Glosse: Warum Porta drei Bürgermeister-Stellvertreter braucht Dirk Haunhorst Krisen wecken in manchen Menschen die Kreativität. Sie tun dann genau das Gegenteil des Erwarteten, was durchaus unterhaltsam sein kann. Als deutsche Fußballer neulich in Spanien rasch zurücklagen, versuchten sie es nicht mit Angreifen, sondern stellten zur allgemeinen Verwunderung das Verteidigen ein. Man kann der Mannschaft aber wenig vorwerfen, trat sie doch ohne Trainer an. Antizyklisches Verhalten muss nicht kopflos sein. Wer bei Regen ins Freibad geht, hat einen riesigen Pool für sich allein, und wer bei sinkenden Kursen Aktien kauft, bekommt deutlich mehr für sein Geld. Überhaupt das Geld: Davon scheint ja zurzeit reichlich vorhanden zu sein. Die Bereitschaft, die öffentlichen Ausgaben in der Coronazeit zu erhöhen, wirkt nachgerade ansteckend: In Porta haben die Politiker einmütig entschieden, sich einen zusätzlichen dritten stellvertretenden Bürgermeister zu leisten. Das hat natürlich nichts mit Kungelei oder Postengeschacher zu tun, wie manche unken, sondern entspricht konsequent dem antizyklischen Ideal: Je weniger öffentliche Termine stattfinden, desto mehr Personal braucht es, um sie nicht wahrnehmen zu können. Diese höhere Erkenntnis war früheren Politikergenerationen noch verschlossen. So eilte in den 1980er und -90er Jahren der ehrenamtliche Bürgermeister Heinrich Schäfer am Wochenende von Termin zu Termin, grüßte hier und redete dort, verteilte kleine Präsente und plauderte mit zahllosen Menschen bei Wasser und Bier. Manche behaupteten, Schäfer hätte so viele Einsätze gehabt, dass er auf manchen Veranstaltungen sogar sich selbst begegnet wäre. Die neue hauptamtliche Bürgermeisterin und ihre drei ehrenamtlichen Stellvertreter werden indes wohl noch monatelang mangels offizieller Anlässe kaum einen Bürger zu Gesicht bekommen. Und wenn es dann allmählich wieder losgeht, muss das Quartett wohl Schnick, Schnack, Schnuck spielen, um zu entscheiden, wer wohin darf. Beispielsweise zu Altbürgermeister Schäfer, der Anfang März 90 Jahre alt wird. Im selben Monat soll übrigens auch wieder eine deutsche Fußballmannschaft antreten, eventuell mit Trainer. In der Zwischenzeit lässt sich der sogenannte Winter bei regelmäßiger Zufuhr warmer Getränke am besten draußen überstehen. Richtig kalt wird’s eh nicht. Schneefall an Weihnachten wäre sogar antizyklisch.

Glosse: Warum Porta drei Bürgermeister-Stellvertreter braucht

Glosse © Lehn

Krisen wecken in manchen Menschen die Kreativität. Sie tun dann genau das Gegenteil des Erwarteten, was durchaus unterhaltsam sein kann. Als deutsche Fußballer neulich in Spanien rasch zurücklagen, versuchten sie es nicht mit Angreifen, sondern stellten zur allgemeinen Verwunderung das Verteidigen ein. Man kann der Mannschaft aber wenig vorwerfen, trat sie doch ohne Trainer an.

Antizyklisches Verhalten muss nicht kopflos sein. Wer bei Regen ins Freibad geht, hat einen riesigen Pool für sich allein, und wer bei sinkenden Kursen Aktien kauft, bekommt deutlich mehr für sein Geld. Überhaupt das Geld: Davon scheint ja zurzeit reichlich vorhanden zu sein. Die Bereitschaft, die öffentlichen Ausgaben in der Coronazeit zu erhöhen, wirkt nachgerade ansteckend: In Porta haben die Politiker einmütig entschieden, sich einen zusätzlichen dritten stellvertretenden Bürgermeister zu leisten. Das hat natürlich nichts mit Kungelei oder Postengeschacher zu tun, wie manche unken, sondern entspricht konsequent dem antizyklischen Ideal: Je weniger öffentliche Termine stattfinden, desto mehr Personal braucht es, um sie nicht wahrnehmen zu können.

Diese höhere Erkenntnis war früheren Politikergenerationen noch verschlossen. So eilte in den 1980er und -90er Jahren der ehrenamtliche Bürgermeister Heinrich Schäfer am Wochenende von Termin zu Termin, grüßte hier und redete dort, verteilte kleine Präsente und plauderte mit zahllosen Menschen bei Wasser und Bier. Manche behaupteten, Schäfer hätte so viele Einsätze gehabt, dass er auf manchen Veranstaltungen sogar sich selbst begegnet wäre.

Die neue hauptamtliche Bürgermeisterin und ihre drei ehrenamtlichen Stellvertreter werden indes wohl noch monatelang mangels offizieller Anlässe kaum einen Bürger zu Gesicht bekommen. Und wenn es dann allmählich wieder losgeht, muss das Quartett wohl Schnick, Schnack, Schnuck spielen, um zu entscheiden, wer wohin darf. Beispielsweise zu Altbürgermeister Schäfer, der Anfang März 90 Jahre alt wird. Im selben Monat soll übrigens auch wieder eine deutsche Fußballmannschaft antreten, eventuell mit Trainer. In der Zwischenzeit lässt sich der sogenannte Winter bei regelmäßiger Zufuhr warmer Getränke am besten draußen überstehen. Richtig kalt wird’s eh nicht. Schneefall an Weihnachten wäre sogar antizyklisch.

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