Kommentar zu Corona-Fällen in der Handball-Nationalmannschaft: Spiel mit dem Feuer Marcus Riechmann Die Corona-Fälle der deutschen Handball-Nationalmannschaft werfen eine zentrale Frage auf: Entweder nützen auch bester Schutz und beste Abschottung nichts, oder es Schutz und Abschottung haben nicht bestmöglich stattgefunden. Von Montag bis Sonntag befand sich das DHB-Team in einer Blase, regelmäßig wurden alle Spieler getestet. Umfassende Schutzmaßnahmen waren verordnet worden. Und trotzdem kehren die Spieler mit Covid-19-Infektionen zurück und tragen das Virus hinein in ihre Klubs und damit auch mitten hinein in die Liga. Die Erkrankungen vollzogen sich im unglücklichsten Moment zwischen der Abreise in Estland und der Rückkehr zu den Vereinen. Die Risiken der Länderspielwoche haben sich realisiert und schlagen voll durch in den Betrieb der Bundesliga: Spiele fallen aus. Es werden nicht die letzten sein. Bitter, Michalczik, Knorr, Lemke – wer sind die nächsten Corona-Fälle aus dem Kreis der Nationalspieler? Wie und wann hat die Infektion stattgefunden? Beim Spiel selbst oder abseits des Sports? Welche Rückschlüsse lassen sich ziehen, welche Maßnahmen künftig ergreifen? Diese Fragen brennen. Ob sich Antworten finden lassen? Man darf festhalten: Das Schutzsystem der Handball-Bundesliga mag gut sein. Perfekt ist es nicht. Alle Versuche der Abschottung enden dort, wo sich die Spieler privat durch das Leben bewegen. Testungen vermitteln lediglich eine relative und im Einzelfall gar eine trügerische Sicherheit. Das Beispiel Juri Knorr zeigt: Ein negativer Test zwei Tage vor dem Spiel beweist eben nicht, dass man am Spieltag nicht infiziert oder nicht ansteckend ist. Knorr wäre durch das Raster der HBL-Testungen gerutscht und hätte nach seinem negativen Dienstagtest am Donnerstag spielen dürfen. Das haben nur die Zusatz-Testungen von GWD verhindert. Wir lernen: Internationale Begegnungen, die Mischung von Spielern aus verschiedenen Teams – all das birgt große Gefahren. Das war vorher bekannt. Nun ist es belegt. Der Schlamassel lässt sich nicht rückgängig machen, aber vielleicht wird man ja auch Schaden klug. Die Verantwortlichen müssen nun Konsequenzen ziehen: Wenn die europäischen Verbände den Spielbetrieb in den nationalen Ligen retten wollen, müssen internationale Wettbewerbe ruhen. Auch wenn das viel TV-Geld kostet. Etwas Weitsicht hätte auch der Liga gut getan. Doch die hat ihren eigenen Interessen folgend auf Normalbetrieb geschaltet, am Spielplan festgehalten, alle Nationalspieler in der Liga wieder mitmischen lassen und einen Schneeball-Effekt riskiert. Ein Spiel mit dem Feuer. Stattdessen wäre eine Absage des Spieltags mit allen Partien am Mittwoch und Donnerstag die einzig richtige Entscheidung gewesen. Warum lediglich das Spiel zwischen Flensburg und Melsungen am Mittwoch abgesagt wurde, ist schleierhaft. Eine Woche Ruhe, Inkubationszeit abwarten und dann wieder loslegen. Nicht mit absoluter, aber immerhin mit relativer Sicherheit. Das nennt sich Verantwortung übernehmen. Verantwortung für Bundesliga und Verantwortung für die Menschen, die dort Handball spielen.

Kommentar zu Corona-Fällen in der Handball-Nationalmannschaft: Spiel mit dem Feuer

Marcus Riechmann © Alex Lehn

Die Corona-Fälle der deutschen Handball-Nationalmannschaft werfen eine zentrale Frage auf: Entweder nützen auch bester Schutz und beste Abschottung nichts, oder es Schutz und Abschottung haben nicht bestmöglich stattgefunden.

Von Montag bis Sonntag befand sich das DHB-Team in einer Blase, regelmäßig wurden alle Spieler getestet. Umfassende Schutzmaßnahmen waren verordnet worden. Und trotzdem kehren die Spieler mit Covid-19-Infektionen zurück und tragen das Virus hinein in ihre Klubs und damit auch mitten hinein in die Liga. Die Erkrankungen vollzogen sich im unglücklichsten Moment zwischen der Abreise in Estland und der Rückkehr zu den Vereinen. Die Risiken der Länderspielwoche haben sich realisiert und schlagen voll durch in den Betrieb der Bundesliga: Spiele fallen aus. Es werden nicht die letzten sein.

Bitter, Michalczik, Knorr, Lemke – wer sind die nächsten Corona-Fälle aus dem Kreis der Nationalspieler? Wie und wann hat die Infektion stattgefunden? Beim Spiel selbst oder abseits des Sports? Welche Rückschlüsse lassen sich ziehen, welche Maßnahmen künftig ergreifen? Diese Fragen brennen. Ob sich Antworten finden lassen?

Man darf festhalten: Das Schutzsystem der Handball-Bundesliga mag gut sein. Perfekt ist es nicht. Alle Versuche der Abschottung enden dort, wo sich die Spieler privat durch das Leben bewegen. Testungen vermitteln lediglich eine relative und im Einzelfall gar eine trügerische Sicherheit. Das Beispiel Juri Knorr zeigt: Ein negativer Test zwei Tage vor dem Spiel beweist eben nicht, dass man am Spieltag nicht infiziert oder nicht ansteckend ist. Knorr wäre durch das Raster der HBL-Testungen gerutscht und hätte nach seinem negativen Dienstagtest am Donnerstag spielen dürfen. Das haben nur die Zusatz-Testungen von GWD verhindert.

Wir lernen: Internationale Begegnungen, die Mischung von Spielern aus verschiedenen Teams – all das birgt große Gefahren. Das war vorher bekannt. Nun ist es belegt. Der Schlamassel lässt sich nicht rückgängig machen, aber vielleicht wird man ja auch Schaden klug. Die Verantwortlichen müssen nun Konsequenzen ziehen: Wenn die europäischen Verbände den Spielbetrieb in den nationalen Ligen retten wollen, müssen internationale Wettbewerbe ruhen. Auch wenn das viel TV-Geld kostet.

Etwas Weitsicht hätte auch der Liga gut getan. Doch die hat ihren eigenen Interessen folgend auf Normalbetrieb geschaltet, am Spielplan festgehalten, alle Nationalspieler in der Liga wieder mitmischen lassen und einen Schneeball-Effekt riskiert. Ein Spiel mit dem Feuer. Stattdessen wäre eine Absage des Spieltags mit allen Partien am Mittwoch und Donnerstag die einzig richtige Entscheidung gewesen. Warum lediglich das Spiel zwischen Flensburg und Melsungen am Mittwoch abgesagt wurde, ist schleierhaft. Eine Woche Ruhe, Inkubationszeit abwarten und dann wieder loslegen. Nicht mit absoluter, aber immerhin mit relativer Sicherheit. Das nennt sich Verantwortung übernehmen. Verantwortung für Bundesliga und Verantwortung für die Menschen, die dort Handball spielen.

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