Kommentar zu „Spaziergängern“: Schluss mit Spielchen Benjamin Piel Was war das für eine merkwürdige Szenerie am Donnerstag auf dem Mindener Marktplatz. Da standen schon ab nachmittags 17 Polizeiwagen und warteten. Alles in allem 150 Polizeibeamte waren im Einsatz. Sie hielten Ausschau nach sogenannten „Spaziergängern", die sich angekündigt hatten, um gegen die staatlichen Corona-Maßnahmen zu protestieren. Am Ende war es jedoch eine so mickrige Gruppe, dass das Polizeiaufgebot wie eine Persiflage einer staatlichen Machtdemonstration wirkte. Bedrohlich kam das übrigens für unbeteiligt Flanierende daher. Vielfach fragten sie nach, was denn los sei und ob man sich sorgen müsse. Da biss sich die Katze also selbst in den Schwanz, denn eigentlich hatte die Polizeipräsenz das Ziel, Sicherheit zu signalisieren. Und zu symbolisieren, dass der Staat im Zweifel bereit ist, seine Verordnungen auch durchzusetzen statt nur lieb zu bitten. Schließlich war es Tag eins der neuen Corona-Verordnung, die besagt, dass bei Veranstaltungen auch im Freien Masken zu tragen sind. Zuvor war das erst ab einer Teilnehmerzahl von 750 der Fall gewesen Als neutraler Beobachter möchte man allen Beteiligten zurufen: Hört doch bitte auf mit diesen kindischen Spielchen – kehrt zurück zu einer Auseinandersetzung um die Sache! Und eine Frage schwingt auch mit: Sind die Corona-Situation als solche und die notwendige Auseinandersetzung um das Ringen ums richtige Maß staatlicher Reaktionen auf steigende Infektionszahlen nicht zu ernst, um sich so ein Klein-Klein zu liefern? Das gilt erstens für die „Spaziergänger". Deren Beharren darauf, sie seien solche und keine Protestierenden ist erstens lächerlich und zweitens ihrer Sache auch gar nicht zuträglich. Viel besser, gradliniger und sachlicher wäre es, klar zum Demonstrationsanliegen zu stehen und die Veranstaltungen anzumelden. Das wäre klare Kante, würde der Polizei Planungssicherheit und dem Anliegen einen klaren Rahmen verschaffen. Wenn dagegen Menschen stumm mit einer Kerze durch die Stadt laufen, ohne Rede, ohne Schilder, ohne nach außen klar erkennbare Botschaft, dann bleibt das Ziel dieser Aktionen unklar, weil nebulös vorgetragen. Und wer die Polizei vor Rätsel stellt, macht sich verdächtig, dass es ihm eher um dieses Katz-und-Maus-Spiel geht als um die Sache. Und auch die Polizei hat sich mit der Machtdemonstration keinen Dienst erwiesen. Das war zu viel der Ehre, zu viel des Aufwands, zu viel der Kosten und zu viel der Symbolik für eine offensichtlich versprengte Kleingruppe. Ja, dass die „Spaziergänger" Katz und Maus spielen wollen, erschwert der Polizei die Planung. Sind zu wenige Kräfte vor Ort, gibt es Kritik. Wirkt der Aufwand so überdimensioniert wie jetzt, sieht das aber auch nicht gut aus. Auf das Räuber-und-Gendarm-Gehabe der Protestierenden sollte die Polizei besser gar nicht erst einsteigen. Oder konkreter: nun schnell wieder aussteigen!

Kommentar zu „Spaziergängern“: Schluss mit Spielchen

Die Polizei ist Donnerstagabend mit einem großen Aufgebot in der Mindener Innenstadt unterwegs gewesen. © MT-Foto: Alex Lehn

Was war das für eine merkwürdige Szenerie am Donnerstag auf dem Mindener Marktplatz. Da standen schon ab nachmittags 17 Polizeiwagen und warteten. Alles in allem 150 Polizeibeamte waren im Einsatz. Sie hielten Ausschau nach sogenannten „Spaziergängern", die sich angekündigt hatten, um gegen die staatlichen Corona-Maßnahmen zu protestieren. Am Ende war es jedoch eine so mickrige Gruppe, dass das Polizeiaufgebot wie eine Persiflage einer staatlichen Machtdemonstration wirkte.

Bedrohlich kam das übrigens für unbeteiligt Flanierende daher. Vielfach fragten sie nach, was denn los sei und ob man sich sorgen müsse. Da biss sich die Katze also selbst in den Schwanz, denn eigentlich hatte die Polizeipräsenz das Ziel, Sicherheit zu signalisieren. Und zu symbolisieren, dass der Staat im Zweifel bereit ist, seine Verordnungen auch durchzusetzen statt nur lieb zu bitten. Schließlich war es Tag eins der neuen Corona-Verordnung, die besagt, dass bei Veranstaltungen auch im Freien Masken zu tragen sind. Zuvor war das erst ab einer Teilnehmerzahl von 750 der Fall gewesen

Als neutraler Beobachter möchte man allen Beteiligten zurufen: Hört doch bitte auf mit diesen kindischen Spielchen – kehrt zurück zu einer Auseinandersetzung um die Sache! Und eine Frage schwingt auch mit: Sind die Corona-Situation als solche und die notwendige Auseinandersetzung um das Ringen ums richtige Maß staatlicher Reaktionen auf steigende Infektionszahlen nicht zu ernst, um sich so ein Klein-Klein zu liefern?

Das gilt erstens für die „Spaziergänger". Deren Beharren darauf, sie seien solche und keine Protestierenden ist erstens lächerlich und zweitens ihrer Sache auch gar nicht zuträglich. Viel besser, gradliniger und sachlicher wäre es, klar zum Demonstrationsanliegen zu stehen und die Veranstaltungen anzumelden. Das wäre klare Kante, würde der Polizei Planungssicherheit und dem Anliegen einen klaren Rahmen verschaffen. Wenn dagegen Menschen stumm mit einer Kerze durch die Stadt laufen, ohne Rede, ohne Schilder, ohne nach außen klar erkennbare Botschaft, dann bleibt das Ziel dieser Aktionen unklar, weil nebulös vorgetragen. Und wer die Polizei vor Rätsel stellt, macht sich verdächtig, dass es ihm eher um dieses Katz-und-Maus-Spiel geht als um die Sache.

Und auch die Polizei hat sich mit der Machtdemonstration keinen Dienst erwiesen. Das war zu viel der Ehre, zu viel des Aufwands, zu viel der Kosten und zu viel der Symbolik für eine offensichtlich versprengte Kleingruppe. Ja, dass die „Spaziergänger" Katz und Maus spielen wollen, erschwert der Polizei die Planung. Sind zu wenige Kräfte vor Ort, gibt es Kritik. Wirkt der Aufwand so überdimensioniert wie jetzt, sieht das aber auch nicht gut aus. Auf das Räuber-und-Gendarm-Gehabe der Protestierenden sollte die Polizei besser gar nicht erst einsteigen. Oder konkreter: nun schnell wieder aussteigen!

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