Kommentar zum Thema Pflegemarkt: Augen auf! Monika Jäger Pflege, das ist auf der einen Seite etwas sehr Persönliches und Individuelles. Sie lebt vom täglichen Einsatz der Männer und Frauen, die damit befasst sind. Sie wird besser, wenn genug Zeit und ausreichend Personal da ist, wenn alle gut ausgebildet sind und angemessen bezahlt werden. Gerade bei Bezahlung und dem Personalschlüssel ist noch viel Luft nach oben. Auf der anderen Seite ist Pflege ein Geschäft mit großem Wachstumspotenzial, das vor allem für international agierende Unternehmen interessant ist. Für diese sind die einzelnen Pflegeheime nicht mehr als ein Posten in der Gesamtbilanz. Hinter einigen der größten Betreiber stehen am Ende internationale Pensionsfonds oder Versicherungsgesellschaften, ebenso sogenannte „Private Equity“-Gesellschaften, die sich in Branchen engagieren, die gute Verdienste versprechen. Und seit es immer weniger Zinsen – oder stattdessen sogar Strafzinsen – für Vermögen gibt, werden diese immer interessanter für die Finanzwelt. Der Gesetzgeber hat sich dafür entschieden, dass der Markt das Hauptinstrument zum Regulieren sein soll. Doch wer kann tatsächlich bei den Stellschrauben kritisch nachfragen? Das müssten zum einen die Kunden der Anbieter tun, zum anderen aber auch die Kontrollbehörden. Doch beide sind dafür eher schlecht geeignet. Die pflegebedürftigen Menschen sind in der Regel in persönlichen Extremsituationen – von ihnen kann kaum erwartet werden, dass sie prüfen, ob zum Beispiel ein Konzern den Eigenbetrag einfach etwas höher angesetzt hat oder am Personal spart. So bleibt es eine Aufgabe für Behörden, hier zu kontrollieren, um so der Versuchung Einhalt zu gebieten, vor Ort zu sparen, um den Verdienst des Konzerns zu steigern. Im Grunde müssten sie beispielsweise prüfen, ob die von den Betreibern angegebenen Investitionssummen tatsächlich in der jeweiligen Höhe für die Berechnungen von Zuzahlungen in Frage kommen. Denn hier könnten Gewinne gemacht werden. Ein zweiter Punkt zur Gewinnmaximierung liegt beim Personal: Selbst, wenn die Prüfer kommen und auffliegt, dass zu wenig Fachkräfte im Einsatz sind, gibt es erst einmal eine Beratung. Selbst Wiederbelegungsverbote werden außer bei gravierenden Verstößen nur befristet erteilt, zu dringend werden die Pflegeplätze gebraucht. Arbeitsbedingungen und Bezahlung zu verbessern, sollte zudem schon der Selbsterhaltungstrieb fordern. Denn spätestens 2040 wird die stärkste Bevölkerungsgruppe im Kreis die der 70- bis 80-Jährigen sein. Das, übrigens, sind Sie, verehrte 50- bis 60-Jährige von heute.

Kommentar zum Thema Pflegemarkt: Augen auf!

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Pflege, das ist auf der einen Seite etwas sehr Persönliches und Individuelles. Sie lebt vom täglichen Einsatz der Männer und Frauen, die damit befasst sind. Sie wird besser, wenn genug Zeit und ausreichend Personal da ist, wenn alle gut ausgebildet sind und angemessen bezahlt werden.

Gerade bei Bezahlung und dem Personalschlüssel ist noch viel Luft nach oben.

Auf der anderen Seite ist Pflege ein Geschäft mit großem Wachstumspotenzial, das vor allem für international agierende Unternehmen interessant ist. Für diese sind die einzelnen Pflegeheime nicht mehr als ein Posten in der Gesamtbilanz. Hinter einigen der größten Betreiber stehen am Ende internationale Pensionsfonds oder Versicherungsgesellschaften, ebenso sogenannte „Private Equity“-Gesellschaften, die sich in Branchen engagieren, die gute Verdienste versprechen. Und seit es immer weniger Zinsen – oder stattdessen sogar Strafzinsen – für Vermögen gibt, werden diese immer interessanter für die Finanzwelt.


Der Gesetzgeber hat sich dafür entschieden, dass der Markt das Hauptinstrument zum Regulieren sein soll. Doch wer kann tatsächlich bei den Stellschrauben kritisch nachfragen? Das müssten zum einen die Kunden der Anbieter tun, zum anderen aber auch die Kontrollbehörden. Doch beide sind dafür eher schlecht geeignet.

Die pflegebedürftigen Menschen sind in der Regel in persönlichen Extremsituationen – von ihnen kann kaum erwartet werden, dass sie prüfen, ob zum Beispiel ein Konzern den Eigenbetrag einfach etwas höher angesetzt hat oder am Personal spart. So bleibt es eine Aufgabe für Behörden, hier zu kontrollieren, um so der Versuchung Einhalt zu gebieten, vor Ort zu sparen, um den Verdienst des Konzerns zu steigern. Im Grunde müssten sie beispielsweise prüfen, ob die von den Betreibern angegebenen Investitionssummen tatsächlich in der jeweiligen Höhe für die Berechnungen von Zuzahlungen in Frage kommen. Denn hier könnten Gewinne gemacht werden. Ein zweiter Punkt zur Gewinnmaximierung liegt beim Personal: Selbst, wenn die Prüfer kommen und auffliegt, dass zu wenig Fachkräfte im Einsatz sind, gibt es erst einmal eine Beratung. Selbst Wiederbelegungsverbote werden außer bei gravierenden Verstößen nur befristet erteilt, zu dringend werden die Pflegeplätze gebraucht.

Arbeitsbedingungen und Bezahlung zu verbessern, sollte zudem schon der Selbsterhaltungstrieb fordern. Denn spätestens 2040 wird die stärkste Bevölkerungsgruppe im Kreis die der 70- bis 80-Jährigen sein. Das, übrigens, sind Sie, verehrte 50- bis 60-Jährige von heute.

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