Pro und Contra zu Tempo 30 in der Innenstadt Jan Henning Rogge,Carsten Korfesmeyer Minden. Tempo 30 in der Innenstadt? Darüber diskutiert die Mindener Politik Anfang Februar. Zwei MT-Redakteure haben zu diesem Thema klare Meinungen. Diese haben sie in einem Pro und Contra aufgeschrieben. 30 ist das neue 50 Ein Pro von Jan Henning Rogge Tempo 30 in der Innenstadt – ein Traum für Radfahrer und Fußgänger würde wahr. Denn es macht einen gewaltigen Unterschied, ob ein Auto mit 50 – also laut Tacho 60, die 10 km/h kosten ja fast nichts – ohne Sicherheitsabstand vorbeirauscht, oder mit dann 40. Über Sicherheitsaspekte wie Bremswege, Schwere von Unfallfolgen oder Umweltaspekte brauchen wir da gar nicht erst reden – denn die sind unumstößlich belegt. Spannender wäre es dann doch, den tatsächlichen Zeitverlust zu messen, der bei einer Fahrt durch eine Stadt wie Minden mit 30 statt 50 km/h entstehen würde: Da geht es um Minuten. Minuten von Menschen in klimatisierten SUVs, die über die Gesundheit und das Wohlbefinden der schwächeren Verkehrsteilnehmer entscheiden können. Die Frage, die über allen anderen kommunalen verkehrspolitischen Fragen stehen sollte, ist die: Für wen sollen unsere Städte da sein – für ihre Bewohner oder für die Autos? Wer diese Frage im Sinne der Bewohner beantwortet, braucht nicht mehr lange überlegen, ob 30 das neue 50 sein soll – der führt es ein. Am Ziel vorbei Ein Contra von Carsten Korfesmeyer Herrscht grundsätzlich Tempo 30 in der Innenstadt, droht der gewünschte Effekt zu verpuffen. Denn eine solche Regelung hätte nicht mehr diese hohe Signalkraft der bislang ausgewiesenen Zonen. Die Verkehrsteilnehmer würden die Risiken dieser Streckenabschnitte nicht mehr so intensiv wahrnehmen – mit der Folge, dass sie wohl schneller als erlaubt unterwegs sind. Blitzen? Das darf dann nicht die einzige Antwort bleiben. Es geht um mehr Verkehrssicherheit und da ist etwas mehr an Kreativität gefragt. Bauliche Veränderungen könnten die Geschwindigkeiten senken. Dann braucht es oft nicht einmal mehr spezielle Tempo-30-Zonen. Der Ruf nach einer Drosselung der Geschwindigkeiten ist immer schnell da, wenn es um die Verkehrssicherheit geht. Und Raserei ist sicherlich eine häufige Unfallursache, aber nicht die einzige. Das sollten die Planer nicht aus den Augen verlieren.

Pro und Contra zu Tempo 30 in der Innenstadt

Symbolbild: © Unsplash

Minden. Tempo 30 in der Innenstadt? Darüber diskutiert die Mindener Politik Anfang Februar. Zwei MT-Redakteure haben zu diesem Thema klare Meinungen. Diese haben sie in einem Pro und Contra aufgeschrieben.

30 ist das neue 50

Ein Pro von Jan Henning Rogge

Tempo 30 in der Innenstadt – ein Traum für Radfahrer und Fußgänger würde wahr. Denn es macht einen gewaltigen Unterschied, ob ein Auto mit 50 – also laut Tacho 60, die 10 km/h kosten ja fast nichts – ohne Sicherheitsabstand vorbeirauscht, oder mit dann 40. Über Sicherheitsaspekte wie Bremswege, Schwere von Unfallfolgen oder Umweltaspekte brauchen wir da gar nicht erst reden – denn die sind unumstößlich belegt.

Spannender wäre es dann doch, den tatsächlichen Zeitverlust zu messen, der bei einer Fahrt durch eine Stadt wie Minden mit 30 statt 50 km/h entstehen würde: Da geht es um Minuten. Minuten von Menschen in klimatisierten SUVs, die über die Gesundheit und das Wohlbefinden der schwächeren Verkehrsteilnehmer entscheiden können.

Die Frage, die über allen anderen kommunalen verkehrspolitischen Fragen stehen sollte, ist die: Für wen sollen unsere Städte da sein – für ihre Bewohner oder für die Autos? Wer diese Frage im Sinne der Bewohner beantwortet, braucht nicht mehr lange überlegen, ob 30 das neue 50 sein soll – der führt es ein.


Am Ziel vorbei

Ein Contra von Carsten Korfesmeyer

Herrscht grundsätzlich Tempo 30 in der Innenstadt, droht der gewünschte Effekt zu verpuffen. Denn eine solche Regelung hätte nicht mehr diese hohe Signalkraft der bislang ausgewiesenen Zonen. Die Verkehrsteilnehmer würden die Risiken dieser Streckenabschnitte nicht mehr so intensiv wahrnehmen – mit der Folge, dass sie wohl schneller als erlaubt unterwegs sind.

Blitzen? Das darf dann nicht die einzige Antwort bleiben. Es geht um mehr Verkehrssicherheit und da ist etwas mehr an Kreativität gefragt. Bauliche Veränderungen könnten die Geschwindigkeiten senken. Dann braucht es oft nicht einmal mehr spezielle Tempo-30-Zonen.

Der Ruf nach einer Drosselung der Geschwindigkeiten ist immer schnell da, wenn es um die Verkehrssicherheit geht. Und Raserei ist sicherlich eine häufige Unfallursache, aber nicht die einzige. Das sollten die Planer nicht aus den Augen verlieren.

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