Kommentar zum offenen Einzelhandel: Böllings Mut kommt zum falschen Zeitpunkt Nina Könemann Es gibt Zeitpunkte in Krisen, da braucht es Mut und Kreativität. Den Mut, neue Wege zu gehen, etwas zu probieren und vom eingetretenen Pfad abzuweichen. Dieser Zeitpunkt ist meistens dann gut gewählt, wenn die Betroffenen gerade nicht mit dem Rücken zur Wand stehen, sondern noch agieren können. Landrätin Anna Bölling hat dieses Timing leider verpasst. Sie entdeckt ihren Mut stattdessen ausgerechnet im denkbar schlechtesten Zeitpunkt. Monatelang trug der Kreis mit, was das Land diktierte: Kita-Schließungen, Einzelhandels-Öffnungen, Distanzunterricht. Die in Minden-Lübbecke besonders starke zweite Welle bekämpfte man erfolgreich mit strengen Regeln und klaren Vorgaben. Der Kreis verhängte als einer von wenigen in NRW eine Ausgangssperre. Ausgerechnet jetzt aber, wo die dritte Welle außer Kontrolle zu geraten droht, möchte die Verwaltung eine Sonderstellung einnehmen: Mit Hilfe von negativen Schnelltests soll der Einzelhandel weiter offen bleiben. Wie das in der Praxis im Detail laufen kann, ist zwar noch nicht geklärt, die Erlaubnis vom Ministerium wurde aber bereits eingeholt. Mit der Entscheidung ignoriert die Landrätin, dass Minden-Lübbecke gerade rein gar nicht als Modellregion taugt. Denn statt Sieben-Tage-Inzidenzen von unter 50 zu haben, wie es zum Beispiel in der vergangenen Woche im derzeit kreativen Rostock der Fall war, sprengen Minden und Bad Oeynhausen ihre eigenen Rekorde, die Inzidenzen nähern sich der 300. Kein guter Zeitpunkt für Experimente und Sonderwege. Es ist verständlich, dass die Landrätin vorankommen und landesweit Beachtung finden möchte: Das hier könnte jedoch böse nach hinten losgehen.

Kommentar zum offenen Einzelhandel: Böllings Mut kommt zum falschen Zeitpunkt

Shoppen ist in Minden derzeit nut noch mit negativem Corona-Test möglich. © Alex Lehn

Es gibt Zeitpunkte in Krisen, da braucht es Mut und Kreativität. Den Mut, neue Wege zu gehen, etwas zu probieren und vom eingetretenen Pfad abzuweichen. Dieser Zeitpunkt ist meistens dann gut gewählt, wenn die Betroffenen gerade nicht mit dem Rücken zur Wand stehen, sondern noch agieren können. Landrätin Anna Bölling hat dieses Timing leider verpasst. Sie entdeckt ihren Mut stattdessen ausgerechnet im denkbar schlechtesten Zeitpunkt.

Monatelang trug der Kreis mit, was das Land diktierte: Kita-Schließungen, Einzelhandels-Öffnungen, Distanzunterricht. Die in Minden-Lübbecke besonders starke zweite Welle bekämpfte man erfolgreich mit strengen Regeln und klaren Vorgaben. Der Kreis verhängte als einer von wenigen in NRW eine Ausgangssperre. Ausgerechnet jetzt aber, wo die dritte Welle außer Kontrolle zu geraten droht, möchte die Verwaltung eine Sonderstellung einnehmen: Mit Hilfe von negativen Schnelltests soll der Einzelhandel weiter offen bleiben. Wie das in der Praxis im Detail laufen kann, ist zwar noch nicht geklärt, die Erlaubnis vom Ministerium wurde aber bereits eingeholt.

Nina Könemann - © Alex Lehn
Nina Könemann - © Alex Lehn

Mit der Entscheidung ignoriert die Landrätin, dass Minden-Lübbecke gerade rein gar nicht als Modellregion taugt. Denn statt Sieben-Tage-Inzidenzen von unter 50 zu haben, wie es zum Beispiel in der vergangenen Woche im derzeit kreativen Rostock der Fall war, sprengen Minden und Bad Oeynhausen ihre eigenen Rekorde, die Inzidenzen nähern sich der 300. Kein guter Zeitpunkt für Experimente und Sonderwege. Es ist verständlich, dass die Landrätin vorankommen und landesweit Beachtung finden möchte: Das hier könnte jedoch böse nach hinten losgehen.

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