Kommentar zur entgangenen Millionenförderung: Wenn’s länger dauert Benjamin Piel Es gibt eine Vorgehensweise von Pressestellen, die früher ein Tabu war. Und von der nun immer mehr Journalisten berichten, dass sie um sich greift – in ganz Deutschland. Gemeint ist die Unart, auf Anfragen eines einzelnen Mediums per Pressemitteilung (PM) und Massenversendung an viele Redaktionen gleichzeitig zu antworten. Für das Medium, das die Anfrage gestellt hat, ist das ein Schlag. Denn es hatte eine entsprechende Information bis zur Antwort womöglich exklusiv. Dadurch, dass eine Pressemitteilung dann aber an alle Medien geht, zerstört eine Pressestelle mit einem Knopfdruck die Exklusivität. Und weil nun alle Medien auf einmal und vermutlich auch zügig die betreffende Nachricht veröffentlichen, gerät das Medium, das die Recherchearbeit geleistet hatte, unter Zugzwang. Da die Exklusivität der Recherche dahin ist, ist es auch ein Großteil der Arbeit. So lassen sich Journalisten mürbe machen. Ähnlich ist es am Mittwoch dem MT ergangen. Es stand in der Redaktion die Information im Raum, dass die millionenschwere Förderung für die Sanierung des Stadttheaters geplatzt ist. Auf die Nachfrage bei der Stadt kam die Antwort per Presseverteiler. Zur Begründung hieß es, man habe die Mitteilung ohnehin gerade versenden wollen. Was für ein Zufall aber auch. Und das, nachdem die Stadtverwaltung schon zwölf Tage lang von der Misere wusste. Warum musste die Öffentlichkeit so lange warten, bis sie auf Nachfrage davon erfahren durfte? Man habe sich erst einmal intern abstimmen müssen. Wenn’s generell so lange dauert, darf man sich ja fast wundern, dass es schon jemals mit Fördergeldern geklappt hat. „Ich halte das für eine normale Bearbeitungszeit“, sagt Kämmerer Norbert Kresse. Sorry, aber: ich nicht.

Kommentar zur entgangenen Millionenförderung: Wenn’s länger dauert

Benjamin Piel © bp

Es gibt eine Vorgehensweise von Pressestellen, die früher ein Tabu war. Und von der nun immer mehr Journalisten berichten, dass sie um sich greift – in ganz Deutschland.

Gemeint ist die Unart, auf Anfragen eines einzelnen Mediums per Pressemitteilung (PM) und Massenversendung an viele Redaktionen gleichzeitig zu antworten. Für das Medium, das die Anfrage gestellt hat, ist das ein Schlag. Denn es hatte eine entsprechende Information bis zur Antwort womöglich exklusiv. Dadurch, dass eine Pressemitteilung dann aber an alle Medien geht, zerstört eine Pressestelle mit einem Knopfdruck die Exklusivität. Und weil nun alle Medien auf einmal und vermutlich auch zügig die betreffende Nachricht veröffentlichen, gerät das Medium, das die Recherchearbeit geleistet hatte, unter Zugzwang. Da die Exklusivität der Recherche dahin ist, ist es auch ein Großteil der Arbeit. So lassen sich Journalisten mürbe machen.

Ähnlich ist es am Mittwoch dem MT ergangen. Es stand in der Redaktion die Information im Raum, dass die millionenschwere Förderung für die Sanierung des Stadttheaters geplatzt ist. Auf die Nachfrage bei der Stadt kam die Antwort per Presseverteiler. Zur Begründung hieß es, man habe die Mitteilung ohnehin gerade versenden wollen.

Was für ein Zufall aber auch. Und das, nachdem die Stadtverwaltung schon zwölf Tage lang von der Misere wusste. Warum musste die Öffentlichkeit so lange warten, bis sie auf Nachfrage davon erfahren durfte? Man habe sich erst einmal intern abstimmen müssen. Wenn’s generell so lange dauert, darf man sich ja fast wundern, dass es schon jemals mit Fördergeldern geklappt hat. „Ich halte das für eine normale Bearbeitungszeit“, sagt Kämmerer Norbert Kresse. Sorry, aber: ich nicht.

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