Kommentar zum Thema Impfen: Gegen die Spaltung Benjamin Piel Es gibt Gräben, die sich inzwischen ungesund quer durch die Gesellschaft ziehen. Sie trennen Menschen voneinander und verlaufen mitunter selbst durch Familien oder durch Freundschaften hindurch. Sie spalten die Menschen in zwei Lager. Einer der Gräben, die am tiefsten trennen, ist jener zwischen Geimpften und Ungeimpften. Dazu hat auch die Politik beigetragen. Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sprach bei seinem gestrigen Besuch in der Innenstadtklinik erneut von einer „Pandemie der Ungeimpften“. Das ist sachlich richtig, denn nach aktuellem Stand sind 90 Prozent derjenigen, die mit einer Infektion ins Krankenhaus kommen, nicht geimpft. Eine Ansage ist es trotzdem. Auch die Medien haben ihren Teil geleistet, indem sie Ungeimpfte stereotyp als Verschwörungsanfällige dargestellt haben. Als wäre es die Aufgabe von Journalisten, Menschen zur Impfung zu überreden. Ist es nicht! Wir sollten darstellen und vorstellen. Zum Beispiel, warum sich jemand wie Jean-Pierre Trouillon nicht impfen lässt (Seite 4). Es ist eines freiheitlichen Staates unwürdig, Ungeimpfte regelmäßig als dumpf darzustellen und ihnen Schuld zuzuschieben. Denn damit stellt sich die Frage: Wie frei ist denn nun frei? Wenn es den Menschen tatsächlich frei steht, eine Entscheidung zu treffen, sollte diese Entscheidung akzeptiert werden. Alles andere wäre nur die Vorspiegelung von Freiheit. Die Motive von Ungeimpften sind vielfältig, die der Geimpften auch. Das ist zu besprechen – auch, weil die Freiheit der einen immer auch ein Stück weit die der anderen tangiert. Sie ist aber nicht pauschal und schablonenhaft zu verdammen. Denn es gibt etwas, das womöglich schlimmer ist als eine zu niedrige Impfquote: eine unversöhnlich zerrüttete Gesellschaft.

Kommentar zum Thema Impfen: Gegen die Spaltung

Es gibt Gräben, die sich inzwischen ungesund quer durch die Gesellschaft ziehen. Sie trennen Menschen voneinander und verlaufen mitunter selbst durch Familien oder durch Freundschaften hindurch. Sie spalten die Menschen in zwei Lager. Einer der Gräben, die am tiefsten trennen, ist jener zwischen Geimpften und Ungeimpften.

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Dazu hat auch die Politik beigetragen. Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sprach bei seinem gestrigen Besuch in der Innenstadtklinik erneut von einer „Pandemie der Ungeimpften“. Das ist sachlich richtig, denn nach aktuellem Stand sind 90 Prozent derjenigen, die mit einer Infektion ins Krankenhaus kommen, nicht geimpft. Eine Ansage ist es trotzdem. Auch die Medien haben ihren Teil geleistet, indem sie Ungeimpfte stereotyp als Verschwörungsanfällige dargestellt haben. Als wäre es die Aufgabe von Journalisten, Menschen zur Impfung zu überreden. Ist es nicht! Wir sollten darstellen und vorstellen. Zum Beispiel, warum sich jemand wie Jean-Pierre Trouillon nicht impfen lässt (Seite 4).

Es ist eines freiheitlichen Staates unwürdig, Ungeimpfte regelmäßig als dumpf darzustellen und ihnen Schuld zuzuschieben. Denn damit stellt sich die Frage: Wie frei ist denn nun frei? Wenn es den Menschen tatsächlich frei steht, eine Entscheidung zu treffen, sollte diese Entscheidung akzeptiert werden. Alles andere wäre nur die Vorspiegelung von Freiheit. Die Motive von Ungeimpften sind vielfältig, die der Geimpften auch. Das ist zu besprechen – auch, weil die Freiheit der einen immer auch ein Stück weit die der anderen tangiert. Sie ist aber nicht pauschal und schablonenhaft zu verdammen.

Denn es gibt etwas, das womöglich schlimmer ist als eine zu niedrige Impfquote: eine unversöhnlich zerrüttete Gesellschaft.

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