Kommentar zur unbesetzten Beigeordnetenstelle: Selbstgemachtes Unglück Monika Jäger Um alles zu regeln, was in einer Stadt mit rund 82.000 Einwohnern nötig ist, braucht es viel Fachwissen. Und weil nicht ein einziger (also der Bürgermeister) das alles im Auge haben und klug weiterentwickeln kann, unterstützt ihn eine ganze Mannschaft aus Experten: Vier Beigeordnete und ein Kämmerer sind das bisher. Die haben Aufgaben wie die, Gebäude zu managen, die der Stadt gehören, die Stadt als Ganzes weiterzuentwickeln, für Sicherheit und Ordnung zu sorgen, Finanzen zu planen, die Kanalisation in Schuss zu halten und Bedürftige zu unterstützen. Beigeordnete werden auf acht Jahre gewählt, und vier von diesen Wahlbeamten reichen in Minden offenbar übrigens nicht aus. Denn es gibt hier auch noch den „erweiterten Vorstand“, wo sich ein Laufbahnbeamter (nicht gewählt) um Personal und Organisation kümmert. Ein Spezialgebiet in diesem Puzzle ist „Bildung, Kultur, Sport und Freizeit“ mit Unterpunkten wie Schulsekretariate, Bildungsplanung, Museum, Theater, Bibliothek, Kommunalarchiv. Also mal so ziemlich allem, was schön ist. Dummerweise gleichzeitig auch allem, was durch die Corona-Pandemie gerade besonders schwer getroffen ist. Und in genau dieser Zeit ist nicht nur die Beigeordnete weg, sondern auch derjenige, der für die Schulen zuständig war. Da ist jetzt ein Loch. Und das seit vielen Wochen. Dass es entstand: Pech. Dass es so lange ein Loch bleibt: Selbstgemachtes Unglück. Wie eng da gerade alles gestrickt ist, zeigt auch ein aktueller Brief des Kämmerers, in dem er die Schulen wegen aktueller Personalknappheit um Geduld und Verständnis bittet Wer Kinder in der Schule hat oder Freunde, die Lehrende sind, weiß um den schwierigen Alltag dort, die vielen Sorgen und Probleme. Es sind die Schulsekretärinnen und Schulsozialarbeiter, die gerade vieles auffangen müssen. Ihr Ansprechpartner: Seit Monaten ein Vertreter, der selbst einen umfangreichen Geschäftsbereich – Finanzen und Gebäudewirtschaft – bearbeitet. Selbst, wenn da alles super klappt: Was ist das für ein Zeichen nach außen? Die Verwaltung wird sich -- auch ironischen -- Fragen stellen müssen wie diesen: Wie wenig wurde bisher in der Abteilung für Schule, Sport, Kultur und Freizeit gemacht, wenn sie einfach so aufgeteilt werden kann? Waren Kämmerer und Bürgermeister seit Jahren gar nicht ausgelastet? Wenn das nicht der Fall war - wieso sollten sie dann jetzt auch noch Zusatzaufgaben übernehmen? Muss der Verwaltungsvorstand dann möglicherweise nochmals „erweitert“ werden? Gute Erklärungen sind nötig, auch dazu, warum es sinnvoll wäre, wenn der Kämmerer künftig auch ein Beigeordneter ist. Dass Bürgermeister Jäcke diesen Vorschlag zunächst nur an CDU und SPD gegeben hat (und das auch noch mit der Begründung, er wolle eine solide Mehrheit dafür) zeigt zum Auftakt der neuen Ratsperiode wenig Transparenz und Offenheit. Das birgt die Gefahr, dass dieses für Minden wichtige Thema auf einer Ebene diskutiert wird, die weit entfernt ist von einer echten Aueinandersetzung mit der Sinnhaftigkeit der Vorschläge Es ist Fachkenntnis nötig, um die ganze Komplexität der Bildungslandschaft zu verstehen, das sensible Gefüge der kreativen Kulturschaffenden zu würdigen, den Sportbetrieb sinnvoll zu unterstützen. Es kann nur gut sein, wenn sich darum auch jemand mit Fachkenntnis kümmert. Gerade in Zeiten von Corona, wo ja alles noch schwieriger werden könnte.

