können angeblich kein Mathe, sind Chaoten, dabei ziemlich divenhaft und irgendwie auch samt und sonders schräge Vögel. Kreativlinge halt. Vieles davon mag nicht falsch sein, wer aber einen Tag lang unsere Konferenzen begleitet, wird feststellen: Der Haufen ist ziemlich diszipliniert und organisiert. Sonst würden wir gar nicht täglich eine Zeitung hinbekommen. Es lohnt also, Stereotype mit der Realität abzugleichen.

Nina Könemann - © Alex Lehn
Nina Könemann - © Alex Lehn

Umso ärgerlicher ist es, wenn Vorurteile auch noch öffentlich zementiert werden. Die Mindener Verwaltung liefert darin gerade ein Paradebeispiel ab. Unflexibel, kompliziert, wenig kundenorientiert – wer auf dem „Amt“ arbeitet, hört sich privat sicher einiges an. Die Organisation des Bürgerbüros aber ist seit eineinhalb Jahren genau das: bürokratisches Versagen nach allen Regeln der Kunst.

Bereits vor Monaten berichtete das MT, dass Menschen teilweise Wochen auf einen Termin im Bürgerbüro warten. Viele bekommen erst gar keinen und sind verzweifelt, weil sie ihren Personalausweis für eine Reise verlängern oder andere wichtige Dokumente beantragen müssen. Die Verwaltung aber bietet weiter nur die Hälfte der sonst verfügbaren Termine an.

Im Rathaus selbst scheint man das als höhere Macht zu begreifen. Denn auf Anfragen antwortet man gemäß des gängigen Klischees: kompliziert. Man müsse die Teams teilen, daher stünden weniger Termine zur Verfügung. Feste Zeitslots würden das Problem verschärfen. Auch neue Mitarbeiter einzuarbeiten würde dauern. Botschaft: Uns sind die Hände gebunden.

Nach kreativen Lösungen, die in der Pandemie alle finden mussten, sieht das nicht aus. Dabei gäbe es doch Ideen. Warum zum Beispiel wurde bei dem geringen Platzangebot nicht nach Ausweichflächen gesucht? Das Bürgerbüro könnte in Minden zwei bis drei Außenstellen aufmachen. Raum würde sich sicher finden lassen, immerhin waren zahlreiche Geschäfte und Restaurants über Monate geschlossen. Warum werden nicht mehr Angebote digital ausgerollt? Und warum wird nicht unterschieden zwischen einer Zeit, in der die Inzidenz über 100 liegt oder jetzt, wo sie sich unter 10 einpendelt? Es würde der Verwaltung gut tun, sich mehr als Dienstleister für ihre Bürger zu begreifen statt Bedenken zu wälzen. Es braucht mehr Mut.

Auch beim Bürgermeister: Der verschickte im Juni einen Brief an alle Haushalte, in dem er für Zusammenhalt, aber auch Abstand warb. Danach folgte eine Reihe von Links, wo Bürger sich über die Pandemie informieren können. Keine schlechte Idee – nach eineinhalb Jahren mit Corona aber auch ein schlechter Scherz. Mal wieder zu spät – und ausgedruckt auf Papier. Auch da bestätigt die Verwaltung ein Vorurteil, das sie lieber entkräften sollte.

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