Kommentar zu Live-Übertragungen von Ratssitzungen: Bürgernähe auch ohne Kamera Dirk Haunhorst Die Bedenken gegen die Live-Übertragung von Ratssitzungen sind in Porta Westfalica so groß, dass daraus vorerst nichts wird. Einerseits bedauerlich, weil manche politische Debatte – man denke nur an den Streit über die Grundschulstandorte – mehr Publikum verdient (gehabt) hätte als die ein, zwei Hand voll Zuschauer, die dafür in der Regel den Weg zum Rathaus auf sich nehmen. Andererseits fände manche lebhafte Auseinandersetzung vor laufender Kamera vermutlich gar nicht statt. Weil die Politiker auf Nummer sicher gingen und lieber Schaufensterreden hielten, anstatt sich mit pointierter Meinung angreifbar zu machen. Wenn aber aus steifer Kameraperspektive heraus lediglich wortreiche Fehlervermeidung übertragen würde, bliebe die Debatte auf der Strecke. Wer wollte sich so etwas anschauen? Mehr Bürgernähe und Transparenz – das ginge auch ohne Rats-TV heute schon: Indem beispielsweise die Tagesordnung grundsätzlich so gestaltet wird, dass Publikumsthemen möglichst frühzeitig behandelt werden, um Zuschauer nicht lange warten zu lassen. Hilfreich wäre auch, Sitzungen nicht mit so vielen Punkten zu überfrachten, dass nach drei Stunden jeder erschöpft, aber erst die Hälfte des Programms abgearbeitet ist. Und wichtig bleibt, dass die Verwaltung verständliche Sitzungsvorlagen schreibt, die im Idealfall kurz sind. Zu mehr Effizienz können auch Politikerinnen und Politiker beitragen, wenn sie darauf verzichten, mit eigenen Worten das zu wiederholen, was der Kollege aus der anderen Fraktion längst vorgetragen hat. Und die Ratsvertreter sollten so laut und deutlich sprechen, dass nicht nur die Verwaltung das Gesagte wahrnimmt, sondern auch das Publikum in den hinteren Reihen. Wer verstanden werden will, muss auch zu hören sein. Kurz: Politik und Verwaltung sollten ihre Sitzungen schon heute so gestalten, dass sich eine Live-Übertragung lohnen könnte. Das wäre ein Fortschritt.

Kommentar zu Live-Übertragungen von Ratssitzungen: Bürgernähe auch ohne Kamera

Die Bedenken gegen die Live-Übertragung von Ratssitzungen sind in Porta Westfalica so groß, dass daraus vorerst nichts wird. Einerseits bedauerlich, weil manche politische Debatte – man denke nur an den Streit über die Grundschulstandorte – mehr Publikum verdient (gehabt) hätte als die ein, zwei Hand voll Zuschauer, die dafür in der Regel den Weg zum Rathaus auf sich nehmen. Andererseits fände manche lebhafte Auseinandersetzung vor laufender Kamera vermutlich gar nicht statt. Weil die Politiker auf Nummer sicher gingen und lieber Schaufensterreden hielten, anstatt sich mit pointierter Meinung angreifbar zu machen. Wenn aber aus steifer Kameraperspektive heraus lediglich wortreiche Fehlervermeidung übertragen würde, bliebe die Debatte auf der Strecke. Wer wollte sich so etwas anschauen?

Mehr Bürgernähe und Transparenz – das ginge auch ohne Rats-TV heute schon: Indem beispielsweise die Tagesordnung grundsätzlich so gestaltet wird, dass Publikumsthemen möglichst frühzeitig behandelt werden, um Zuschauer nicht lange warten zu lassen. Hilfreich wäre auch, Sitzungen nicht mit so vielen Punkten zu überfrachten, dass nach drei Stunden jeder erschöpft, aber erst die Hälfte des Programms abgearbeitet ist. Und wichtig bleibt, dass die Verwaltung verständliche Sitzungsvorlagen schreibt, die im Idealfall kurz sind. Zu mehr Effizienz können auch Politikerinnen und Politiker beitragen, wenn sie darauf verzichten, mit eigenen Worten das zu wiederholen, was der Kollege aus der anderen Fraktion längst vorgetragen hat. Und die Ratsvertreter sollten so laut und deutlich sprechen, dass nicht nur die Verwaltung das Gesagte wahrnimmt, sondern auch das Publikum in den hinteren Reihen. Wer verstanden werden will, muss auch zu hören sein.

Kurz: Politik und Verwaltung sollten ihre Sitzungen schon heute so gestalten, dass sich eine Live-Übertragung lohnen könnte. Das wäre ein Fortschritt.

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