Kommentar zum Thema: Zeitraubendes Ehrenamt Die Kommunalwahl liegt fast ein Jahr zurück, die Aufmerksamkeit gilt längst der Bundestagswahl. Und doch ehrt die Stadt innerhalb der Sommerpause in einer Sonderratssitzung Politikerinnen und Politiker, die längst aus dem Parlament ausgeschieden sind. Ist das nötig? Ja, ist es. Die offizielle Verabschiedung steht zwar pandemiebedingt in keinem zeitlichen Zusammenhang zur Kommunalwahl. Und doch ist es gut, kurz vor der Rückkehr zum lokalpolitischen Alltag kurz inne zuhalten, um die Männer und Frauen zu würdigen, die eine Menge Lebenszeit investieren, um für ihre Stadt möglichst Gutes zu bewirken und über den besten Weg zu streiten. Beifall gibt es dafür selten. Und oft stehen die Stunden, die Politiker in Gremien verbringen, in keinem vernünftigen Verhältnis zum Ertrag der Beratungen, die nicht selten vertagt werden. In Porta fällt auf, dass die Sitzungen der Räte und Ausschüsse immer länger dauern. Das nervt nicht nur Akteure in Politik und Verwaltung, sondern auch Zuschauer öffentlicher Sitzungen, die manchmal lange warten müssen, bevor ihre Themen an die Reihe kommen. Eine Verwaltung kann die politische Arbeit erleichtern und beschleunigen, indem sie verständliche Beratungsvorlagen verfasst. Oft ist in solchen Papieren beispielsweise die Rede von „Maßnahmen" oder „Vorhaben", anstatt Dinge deutlich beim Namen zu nennen. Je besser die Profis im Rathaus die nötigen Informationen aufbereiten, desto leichter sollte es ehrenamtlichen Politikern fallen, sachgerechte Entscheidungen rasch zu treffen. Marathonsitzungen mögen im Einzelfall inhaltsreich sein. Sie sind aber nicht per se Beleg für die Qualität einer Diskussion. Stattdessen schrecken sie diejenigen ab, die sich vielleicht eine politische Aufgabe zutrauen. An der Effektivität und Effizienz der Rats- und Ausschusssitzungen muss gearbeitet werden – auch und vor allem im Sinne des Ehrenamtes.

Kommentar zum Thema: Zeitraubendes Ehrenamt

© Lehn

Die Kommunalwahl liegt fast ein Jahr zurück, die Aufmerksamkeit gilt längst der Bundestagswahl. Und doch ehrt die Stadt innerhalb der Sommerpause in einer Sonderratssitzung Politikerinnen und Politiker, die längst aus dem Parlament ausgeschieden sind. Ist das nötig?

Ja, ist es. Die offizielle Verabschiedung steht zwar pandemiebedingt in keinem zeitlichen Zusammenhang zur Kommunalwahl. Und doch ist es gut, kurz vor der Rückkehr zum lokalpolitischen Alltag kurz inne zuhalten, um die Männer und Frauen zu würdigen, die eine Menge Lebenszeit investieren, um für ihre Stadt möglichst Gutes zu bewirken und über den besten Weg zu streiten.

Beifall gibt es dafür selten. Und oft stehen die Stunden, die Politiker in Gremien verbringen, in keinem vernünftigen Verhältnis zum Ertrag der Beratungen, die nicht selten vertagt werden. In Porta fällt auf, dass die Sitzungen der Räte und Ausschüsse immer länger dauern. Das nervt nicht nur Akteure in Politik und Verwaltung, sondern auch Zuschauer öffentlicher Sitzungen, die manchmal lange warten müssen, bevor ihre Themen an die Reihe kommen.


Eine Verwaltung kann die politische Arbeit erleichtern und beschleunigen, indem sie verständliche Beratungsvorlagen verfasst. Oft ist in solchen Papieren beispielsweise die Rede von „Maßnahmen" oder „Vorhaben", anstatt Dinge deutlich beim Namen zu nennen. Je besser die Profis im Rathaus die nötigen Informationen aufbereiten, desto leichter sollte es ehrenamtlichen Politikern fallen, sachgerechte Entscheidungen rasch zu treffen.

Marathonsitzungen mögen im Einzelfall inhaltsreich sein. Sie sind aber nicht per se Beleg für die Qualität einer Diskussion. Stattdessen schrecken sie diejenigen ab, die sich vielleicht eine politische Aufgabe zutrauen. An der Effektivität und Effizienz der Rats- und Ausschusssitzungen muss gearbeitet werden – auch und vor allem im Sinne des Ehrenamtes.

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