Kommentar zum Umgang mit der Obdachlosen-Szene: Nur scheinbar einfache Lösung Monika Jäger Menschen, die nachts grölen und alle anderen stören, die hier in Ruhe wohnen und schlafen wollen – völlig klar, dass das ein Riesenproblem ist, das die Polizei beschäftigt. Aber die Lösung ist nicht ganz so einfach, wie man auf den ersten Blick denken mag. Erstens: Obdachlosigkeit ist nicht illegal. Zweitens: Jeder darf sich in Deutschland in der Öffentlichkeit aufhalten, darum können nicht einfach ohne Grund Platzverweise ausgesprochen werden. Drittens: Wenn jemand sich in einer (lauten) Gruppe in der Öffentlichkeit aufhält, heißt das noch lange nicht nicht, dass damit die Sicherheit gefährdet ist. Viertens: Öffentliches Sitzen in Gruppen bedeutet nicht automatisch „Gefährdung“ oder gar „Kriminalität“. Verdrängen ist nur scheinbar eine einfache Lösung. Der Werkzeugkasten, um den Ort unattraktiv zu machen – andere Möblierung, anderes Licht, mehr Streifengänge, Bänke weg – ist ebenso umfangreich wie langfristig wirkungslos. Denn die Gruppe wird sich weiter treffen – sie wandert nur woanders hin und alles beginnt von vorn. Darum geht es hier auch um Überzeugungsarbeit, und diese müssen vor allem die Mitarbeitenden der Ordnungsbehörde und der Polizei bei ihren täglichen Streifengängen in persönlichen Gesprächen mit der Szene-Gruppe leisten. „Die meisten sind vernünftig, wenn man mit ihnen spricht, und gehen woanders hin“, sagte unlängst jemand, zu dessen Arbeitsbereich das gehört. Und trotzdem wird es wohl ohne Druck nicht gehen. Ein Dilemma, das die Stadtgesellschaft lösen muss, in der alle Menschen die gleichen Rechte haben – egal, ob sie im Wasserbett oder auf der Straße schlafen.

Kommentar zum Umgang mit der Obdachlosen-Szene: Nur scheinbar einfache Lösung

Lokalredakteurin Monika Jäger kommentiert den jährlichen Polizeibericht.  © MT-Foto: Alex Lehn

Menschen, die nachts grölen und alle anderen stören, die hier in Ruhe wohnen und schlafen wollen – völlig klar, dass das ein Riesenproblem ist, das die Polizei beschäftigt. Aber die Lösung ist nicht ganz so einfach, wie man auf den ersten Blick denken mag.

Erstens: Obdachlosigkeit ist nicht illegal. Zweitens: Jeder darf sich in Deutschland in der Öffentlichkeit aufhalten, darum können nicht einfach ohne Grund Platzverweise ausgesprochen werden. Drittens: Wenn jemand sich in einer (lauten) Gruppe in der Öffentlichkeit aufhält, heißt das noch lange nicht nicht, dass damit die Sicherheit gefährdet ist. Viertens: Öffentliches Sitzen in Gruppen bedeutet nicht automatisch „Gefährdung“ oder gar „Kriminalität“.

Verdrängen ist nur scheinbar eine einfache Lösung. Der Werkzeugkasten, um den Ort unattraktiv zu machen – andere Möblierung, anderes Licht, mehr Streifengänge, Bänke weg – ist ebenso umfangreich wie langfristig wirkungslos. Denn die Gruppe wird sich weiter treffen – sie wandert nur woanders hin und alles beginnt von vorn.

Darum geht es hier auch um Überzeugungsarbeit, und diese müssen vor allem die Mitarbeitenden der Ordnungsbehörde und der Polizei bei ihren täglichen Streifengängen in persönlichen Gesprächen mit der Szene-Gruppe leisten. „Die meisten sind vernünftig, wenn man mit ihnen spricht, und gehen woanders hin“, sagte unlängst jemand, zu dessen Arbeitsbereich das gehört.

Und trotzdem wird es wohl ohne Druck nicht gehen. Ein Dilemma, das die Stadtgesellschaft lösen muss, in der alle Menschen die gleichen Rechte haben – egal, ob sie im Wasserbett oder auf der Straße schlafen.

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