Kommentar zur unbesetzten Beigeordnetenstelle: Selbstgemachtes Unglück

Um alles zu regeln, was in einer Stadt mit rund 82.000 Einwohnern nötig ist, braucht es viel Fachwissen. Und weil nicht ein einziger (also der Bürgermeister) das alles im Auge haben und klug weiterentwickeln kann, unterstützt ihn eine ganze Mannschaft aus Experten: Vier Beigeordnete und ein Kämmerer sind das bisher. Die haben Aufgaben wie die, Gebäude zu managen, die der Stadt gehören, die Stadt als Ganzes weiterzuentwickeln, für Sicherheit und Ordnung zu sorgen, Finanzen zu planen, die Kanalisation in Schuss zu halten und Bedürftige zu unterstützen.

Beigeordnete werden auf acht Jahre gewählt, und vier von diesen Wahlbeamten reichen in Minden offenbar übrigens nicht aus. Denn es gibt hier auch noch den „erweiterten Vorstand“, wo sich ein Laufbahnbeamter (nicht gewählt) um Personal und Organisation kümmert.

Ein Spezialgebiet in diesem Puzzle ist „Bildung, Kultur, Sport und Freizeit“ mit Unterpunkten wie Schulsekretariate, Bildungsplanung, Museum, Theater, Bibliothek, Kommunalarchiv. Also mal so ziemlich allem, was schön ist. Dummerweise gleichzeitig auch allem, was durch die Corona-Pandemie gerade besonders schwer getroffen ist. Und in genau dieser Zeit ist nicht nur die Beigeordnete weg, sondern auch derjenige, der für die Schulen zuständig war. Da ist jetzt ein Loch. Und das seit vielen Wochen. Dass es entstand: Pech. Dass es so lange ein Loch bleibt: Selbstgemachtes Unglück. Wie eng da gerade alles gestrickt ist, zeigt auch ein aktueller Brief des Kämmerers, in dem er die Schulen wegen aktueller Personalknappheit um Geduld und Verständnis bittet

Wer Kinder in der Schule hat oder Freunde, die Lehrende sind, weiß um den schwierigen Alltag dort, die vielen Sorgen und Probleme. Es sind die Schulsekretärinnen und Schulsozialarbeiter, die gerade vieles auffangen müssen. Ihr Ansprechpartner: Seit Monaten ein Vertreter, der selbst einen umfangreichen Geschäftsbereich – Finanzen und Gebäudewirtschaft – bearbeitet. Selbst, wenn da alles super klappt: Was ist das für ein Zeichen nach außen?

Die Verwaltung wird sich -- auch ironischen -- Fragen stellen müssen wie diesen: Wie wenig wurde bisher in der Abteilung für Schule, Sport, Kultur und Freizeit gemacht, wenn sie einfach so aufgeteilt werden kann? Waren Kämmerer und Bürgermeister seit Jahren gar nicht ausgelastet? Wenn das nicht der Fall war - wieso sollten sie dann jetzt auch noch Zusatzaufgaben übernehmen? Muss der Verwaltungsvorstand dann möglicherweise nochmals „erweitert“ werden? Gute Erklärungen sind nötig, auch dazu, warum es sinnvoll wäre, wenn der Kämmerer künftig auch ein Beigeordneter ist.

Dass Bürgermeister Jäcke diesen Vorschlag zunächst nur an CDU und SPD gegeben hat (und das auch noch mit der Begründung, er wolle eine solide Mehrheit dafür) zeigt zum Auftakt der neuen Ratsperiode wenig Transparenz und Offenheit. Das birgt die Gefahr, dass dieses für Minden wichtige Thema auf einer Ebene diskutiert wird, die weit entfernt ist von einer echten Aueinandersetzung mit der Sinnhaftigkeit der Vorschläge

Es ist Fachkenntnis nötig, um die ganze Komplexität der Bildungslandschaft zu verstehen, das sensible Gefüge der kreativen Kulturschaffenden zu würdigen, den Sportbetrieb sinnvoll zu unterstützen. Es kann nur gut sein, wenn sich darum auch jemand mit Fachkenntnis kümmert.

Gerade in Zeiten von Corona, wo ja alles noch schwieriger werden könnte.

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