Kommentar zur Bürgermeister-Stichwahl: Es ist noch nicht gelaufen Dirk Haunhorst 27 plus 24 sind 51. Rein rechnerisch ist die Sache einfach: Wenn SPD-Mann Jörg Achilles seinem Ergebnis in der Stichwahl das der Grünen-Kandidatin Anke Grotjohan hinzufügen kann, wird er Stadtoberhaupt. Damit behielte Rot-Grün plus Bürgermeister eine Mehrheit im Stadtrat, wenn auch nur eine hauchdünne. So viel zur Theorie: In der Praxis dürfte es schwierig werden, sämtliche Grotjohann-Wähler für die Stichwahl zu motivieren. Und diejenigen, die tatsächlich ihr Kreuz machen, werden nicht alle Achilles wählen. Das zeigte sich bereits vorigen Sonntag: Anke Grotjohann war zwar die Kandidatin der Grünen, schnitt aber als Parteilose einige Prozentpunkte besser ab als die Umweltpartei. Heißt: Nicht jeder, der Grotjohann wählte, votierte auch für die Grünen. Die Kalkulation von SPD und zumindest Teilen der Grünen ist offensichtlich: Sie werben in der Stichwahl mit dem Slogan „Verlässlichkeit für Porta“ für Kontinuität. Richtig ist, dass es angesichts der künftigen Sitzverteilung schwierig wird, gegen Rot-Grün (19 Stimmen) Mehrheiten im Rat zu organisieren. Dazu bräuchte es neben einer Bürgermeisterin Dr. Sonja Gerlach (CDU) den Schulterschluss von CDU, FDP, Wählergemeinschaft Porta (WP) und AfD. Sie alle zusammen kämen auf 20 Stimmen. Ein Bürgermeister oder eine Bürgermeisterin ist jedoch nicht in erster Linie Mehrheitsbeschaffer. Die Portaner wählen am 27. September ein Stadtoberhaupt, das eine Verwaltung mit mehreren hundert Mitarbeitern führen muss, das in rechtlichen und organisatorischen Fragen gefordert wird und seine Moderatorenrolle in (Rats-)Sitzungen souverän ausüben sollte – im Sinne guter Entscheidungen für die Sache und nicht zugunsten politischer Lager. Wem trauen die Portaner das am ehesten zu? Sonja Gerlach, Kandidatin von CDU und FDP, hat mit 44 Prozent ein Resultat erzielt, das nur auf den ersten Blick erstaunlich ist. Rechnet man die Prozentzahlen des „bürgerlichen Lagers“ (CDU, FDP und WP) für den Stadtrat zusammen, ergibt dies ziemlich genau das Gerlach-Ergebnis. Auch sie benötigt übernächsten Sonntag Stimmen von Grotjohann-Wählern. Noch wichtiger aber ist für Achilles und Gerlach gleichermaßen, ihre bisherigen Wähler erneut zu motivieren. Trotz des deutlichen Unterschieds von nahezu 17 Prozentpunkten zwischen beiden Bewerbern in Durchgang eins ist ihre wichtigste Botschaft in den nächsten anderthalb Wochen dieselbe: Es ist noch nicht gelaufen.

Kommentar zur Bürgermeister-Stichwahl: Es ist noch nicht gelaufen

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27 plus 24 sind 51. Rein rechnerisch ist die Sache einfach: Wenn SPD-Mann Jörg Achilles seinem Ergebnis in der Stichwahl das der Grünen-Kandidatin Anke Grotjohan hinzufügen kann, wird er Stadtoberhaupt. Damit behielte Rot-Grün plus Bürgermeister eine Mehrheit im Stadtrat, wenn auch nur eine hauchdünne.

So viel zur Theorie: In der Praxis dürfte es schwierig werden, sämtliche Grotjohann-Wähler für die Stichwahl zu motivieren. Und diejenigen, die tatsächlich ihr Kreuz machen, werden nicht alle Achilles wählen. Das zeigte sich bereits vorigen Sonntag: Anke Grotjohann war zwar die Kandidatin der Grünen, schnitt aber als Parteilose einige Prozentpunkte besser ab als die Umweltpartei. Heißt: Nicht jeder, der Grotjohann wählte, votierte auch für die Grünen.

Die Kalkulation von SPD und zumindest Teilen der Grünen ist offensichtlich: Sie werben in der Stichwahl mit dem Slogan „Verlässlichkeit für Porta“ für Kontinuität. Richtig ist, dass es angesichts der künftigen Sitzverteilung schwierig wird, gegen Rot-Grün (19 Stimmen) Mehrheiten im Rat zu organisieren. Dazu bräuchte es neben einer Bürgermeisterin Dr. Sonja Gerlach (CDU) den Schulterschluss von CDU, FDP, Wählergemeinschaft Porta (WP) und AfD. Sie alle zusammen kämen auf 20 Stimmen.

Ein Bürgermeister oder eine Bürgermeisterin ist jedoch nicht in erster Linie Mehrheitsbeschaffer. Die Portaner wählen am 27. September ein Stadtoberhaupt, das eine Verwaltung mit mehreren hundert Mitarbeitern führen muss, das in rechtlichen und organisatorischen Fragen gefordert wird und seine Moderatorenrolle in (Rats-)Sitzungen souverän ausüben sollte – im Sinne guter Entscheidungen für die Sache und nicht zugunsten politischer Lager. Wem trauen die Portaner das am ehesten zu?

Sonja Gerlach, Kandidatin von CDU und FDP, hat mit 44 Prozent ein Resultat erzielt, das nur auf den ersten Blick erstaunlich ist. Rechnet man die Prozentzahlen des „bürgerlichen Lagers“ (CDU, FDP und WP) für den Stadtrat zusammen, ergibt dies ziemlich genau das Gerlach-Ergebnis. Auch sie benötigt übernächsten Sonntag Stimmen von Grotjohann-Wählern. Noch wichtiger aber ist für Achilles und Gerlach gleichermaßen, ihre bisherigen Wähler erneut zu motivieren. Trotz des deutlichen Unterschieds von nahezu 17 Prozentpunkten zwischen beiden Bewerbern in Durchgang eins ist ihre wichtigste Botschaft in den nächsten anderthalb Wochen dieselbe: Es ist noch nicht gelaufen.

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