Kommentar zum Protest gegen Pflegekammer: Falsche Signalwirkung Thomas Lieske Eine Perspektive, die viele Betroffene nun nach Monaten und Jahren des – berechtigten – Ächzens und Stöhnens aber gar nicht annehmen wollen. Stattdessen nutzen sie die wenige Freizeit, die ihnen neben dem fordernden Job bleibt, um zu protestieren, seitenlange Petitionen aufzusetzen und gegen ihr eigenes Sprachrohr vorzugehen, bevor es überhaupt offiziell seine Arbeit aufnehmen konnte. Das hat in etwa die gleiche Signalwirkung wie ein in Not geratener Mensch, der sich darüber beklagt, dass ein Rettungswagen zur Hilfe kommt. Es ist maximal unglücklich. Mindestens genauso unglücklich sind allerdings auch die Rahmenbedingungen, die die per Gesetz verordnete Hilfe für die Pflegebranche mit sich bringt. Gesetze bergen immer eine Art Zwang – und so ist es auch in diesem Fall: Voll ausgebildete Pflegefachkräfte werden gezwungen, Mitglied der Pflegekammer zu werden – mit einer entsprechenden Jahresgebühr, die sie zahlen müssen. Fairer wäre es, wenn jede und jeder selbst entscheiden könnte, ob er oder sie sich von einer Institution in der Bundespolitik vertreten lassen möchte – oder eben nicht. Dann sollte aber umgekehrt auch gelten: Wenn die Pflegekammer Verbesserungen für ihre Mitglieder erzielt, dürfen diese auch nur für ebendiese gelten. Alles andere wäre ebenso unglücklich und auch unfair.

Kommentar zum Protest gegen Pflegekammer: Falsche Signalwirkung

Thomas Lieske © Alex Lehn

Eine Perspektive, die viele Betroffene nun nach Monaten und Jahren des – berechtigten – Ächzens und Stöhnens aber gar nicht annehmen wollen. Stattdessen nutzen sie die wenige Freizeit, die ihnen neben dem fordernden Job bleibt, um zu protestieren, seitenlange Petitionen aufzusetzen und gegen ihr eigenes Sprachrohr vorzugehen, bevor es überhaupt offiziell seine Arbeit aufnehmen konnte. Das hat in etwa die gleiche Signalwirkung wie ein in Not geratener Mensch, der sich darüber beklagt, dass ein Rettungswagen zur Hilfe kommt. Es ist maximal unglücklich.

Mindestens genauso unglücklich sind allerdings auch die Rahmenbedingungen, die die per Gesetz verordnete Hilfe für die Pflegebranche mit sich bringt. Gesetze bergen immer eine Art Zwang – und so ist es auch in diesem Fall: Voll ausgebildete Pflegefachkräfte werden gezwungen, Mitglied der Pflegekammer zu werden – mit einer entsprechenden Jahresgebühr, die sie zahlen müssen. Fairer wäre es, wenn jede und jeder selbst entscheiden könnte, ob er oder sie sich von einer Institution in der Bundespolitik vertreten lassen möchte – oder eben nicht. Dann sollte aber umgekehrt auch gelten: Wenn die Pflegekammer Verbesserungen für ihre Mitglieder erzielt, dürfen diese auch nur für ebendiese gelten. Alles andere wäre ebenso unglücklich und auch unfair.

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