Kommentar zur Erklärung Jäckes: Eine plumpe Taktik Benjamin Piel Alle machen Fehler. Und es ist respektabel, wenn jemand dazu steht. Das hat Mindens Bürgermeister Michael Jäcke (SPD) getan. Der Punkt ist nur: Es geht nicht um einen Fehler. Das Wort ist zu klein, um Jäckes Handeln zu beschreiben. Ein Fehler ist etwas, das nicht passieren sollte, aber passieren kann. Eine Sekundenhandlung. Ein Versprecher. Eine Flüchtigkeit. In diesem Fall war es mehr, auch wenn Jäcke das bestreitet. Sein Beteuern zeigt, dass er die Tragweite seiner Fehlleistung nicht begriffen hat. Auch deshalb gibt es keinen Grund die Sache abzuhaken. Tatsächlich geht es um eine plumpe Taktik. Jäcke hat bereits in der Endphase des Wahlkampfes davon erfahren, dass es die von ihm selbst versprochene Millionen-Förderung für den Bau der Multifunktionshalle nicht geben würde. In einer Pressemitteilung des Bundestagsabgeordneten Achim Post (SPD) stand im März: „Ich freue mich, dass mit der Bundesförderung der Bau der Multifunktionshalle unterstützt werden kann. Das hartnäckige Drängen von Mindens Bürgermeister Michael Jäcke war dafür unerlässlich." Es geht in Ordnung, wenn Politiker die eigene Leistung in einem Wahljahr besonders laut feiern lassen. Solche Erfolge bringen schließlich Stimmen. Den Jubel aber auch dann noch im Raum stehen zu lassen, wenn sich das Ergebnis eklatant geändert hat, ist unlauter. Damit hat Jäcke eine Diskussion um das zentralste Mindener Thema überhaupt unterdrückt. Nicht für zwei Tage – das wäre ein Fehler gewesen. Sondern für drei Wochen – also ganz bewusst. Die Nachricht hätte noch einmal Schwung in den Wahlkampf gebracht und womöglich zu einem anderen Ergebnis geführt. Es ist verständlich, dass Jäcke das nicht wollte. Aber hinnehmbar ist es nicht. Und dass Jäcke auf Nachfrage vor der Wahl auch noch erklärte, es gebe zur Multifunktionshalle keinen neuen Stand – das war nicht weniger als eine Lüge. Michael Jäcke startet schwer beladen in seine zweite Amtszeit. Er hat das große Vertrauen der Mindener in ihn schwer enttäuscht. Und er muss sich fragen, ob er sich noch für den Richtigen im Bürgermeisteramt hält.

Kommentar zur Erklärung Jäckes: Eine plumpe Taktik

Alle machen Fehler. Und es ist respektabel, wenn jemand dazu steht. Das hat Mindens Bürgermeister Michael Jäcke (SPD) getan. Der Punkt ist nur: Es geht nicht um einen Fehler. Das Wort ist zu klein, um Jäckes Handeln zu beschreiben.

Ein Fehler ist etwas, das nicht passieren sollte, aber passieren kann. Eine Sekundenhandlung. Ein Versprecher. Eine Flüchtigkeit. In diesem Fall war es mehr, auch wenn Jäcke das bestreitet. Sein Beteuern zeigt, dass er die Tragweite seiner Fehlleistung nicht begriffen hat. Auch deshalb gibt es keinen Grund die Sache abzuhaken.

Tatsächlich geht es um eine plumpe Taktik. Jäcke hat bereits in der Endphase des Wahlkampfes davon erfahren, dass es die von ihm selbst versprochene Millionen-Förderung für den Bau der Multifunktionshalle nicht geben würde. In einer Pressemitteilung des Bundestagsabgeordneten Achim Post (SPD) stand im März: „Ich freue mich, dass mit der Bundesförderung der Bau der Multifunktionshalle unterstützt werden kann. Das hartnäckige Drängen von Mindens Bürgermeister Michael Jäcke war dafür unerlässlich." Es geht in Ordnung, wenn Politiker die eigene Leistung in einem Wahljahr besonders laut feiern lassen. Solche Erfolge bringen schließlich Stimmen.

Den Jubel aber auch dann noch im Raum stehen zu lassen, wenn sich das Ergebnis eklatant geändert hat, ist unlauter. Damit hat Jäcke eine Diskussion um das zentralste Mindener Thema überhaupt unterdrückt. Nicht für zwei Tage – das wäre ein Fehler gewesen. Sondern für drei Wochen – also ganz bewusst. Die Nachricht hätte noch einmal Schwung in den Wahlkampf gebracht und womöglich zu einem anderen Ergebnis geführt. Es ist verständlich, dass Jäcke das nicht wollte. Aber hinnehmbar ist es nicht. Und dass Jäcke auf Nachfrage vor der Wahl auch noch erklärte, es gebe zur Multifunktionshalle keinen neuen Stand – das war nicht weniger als eine Lüge.

Michael Jäcke startet schwer beladen in seine zweite Amtszeit. Er hat das große Vertrauen der Mindener in ihn schwer enttäuscht. Und er muss sich fragen, ob er sich noch für den Richtigen im Bürgermeisteramt hält.

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