Kommentar zum Wahlerfolg von Achim Post: Ein Sieg mit Ansage Benjamin Piel Die Wahl hat heute in Minden-Lübbecke für eine Überraschung gesorgt. Wer ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen dem Bundestagskandidaten Achim Post (SPD) und seinem CDU-Kontrahenten Oliver Vogt (CDU) erwartet hatte, rieb sich erstaunt die Augen. Klare 12,45 Prozentpunkte (Stand: 21.46 Uhr) lag der Sozialdemokrat am Ende vorn. Nur hauchdünn hatte Post noch die Wahl 2017 gegen Vogt gewonnen. Und der mag sich noch im Sommer ausgerechnet haben, dass es angesichts der SPD-Schwäche diesmal zum Gewinn des Direktmandats reichen könnte. Nun lässt sich einerseits ins Feld führen, dass Vogt von der Schwäche seines Kanzlerkandidaten Armin Laschet (CDU) mit nach unten gezogen wurde und Post gleichzeitig von der neuen Stärke seiner Partei nach oben. Doch das ist angesichts einer Differenz von 12,45 Prozentpunkte (Stand: 21.46 Uhr) zu kurz gegriffen. Die Deutlichkeit des Ergebnisses hat auch etwas damit zu tun, wie die beiden Kandidaten ihren Wahlkampf aufzogen. Der eine wacklig und blass, der andere souverän und als Gemisch von Nahbarkeit und Vollprofitum. Vogt fand nie recht in die Spur. Er präsentierte sich als „der Eine von hier" – gewagt für jemanden, der aus einer anderen Region stammt. Inhaltliche Angriffe auf Post oder die SPD waren dagegen nicht wahrzunehmen – im Gegenteil: Beim MT-Wahlforum schloss sich der manchmal recht verloren auf der Bühne stehende Vogt gleich mehrfach Positionen von Post an. Und auf die Frage, ob ihm eine Nachtsitzung in Berlin oder ein Physik-Leistungskurs am Bessel-Gymnasium lieber seien, entschied er sich für die Schule. Es wirkte, als sei Vogt selbst nicht so recht überzeugt von seinen Berliner Plänen und das überzeugte letztlich auch die Wähler nicht. Seine letzte, allerdings eher kleine Chance: Doch noch über die Landesliste einzuziehen (das steht bisher noch nicht fest). Ganz anders Achim Post. Obwohl der über die Landesliste auch ohne Direktmandat in den Bundestag eingezogen wäre, war er vor Ort präsent statt sich entspannt zurückzulehnen. Er hatte keine Mühe, seinen Kontrahenten thematisch wie charismatisch in die Tasche zu stecken. Selbst beim Haustürwahlkampf war Post regelmäßig zu sehen – respektabel für jemanden, der das nicht zwingend nötig hatte. Dieses Engagement hat sich ausgezahlt – als großer Sieg auf ganzer Linie. Anmerkung der Redaktion vom 27. September 2021: Inzwischen ist klar, dass Oliver Vogt es über die Landesliste als Abgeordneter in den Deutschen Bundestag geschafft hat.

Kommentar zum Wahlerfolg von Achim Post: Ein Sieg mit Ansage

Piel © Piel

Die Wahl hat heute in Minden-Lübbecke für eine Überraschung gesorgt. Wer ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen dem Bundestagskandidaten Achim Post (SPD) und seinem CDU-Kontrahenten Oliver Vogt (CDU) erwartet hatte, rieb sich erstaunt die Augen. Klare 12,45 Prozentpunkte (Stand: 21.46 Uhr) lag der Sozialdemokrat am Ende vorn. Nur hauchdünn hatte Post noch die Wahl 2017 gegen Vogt gewonnen. Und der mag sich noch im Sommer ausgerechnet haben, dass es angesichts der SPD-Schwäche diesmal zum Gewinn des Direktmandats reichen könnte.

Nun lässt sich einerseits ins Feld führen, dass Vogt von der Schwäche seines Kanzlerkandidaten Armin Laschet (CDU) mit nach unten gezogen wurde und Post gleichzeitig von der neuen Stärke seiner Partei nach oben. Doch das ist angesichts einer Differenz von 12,45 Prozentpunkte (Stand: 21.46 Uhr) zu kurz gegriffen. Die Deutlichkeit des Ergebnisses hat auch etwas damit zu tun, wie die beiden Kandidaten ihren Wahlkampf aufzogen. Der eine wacklig und blass, der andere souverän und als Gemisch von Nahbarkeit und Vollprofitum.

Vogt fand nie recht in die Spur. Er präsentierte sich als „der Eine von hier" – gewagt für jemanden, der aus einer anderen Region stammt. Inhaltliche Angriffe auf Post oder die SPD waren dagegen nicht wahrzunehmen – im Gegenteil: Beim MT-Wahlforum schloss sich der manchmal recht verloren auf der Bühne stehende Vogt gleich mehrfach Positionen von Post an. Und auf die Frage, ob ihm eine Nachtsitzung in Berlin oder ein Physik-Leistungskurs am Bessel-Gymnasium lieber seien, entschied er sich für die Schule. Es wirkte, als sei Vogt selbst nicht so recht überzeugt von seinen Berliner Plänen und das überzeugte letztlich auch die Wähler nicht. Seine letzte, allerdings eher kleine Chance: Doch noch über die Landesliste einzuziehen (das steht bisher noch nicht fest).

Ganz anders Achim Post. Obwohl der über die Landesliste auch ohne Direktmandat in den Bundestag eingezogen wäre, war er vor Ort präsent statt sich entspannt zurückzulehnen. Er hatte keine Mühe, seinen Kontrahenten thematisch wie charismatisch in die Tasche zu stecken. Selbst beim Haustürwahlkampf war Post regelmäßig zu sehen – respektabel für jemanden, der das nicht zwingend nötig hatte. Dieses Engagement hat sich ausgezahlt – als großer Sieg auf ganzer Linie.

Anmerkung der Redaktion vom 27. September 2021: Inzwischen ist klar, dass Oliver Vogt es über die Landesliste als Abgeordneter in den Deutschen Bundestag geschafft hat.

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