Leidige Parallelen: Standpunkt zur Reaktion der heimischen Politik auf die nächste geplatzte Millionen-Förderung Benjamin Piel Es ist erstaunlich, wie gelassen Teile der Mindener Politik auf den erneuten Wegfall einer Förderung reagieren. Mehr als vier Millionen Euro hätten in die Stadttheater-Sanierung fließen sollen. Die prognostizierten Gesamtkosten von zehn Millionen Euro zahlt die Stadt nun allein. Und weite Teile der Stadtpolitik nehmen das artig zur Kenntnis. Dabei wäre es an der Zeit, sich kritisch damit auseinanderzusetzen, wie es erneut dazu kommen konnte. Denn schon vor einem Jahr war bekannt geworden, dass aus einer Millionen-Förderung für den Multihallen-Bau nichts wird. Das seien ganz unterschiedliche Fälle, tönt es von einem Großteil der Politik. Doch es gibt mindestens drei Querverbindungen, die nicht vom Tisch gewischt werden sollten. Nur so lässt sich für die Zukunft lernen, wie es besser laufen könnte.Erstens: Planungen und Förderrichtlinien passten in beiden Fällen nicht zusammen. Bei der Dann-doch-nicht-Förderung der Multihalle ging es beim Paket, das die Stadt im Blick hatte, nicht um Neubauten. Bei der Dann-doch-nicht-Förderung des Theaters passte von Anfang an der Zeitplan nicht. Der hätte anders getaktet werden müssen, hätte es mit der Förderung gelingen sollen. Schnell und gefördert – von dieser Kombination war klar, dass sie nicht aufgehen würde. Es zeigt sich die Symptomatik einer Planung, die nicht aus einem Guss ist. Vielleicht wäre für die Stadt die Beratung eines Dienstleisters gut, der sich mit diesem hochkomplexen Thema hauptberuflich beschäftigt. Zweitens: In beiden Fällen hat der hiesige Bundestagsabgeordnete Achim Post (SPD) kommuniziert, dass Minden mit Millionen rechnen kann. Im ersten Fall gar nicht, im zweiten nur schwer erkennbar war in den Mitteilungen zu lesen, dass noch nichts entschieden ist. Und für das MT ist selbstkritisch einzugestehen: Es wäre gut gewesen, die Meldungen zu relativieren. Beide Mal ist für die Öffentlichkeit der Eindruck entstanden, ein Versprechen sei gebrochen worden. Besser wäre es, vorsichtig zu kommunizieren. Das strahlt und glänzt dann bei der PR in eigener Sache für einen Abgeordneten nicht so schön. Aber dafür kann am Ende niemand den Vorwurf erheben, es seien unangemessene Meldungen verbreitet worden. Drittens: In beiden Fällen hat die Verwaltung nur zögerlich kommuniziert. Im ersten Fall verschwieg Bürgermeister Michael Jäcke (SPD) die schlechte Nachricht im Wahlkampf gleich ganz. Nun teilte die Verwaltung die Entwicklung erst auf Nachfrage mit – knapp zwei Wochen, nachdem sie davon erfahren hatte. So schnell wie möglich auch schlechte Nachrichten zu verkünden, das würde Vertrauen schaffen statt Zweifel zu wecken, ob da nicht vielleicht noch mehr schmort. Für eine steile Lernkurve sprechen die drei Parallelen nicht. Vielleicht beim nächsten Mal?

Leidige Parallelen: Standpunkt zur Reaktion der heimischen Politik auf die nächste geplatzte Millionen-Förderung

Es ist erstaunlich, wie gelassen Teile der Mindener Politik auf den erneuten Wegfall einer Förderung reagieren. Mehr als vier Millionen Euro hätten in die Stadttheater-Sanierung fließen sollen. Die prognostizierten Gesamtkosten von zehn Millionen Euro zahlt die Stadt nun allein. Und weite Teile der Stadtpolitik nehmen das artig zur Kenntnis.

MT-Chefredakteur Benjamin Piel. MT-Foto: - © Alex Lehn
MT-Chefredakteur Benjamin Piel. MT-Foto: - © Alex Lehn

Dabei wäre es an der Zeit, sich kritisch damit auseinanderzusetzen, wie es erneut dazu kommen konnte. Denn schon vor einem Jahr war bekannt geworden, dass aus einer Millionen-Förderung für den Multihallen-Bau nichts wird. Das seien ganz unterschiedliche Fälle, tönt es von einem Großteil der Politik. Doch es gibt mindestens drei Querverbindungen, die nicht vom Tisch gewischt werden sollten. Nur so lässt sich für die Zukunft lernen, wie es besser laufen könnte.

Erstens: Planungen und Förderrichtlinien passten in beiden Fällen nicht zusammen. Bei der Dann-doch-nicht-Förderung der Multihalle ging es beim Paket, das die Stadt im Blick hatte, nicht um Neubauten. Bei der Dann-doch-nicht-Förderung des Theaters passte von Anfang an der Zeitplan nicht. Der hätte anders getaktet werden müssen, hätte es mit der Förderung gelingen sollen. Schnell und gefördert – von dieser Kombination war klar, dass sie nicht aufgehen würde. Es zeigt sich die Symptomatik einer Planung, die nicht aus einem Guss ist. Vielleicht wäre für die Stadt die Beratung eines Dienstleisters gut, der sich mit diesem hochkomplexen Thema hauptberuflich beschäftigt.

Zweitens: In beiden Fällen hat der hiesige Bundestagsabgeordnete Achim Post (SPD) kommuniziert, dass Minden mit Millionen rechnen kann. Im ersten Fall gar nicht, im zweiten nur schwer erkennbar war in den Mitteilungen zu lesen, dass noch nichts entschieden ist. Und für das MT ist selbstkritisch einzugestehen: Es wäre gut gewesen, die Meldungen zu relativieren. Beide Mal ist für die Öffentlichkeit der Eindruck entstanden, ein Versprechen sei gebrochen worden. Besser wäre es, vorsichtig zu kommunizieren. Das strahlt und glänzt dann bei der PR in eigener Sache für einen Abgeordneten nicht so schön. Aber dafür kann am Ende niemand den Vorwurf erheben, es seien unangemessene Meldungen verbreitet worden.

Drittens: In beiden Fällen hat die Verwaltung nur zögerlich kommuniziert. Im ersten Fall verschwieg Bürgermeister Michael Jäcke (SPD) die schlechte Nachricht im Wahlkampf gleich ganz. Nun teilte die Verwaltung die Entwicklung erst auf Nachfrage mit – knapp zwei Wochen, nachdem sie davon erfahren hatte. So schnell wie möglich auch schlechte Nachrichten zu verkünden, das würde Vertrauen schaffen statt Zweifel zu wecken, ob da nicht vielleicht noch mehr schmort.

Für eine steile Lernkurve sprechen die drei Parallelen nicht. Vielleicht beim nächsten Mal?

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