Kommentar zum Thema Klimawandel im Rathaus: Vertrauen ist besser Dirk Haunhorst Bürgermeisterkandidaten sind auf die Unterstützung politischer Parteien angewiesen, aber nach ihrer Wahl zuerst Verwaltungschefs und damit auf Distanz zu jenen, die sie einst auf den Schild hoben. Dieser Rollenwechsel ist wesentlicher Grund für die chronische Enttäuschung mancher Politiker über „ihren“ Bürgermeister. So weit, so normal. Schwierig wird es für die neue Bürgermeisterin jedoch, wenn wichtige Mitarbeiter im Rathaus auf Distanz gehen. Der neuen Verwaltungschefin eilt der Ruf voraus, recht detailverliebt über sämtliche Vorgänge Bescheid wissen zu wollen, was nicht nur ihr selbst, sondern auch Mitarbeitern vor allem im engeren Umfeld ein erhebliches Pensum abverlangt. Gerüchte von Versetzungsanträgen und drohenden Kündigungen infolge von Überlastung machen längst die Runde. Keine guten Aussichten angesichts einer ohnehin schon hohen Fluktuation in der Verwaltung. Wie gravierend die Probleme tatsächlich sind, lässt sich von außen kaum beurteilen. Aber dass es mit dem Betriebsklima nicht zum Besten bestellt ist, pfeifen die Spatzen seit Monaten vom Portaner Rathausdach. Die Verwaltungschefin trägt dafür zwangsläufig eine Mitverantwortung. Vielleicht würde es schon helfen, wenn sie in der Personalführung eine alte sprichwörtliche Maxime umkehren würde zu „Kontrolle ist gut, Vertrauen ist besser“. Auch in ihrer Rolle als Moderatorin – eine bei Konflikten wichtige Aufgabe, die Böhme und Hedtmann recht gut beherrschten – war Gerlach bislang selten wahrnehmbar. Die Bürgermeisterin hat oft darauf hingewiesen, dass die Verwaltung in einigen Bereichen dünn besetzt ist. Ob neue Stellen – etwa im Stadtmarketing oder für die Umsetzung von Klimaschutzbeschlüssen – tatsächlich nötig sind, muss die Politik entscheiden. Sicher ist aber, dass die Verwaltung als Arbeitgeberin ein besseres Image braucht, um potenzielle Bewerber zu interessieren. Dazu muss Gerlach entscheidend beitragen. Ansonsten wird es einsam um sie. Wie bereits an jenen Abenden, an denen im Bürgermeisterbüro sehr lange das Licht brennt.

Kommentar zum Thema Klimawandel im Rathaus: Vertrauen ist besser

HAunhorst © Lehn

Bürgermeisterkandidaten sind auf die Unterstützung politischer Parteien angewiesen, aber nach ihrer Wahl zuerst Verwaltungschefs und damit auf Distanz zu jenen, die sie einst auf den Schild hoben. Dieser Rollenwechsel ist wesentlicher Grund für die chronische Enttäuschung mancher Politiker über „ihren“ Bürgermeister.

So weit, so normal. Schwierig wird es für die neue Bürgermeisterin jedoch, wenn wichtige Mitarbeiter im Rathaus auf Distanz gehen. Der neuen Verwaltungschefin eilt der Ruf voraus, recht detailverliebt über sämtliche Vorgänge Bescheid wissen zu wollen, was nicht nur ihr selbst, sondern auch Mitarbeitern vor allem im engeren Umfeld ein erhebliches Pensum abverlangt. Gerüchte von Versetzungsanträgen und drohenden Kündigungen infolge von Überlastung machen längst die Runde. Keine guten Aussichten angesichts einer ohnehin schon hohen Fluktuation in der Verwaltung.

Wie gravierend die Probleme tatsächlich sind, lässt sich von außen kaum beurteilen. Aber dass es mit dem Betriebsklima nicht zum Besten bestellt ist, pfeifen die Spatzen seit Monaten vom Portaner Rathausdach. Die Verwaltungschefin trägt dafür zwangsläufig eine Mitverantwortung. Vielleicht würde es schon helfen, wenn sie in der Personalführung eine alte sprichwörtliche Maxime umkehren würde zu „Kontrolle ist gut, Vertrauen ist besser“. Auch in ihrer Rolle als Moderatorin – eine bei Konflikten wichtige Aufgabe, die Böhme und Hedtmann recht gut beherrschten – war Gerlach bislang selten wahrnehmbar.

Malina Reckordt

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Die Bürgermeisterin hat oft darauf hingewiesen, dass die Verwaltung in einigen Bereichen dünn besetzt ist. Ob neue Stellen – etwa im Stadtmarketing oder für die Umsetzung von Klimaschutzbeschlüssen – tatsächlich nötig sind, muss die Politik entscheiden. Sicher ist aber, dass die Verwaltung als Arbeitgeberin ein besseres Image braucht, um potenzielle Bewerber zu interessieren. Dazu muss Gerlach entscheidend beitragen. Ansonsten wird es einsam um sie. Wie bereits an jenen Abenden, an denen im Bürgermeisterbüro sehr lange das Licht brennt.

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